Griechenland muss Plan für Verbleib in Eurozone vorlegen

29. Mai 2012 / Aufrufe: 1.402

Griechenland benötigt einen Plan für seine Zukunft in der Eurozone

Griechenland schuldet, einen Plan für sein Morgen in der Eurozone aufzustellen, einen Plan, den es heute nicht gibt. Wir benötigen ausgearbeitete Vorschläge, welche unsere Ziele mit den europäischen Regeln in Einklang bringen. Bedingungen des Memorandums, welche unerreichbare Ziele für die Angleichung des Landes setzen oder das gesellschaftliche Elend steigern, werden erneut zu untersuchen sein. Wir werden sie erneut untersuchen können, wenn wir mit unseren Handlungen Vertrauen schaffen, wenn wir davon überzeugen, gewillt zu sein, die Wirtschaft und den Staat umzustrukturieren, wenn wir zeigen, keine Ausflüchte, sondern die effiziente Kooperation anzustreben.

In diesem Fall werden wir auch von dem diskutierten Euro-Bond profitieren können. Der wird sich auf die Finanzierung großer Projekte beziehen und kein Mittel einer uneingeschränkten Kreditaufnahme sein, wie sich viele in unserem Land einbilden. Unsere Kooperation wird uns ebenfalls die Möglichkeit zu Finanzierungen seitens der Europäischen Investitionsbank geben, sofern deren geplante Aufwertung zu einem Abschluss gebracht werden wird.

Maßnahmen sind provisorisch und arrogant

Die Bürger zahlten bis heute einen sehr hohen Preis, sowohl, weil die Eurozone provisorische und arrogante Maßnahmen plante, als auch, weil Griechenland keine eigene überzeugende Ansicht darüber präsentierte, wie es zur Stabilität zurückkehren wird. Das Land wurde ein Opfer der Entwicklungen. Die tausende „toten“ Projekte und die ungenutzten Milliarden der Strukturkassen sind ein Indiz unseres großen Unvermögens. Die realistische Politik und effiziente Verhandlung stellen eine Notwendigkeit dar, damit keine weiteren Mittel verschwendet werden, damit die Bürger sehen, dass ihre Anstrengungen belohnt werden.

Mit der Eingliederung Griechenlands in die Eurozone im Jahr 2000 erreichte das Land höhere konstante Entwicklungsrhythmen als es in den letzten ungefähr 30 Jahren gezeigt hatte, die Inflation sank auf ungekannte Niveaus, die Zinsen wurden drastisch eingeschränkt, die öffentlichen und privaten Investitionen stiegen, das Land erwarb eine Verhandlungsstärke.

Griechenland hat keine Zukunft in einer globalisierten Wirtschaft, wenn es am Rand stehen und in einer nationalistische Mentalität gefangen bleibt, welche die internationale Realität anzuerkennen verweigert. Die heldenhaften Verweigerungen, die Berufung auf die Schicksale der Nation, die Revolutionen, die neue Welt, die aufsteigen wird wann immer wir es wünschen, stellen einen Betrug all jener dar, die nicht in der Lage sind, den Bedürfnissen des Heute zu entsprechen, für das Land auf greifbare Weise die Voraussetzungen des Aufschwungs zu schaffen.

Das Land gelangte in die heutige Situation, weil seine Führungen nach 2004 meinten, es „besser zu wissen“. Sie glaubten, gemeinschaftlichen Regeln und selbstverständlichen wirtschaftlichen Grundsätzen entfliehen zu können. Sie erachteten, es gebe Geld, um ihre Günstlings-Politiken umzusetzen, unbekümmert Leistungen zu gewähren, Mittel zu verschwenden um an die Macht zu gelangen oder sie abzusichern. Heute wird von den selbstprojizierten Rettern das selbe Spiel gespielt. Das Einzige, was sie unterscheidet, ist die Phraseologie, das Mäntelchen, damit ihre Rede neu und überzeugend erscheint.

Es muss eine Regierung geben

Unsere Beteiligungen und Kooperation in der Union ist eine unerlässliche Voraussetzung für das Land. Trotz der falschen oder mangelhaften Entscheidungen der Eurozone, trotz der Verzögerung in der Bewältigung der Krise gewährt unsere Präsenz in den europäischen Entwicklungen die Möglichkeit zur Umkehrung der heutigen Lage. Wir können die Dinge ändern, indem wir mit einem Plan partizipieren.

Die von vielen unterstützte Ablehnung der Union und des Euro löst nicht unsere Probleme. Sie verschlimmert sie. Sie fügt all den Schwierigkeiten viele weitere hinzu. Anstatt uns mit dem nicht existenten Dilemma zu beschäftigen, ob wir die Eurozone verlassen müssen oder nicht, werden wir uns dem zentralen Problem des Landes zu widmen haben, nämlich der entschlossenen Bewältigung unseres Rückstands.

Es ist unsere Pflicht, dem Land einen stabilen Kurs des Fortschritts zu gewährleisten, ihm mit Plan, System und Realismus die Möglichkeit zu geben, den Zusammenbruch zu stoppen und zu einem Aufschwung zu schreiten. Es ist notwendig, dass es eine Regierung gibt, die das Land mit Verantwortlichkeit und Konsequenz regiert.

