Imposanter Aufstieg der Radikalen Linken in Griechenland

13. Mai 2012 / Aktualisiert: 24. September 2017 / Aufrufe: 2.199

Eine erste Meinungsumfrage zu eventuellen erneuten Parlamentswahlen in Griechenland im Juni 2012 zeigt einen imposanten Aufstieg der Allianz der Radikalen Linken.

Eine erste nach den Parlamentswahlen am 06 Mai 2012 in Griechenland durchgeführte Meinungsumfrage zeigt das SYRIZA-Bündnis als erste Partei in der Stimmabsicht der Bürger bei eventuellen erneuten Parlamentswahlen im Juni 2012. Allerdings wollen fast 2/3 der Befragten eine Koalitionsregierung und nur knapp 1/3 erneute Parlamentswahlen.

Der größte Teil der neuen SYRIZA-Wähler erklärt, von der Kommunistischen Partei Griechenlands (22%) und kleineren Parteien (19,3%) wie Ökologen – Grünen und ANTARSYA abgewandert zu sein, deren Stimmanteile im Verhältnis zu dem letzten Wahlergebnis deutlich niedriger ausfallen. Weitere 11% der neuen SYRIZA-Wähler kommen von den „Unabhängigen Griechen“ und jeweils 8% von PASOK (Panhellenische Kommunistische Bewegung) und Chrysi Avgi (Goldene Morgenröte).

Stimmabsicht im Fall erneuter Parlamentswahlen in Griechenland

SYRIZA – ND (Nea Dimokratia) – PASOK – Unabhängige Griechen – KKE (Kommunistische Parte Griechenlands) – Chrysi Avgi – DIMAR (Demokratische Linke)
Meinigsumfrage Wiederholungswahl in Griechenland - Stimmanteil
(Zur Anzeige der Parteinahmen den Mauszeiger auf das jeweilige Partei-Logo führen)

SYRIZA - Bündnis der Radikalen Linken ND - Nea Dimokratia PASOK - Panhellenische Sozialistische Bewegung Unabhängige Griechen KKK - Kommunistische Partei Griechenlands Chrysi Avgi - Goldene Morgenröte DIMAR - Demokratische Linke

Mandate auf Basis der Stimmabsicht im Fall erneuter Wahlen

Meinigsumfrage Wiederholungswahl in Griechenland - Mandate
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SYRIZA - Bündnis der Radikalen Linken ND - Nea Dimokratia PASOK - Panhellenische Sozialistische Bewegung Unabhängige Griechen KKK - Kommunistische Partei Griechenlands Chrysi Avgi - Goldene Morgenröte DIMAR - Demokratische Linke

Hälfte der Bürger ist mit dem Wahlergebnis vom 06 Mai 2012 unzufrieden

Das Wahlergebnis vom 06 Mai 2012 erachten laut der Erhebung 53,2% der Wähler als minimal oder überhaupt nicht zufriedenstellend, 44,8% sind dagegen sehr oder hinreichend zufrieden. Bei 36,3% der Befragten bewirkte das Wahlergebnis „Besorgnis“, bei 21,5% „Enttäuschung“, bei 21,9% „verhaltene Zuversicht“, bei 15% „Hoffnung“ und bei 5,3% „Gleichgültigkeit“.

85,9% der Befragten erklärten, dass sie auch dann die selbe Partei gewählt hätten, wenn ihnen das Wahlergebnis vorher bekannt gewesen wäre, wogegen 12,8% (was sich hochgerechnet in ungefähr 800.000 Wählern äußert) meinten, dass sie in diesem Fall für eine andere Partei gestimmt hätten. Auf die Frage, welche Partei sie gewählt hätten, wenn ihnen das Ergebnis vorher bekannt gewesen wäre, erklärten 23,2% SYRIZA, 19,6% Nea Dimokratia (ND), 12,5% PASOK, 10,4% Unabhängige Griechen, 6,9% Kommunistische Partei Griechenlands (KKE), 5,9% Chrysi Avgi (Goldene Morgenröte) und 5,6% Demokratische Linke (DIMAR).

Die im Auftrag des Senders „ALPHA“ durchgeführte telefonische Erhebung der Demoskopie-Gesellschaft MARC erfolgte am 08 und 09 Mai 2012 mit der Befragung von 1.021 Haushalten.

(Quellen: in.gr, Imerisia)

  1. Babbelnett
    13. Mai 2012, 00:50 | #1

    Die radikalen Linken sind eine gute Zukunftschance für Europa und Griechenland:

    – Isolation von der EU und der Eurozone
    – Gulags mit griechischen Zwangsarbeitern am Existenzminimum
    – keine europäischen Zwangshilfsgelder mehr an die Griechen in der Zukunft

    Besser kann es eigentlich nicht kommen.

    Ich hoffe, die SYRIZA gewinnt die Wahl.

  2. Monalisa
    13. Mai 2012, 04:05 | #2

    @Babbelnett

    So schwarz sehe ich das nicht:
    – Griechenland ohne Euro ist kein Beinbruch, sondern ermöglicht den Angleich der Kaufkraft.
    – Arbeit gegen Hungerlohn ist längst europäische Praxis, wenn es mancherorts überhaupt noch Arbeit gibt.
    – Zwangshilfsgeld gab es bisher auch nicht, sondern Kredite, die direkt an Griechenlands Gläubiger weiterflossen. Griechenland selber hat davon so gut wie nichts, sondern wird zu Tode gespart.

    Wer die Gierigen unterstützt und die Armen immer ärmer werden lässt, braucht sich über ein solches Wahlergebnis nicht wundern.

    Erst gibts billigen Kredit und dicke Vermittlungsprovisionen. Dann wird die Zinsschraube kräftig angezogen. Zum Schluss wird der naiven Oma das Häuschen gepfändet. Der Bonze sitzt am Genfer See, reibt sich die Hände und den fetten Wanst. Die Oma sitzt auf der Strasse und bettelt. Und sehr viele Leute wie Du, Babbelnett, kapieren das nicht, malen den Teufel des Kommunismus an die Wand und faseln vom Gulag. Da kann es ja nur den Bach runter gehen.

  3. Babbelnett
    13. Mai 2012, 08:19 | #3

    @ Monalisa

    In Griechenland wird es ohnehin den Bach runter gehen, das stimmt.

    Grund ist die von griechischen Regierungspolitkern garantierte Immunität den korrupten Bonzen und Beamten gegenüber, die ihre Reichtümer nicht versteuern und ungestraft ins Ausland geschafft haben.

    Griechenland sollte also erst einmal seine vermögenden Asozialen zur Kasse bitten und die Schnorrerei bei der EU unterlassen.

    Hellas hat bereits hunderte Milliarden von der EU kassiert, hunderte griechische Milliarden sind auf Auslandskonten und als Immobilien in Europa von steinreichen griechischen Steuerflüchtlingen problemlos pfändbar.

    Daher plädiere ich dafür, Griechenland keine europäischen Hilfsgelder mehr zukommen zu lassen, sondern allenfalls bei der Eintreibung von griechischen Schwarzgeldern behilflich zu sein.

    Der griechische Kommunismus wird kommen, ich habe nichts dagegen und man sollte den Griechen den selbstgewählten Gang in diese verheißungsvolle Zukunft nicht vorenthalten. Wohl aber europäische Finanzgeschenke.

    Die griechischen Kommunisten werden uns Europäern und der griechischen Bevölkerung schon zeigen, wie man es aus eigener Kraft richtig macht.

  4. Mark
    13. Mai 2012, 10:14 | #4

    @Monalisa
    > Griechenland ohne Euro ist ein Beinbruch für Europa und der Todesstoß für Griechenland.
    Die Hauptprofiteure vom Euro und der damit aufgebauten Betrügerstrukturen in Griechenland sind:
    – Beamte/Angestellte des öffentlichen Dienstes (riesengeld fürs Nichtstun)
    – Rentner (fast alle Rentner bekommen eine Rente die viel zu Hoch ist gemessen an deren Einzahlungen)
    – Abzocker im Gesundheitssystem
    – Abzocker in der Unternehmerschaft (klein wie groß)

    Der Austritt aus dem Euro wird jede strukturanpassung verhindern. Der Staat und die Gesellschaft sind dermaßen Korrupt das es keine Selbstheilung mehr geben wird. Man wird ohne Euro auf sehr niedrigem Lebensstandard weitermachen.

    Abgesehen davon ist es sehr unsicher ob SYRIZA die 50 zusätzlichen Mandate bekommt wenn es die meißten Stimmen bekommt. Den das Wahlgesetz gibt diese nur an EINE Partei. Und SYRIZA ist eine zusammenschluß von PARTEIEN!!

    Wird lustig in Griechenland, nur leider nicht für die Griechen.
    Wir werden live zusehen können wir ein ganzes Volk zeigt das es auch Demokratieversagen gibt und nicht nur Marktversagen. Den Demokratie ist letztendlich auch ein Markt, nämlich ein Meinungs/Gesinnungs/Machtmarkt.
    Aber halt die Chilenen haben uns schonmal gezeigt das ein Volk mit einem Linksradikalen (Allende) direkt den Weg ins Paradies findet. Ein bißchen Inflation (600%) und der totalle zusammenbruch jeglicher Privater Investitionen ist ja auch gewollt, nichtwahr ??

    Also auf,auf ins Paradies Griechen. Kommunismus ist ja eher eine Religion!!

  5. 13. Mai 2012, 12:15 | #5

    In angehängtem Link ist eine sehr gute Analyse zu diesem Thema von Paul Mason (auf Englisch). Nur eine „Zeiterscheinung“ scheint Alexis Tsipras nicht zu sein!

    http://klauskastner.blogspot.com/2012/05/trying-to-understand-syriza.html

  6. Monalisa
    13. Mai 2012, 21:16 | #6

    @Mark

    Und ich behaupte, der Euro ist eine totale Fehlkonstruktion. Deutschland verkauft seine Waren an Länder die sich diese überhaupt nicht leisten können und gibt ihnen dafür auch noch den Kredit. Der Euro machte diese billigen Kredite u.a. für Griechenland erst möglich.
    Es war von vornherein abzusehen, dass diese Darlehen niemals zurückgezahlt werden können. Wer so etwas wissentlich trotzdem tut, ist schlicht ein Betrüger. Beide gehören hinter Gitter, die Kreditgeber und die -nehmer.

    Deutsche Firmen haben gut verkauft und verdient, die Allgemeinheit zahlt die Zeche. Dazu kommt noch Schröders Sozialabbauagenda, die Deutschland konkurrenzlos machte. Wenige kassieren, Viele zahlen.

    So kann ein Markt nicht funktionieren. Wenn der Eine fast nur verkauft und der Andere fast nur kauft ist das auf die Dauer Schwachsinn. Der Zusammenbruch ist programmiert.

    Man muss sich das mal vorstellen, griechische Politiker schaffen es in wenigen Jahren unkontrolliert 350.000.000.000€ Schulden anzuhäufen. Mit der Drachme wäre das todsicher nicht passiert. Der Euro ist nichts anderes als der Treibstoff einer riesigen Umverteilungsmaschine.

    Babbelnett hat mit dem Begriff „vermögende Asoziale“ vollkommen Recht. Nur ist das kein speziell griechisches, sondern ein globales Problem.
    Die Politik dient der Finanzelite und nicht dem Menschen.
    Globalisierungs- und Wachstumswahn sind unser Untergang. Aber die Reichen müssen die gleiche vergiftete Luft atmen wie die Armen. Auch sie kommen nicht davon. Es gibt nur eine Welt für uns.
    Diese tödliche Gier gab es schon immer, nur ist sie durch die moderne Technik heute in der Lage alles zu vernichten. Ob die blinden Raffsüchtigen das jemals verstehen? Ich glaube nein. Die Sache ist gelaufen.

    Wer nur auf dem kleinen Griechenland herum hackt, sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht.

    Und noch was Persönliches:
    Trotz der vielen Unzulänglichkeiten lebe ich gerne in Griechenland. Von der Herzlichkeit der meisten Griechen, können sich sehr viele Deutsche eine ganz dicke Scheibe abschneiden.
    Ob der deutsche Michel die Sache genau so durchstehen kann, wird sich zeigen. Sobald der Export einbricht wird es nämlich ziemlich ungemütlich für ihn. Bald wird auch er verstehen, dass er von den Anderen lebt und Deutschland nicht die Insel der Glückseligkeit ist.

  7. muss sowas sein………
    13. Mai 2012, 21:57 | #7

    Diese negativen Meinungen gegenüber Griechenland – klingt wie Schadenfreude,
    nur – wißt Ihr vielleicht ob es Euch „morgen“ trifft?
    Dann immer noch so lustig?
    Glaubt Ihr, dass nur in Griechenland die Hand aufgehalten wird und wurde – wie oft wurde in unserem eigenen Land gezeigt wie das Schmieren funktioniert,
    und Ihr legalisiert es, indem Ihr den Fokus auf Griechenland lenkt und nicht merkt, was in Eurem eigenen Land vor sich geht,
    wenn ich mich täusche – dann nehm´ ich es gerne zurück!
    Vor Jahren hieß es in DE schon – wer gut schmiert, der gut fährt…

    Anstatt, dass sich die unteren Bevölkerungsschichten verständigen und zusammenhalten – da wird so reagiert und ausgespielt, wie es der Finanzlobby sehr gelegen kommt, oder nicht?
    Wie eklig finde ich es,
    wenn Menschen auf dem Boden liegen –
    dass sie dabei noch mehr getreten werden,
    von „zukünftigen Leidensgenossen (?)“, die so arrogant sind, die be- und verurteilen wie die Weltmeister,
    – und merken es noch nicht einmal, dass es vielleicht nicht lange dauert, bis sie selbst an der Reihe sind.

  8. Sundance
    14. Mai 2012, 06:28 | #8

    Naja, das sind 23% von den 12%— das reicht nicht .

  9. Ottfried Storz
    15. Mai 2012, 19:17 | #9

    Auf Spiegel-Online ist ein gut charakterisierendes Interview zwischen Vertretern von Syriza und Drasi:
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/euro-krise-politiker-aus-griechenland-diskutieren-austritt-aus-euro-a-833222.html

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