(Quelle: in.gr)

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  1. Monalisa
    29. Mai 2012, 09:06 | #1

    Und dazu braucht es einen ausgeprägten Gemeinsinn (Δημόσια πνεύμα). Nach meiner ganz persönlichen Erfahrung als Einwanderer in Griechenland, habe ich in dieser Beziehung große Bedenken. Ich behaupte, für die allermeisten Griechen kommen erst sie selbst, danach die Familie und dann lange nichts mehr. Der Staat wird als notwendiges Übel begriffen und die europäische Idee schwebt in astronomischer Entfernung.
    Die Türkei macht es Griechenland in beschämender Weise vor. Durch verantwortungsbewusstes Unternehmertum entwickelt sich sogar der rückständige Osten des Landes in atemberaubender Geschwindigkeit.
    Das mit dem Gemeinsinn verbundene Verantwortungsbewusstsein für den eigenen Staat, ist die Grundlage eines Neuanfangs. Man muss die Gesetze, welche man sich selbst gegeben hat, auch kontrollieren und einhalten. Das geschieht in Griechenland, meiner subjektiven Beobachtung nach, in Europa am schlechtesten.
    Wenn dieser Sinneswandel nicht rasch stattfindet, dann gute Nacht Ellada.

  2. 29. Mai 2012, 09:46 | #2

    Versteht denn hier keiner, dass das Modell des kreditfinanzierten Aufschwungs kein tragfähiges Modell für die Menschheit ist? Nicht nur nicht in Griechenland? Der Euro ist nicht nur in Griechenland gesheitert, sondern überall. Ebenso der Dollar und überall dort wo Geld aus dem Nichts durch Privatbanken geschöpft wird. Die westlichen Länder haben auf Kosten anderer sogenannter Entwicklungsländer einen Wohlgestand gestohlen der Ihnen nicht zusteht. Bescheidenheit und Rückkehr zu realen Werten wäre angebracht. Weitere Kredite sind nicht nur sinnlos, sonder schädlich. Nicht nur in Griechenland, sondern überall. Dieses System ist tot.

  3. Monalisa
    29. Mai 2012, 13:02 | #3

    @EuroTanic
    Das unterschreibe ich zu 100%. Geld nur mit Geld verdienen ist das eine Problem. Aber diese Erklärung allein genügt für Griechenland nicht, denn nicht umsonst schlug die Krise hier zuerst zu.

  4. Andreas
    29. Mai 2012, 13:55 | #4

    Ich lese immer wieder Kommentare hier, die davon reden, wie sehr der Euro die Griechen verdorben habe. Früher war auf den Inseln doch alles besser.

    Aber sind denn alte zerfallene Häuser, die jedes Jahr nur weiß getüncht werden, klapperige Autos, die schon Jahrzehnte auf dem Buckel haben, und alte Leute, die in Ouzerien sitzen wirklich so toll? Vor allem für die Griechen.

    Wir Deutschen wollen unser Urlaubsparadies zurück, also raus aus dem Euro … Dass hier aber Menschen leben, die in den Letzten Jahren vieles von dem entdeckt haben was wir völlig normal finden, wird einfach zu oft vergessen.
    Warum sollen die plötzlich mit einem Schlag auf all diese Selbstverständlichkeiten der Moderne verzichten?

    Das jedoch ist leider das Dilemma. Viele realisieren einfach nicht, worum es hier wirklich geht. „Game Over!“ ist leider keine befreiende Aussicht.

    Von daher ist es die erste wirklich fundamental richtige Einschätzung der Lage, die ich bisher von einem Regierungsvertreter gelesen habe. Auch wen es genau von der Seite kommt, welche die Griechen nach deren Meinung in den ganzen Schlamassel hineingeritten hat. Leider werden die positiven Seiten dieser Phase nur all zu oft vergessen.

    Die Menschen hier sollten endlich selbstbewusster werden, allerdings im positiven Sinne, und nicht wie viele als die ständigen Konspirations-Opfer. Genau dieses verlangt Simitis von den Griechen, und genau dieser Ansatz ist richtig.

  5. Michael
    29. Mai 2012, 20:30 | #5

    Griechenland bekommt seine Drachme so oder so wieder. Dann rollen in der gesamten Eurozone die Rüben von Politikern, in ganz Europa die von Bankiers und weltweit die von TROIKA-„Experten“. Das ist doch keine soo traurige Vorstellung, oder ?

    Die reale Chance Griechenlands nur halbwegs flott zu werden, tendiert gegen Null. Mit oder ohne Plan. Oder wollt ihr eure Gehälter noch ca. 30% senken und die Hälfte des Staatsapparates entlassen ? Das wäre der „Plan“ !

    Es ist die Agenda2010-Kost, die die Deutschen vom Genossen der Bosse aufgedrückt gekriegt haben. Billiglöhnerei eingeführt, von der man nicht überleben würde, Steuern erhöht, Sozialsystem zusammengestrichen, den Staatsdienst um Hunderttausende Stellen reduziert, öffentliche Infrastruktur vergammeln lassen. Das haben unsere Sozis binnen 6 Jahren hingekriegt. Zum Glück hat Schröder in seiner grenzenlosen Borniertheit die Vertrauensfrage gestellt. Relativ zu deutschen Einkommen waren die griechischen um 40% gestiegen. Nur, dass Deutschland noch weltmarktfähige Produkte hat. Die hat Griechenland nicht und die wird es auch nicht haben. Noch, denn die Rettung wird die Deutschen total demoralisieren.

    Also lieber gleich einen Schlußstrich ziehen. Europa wird auch ohne Euro existieren. Nur dass sich dann die Völker nicht hassen werden. Denn die Folge der weiteren Existenz des €uro wird Hass zwischen den Völkern sein. Genauso kam es nämlich nach dem Zerbrechen der Sowjetunion zum Vorschein. Inzwischen ist zuviel ans Tageslicht gekommen.

  6. Heinz
    29. Mai 2012, 21:47 | #6

    @Michael

    Wenn Sie die volkswirtschaftlichen Zahlen Deutschlands richtig verstehen, dann müssen Sie wissen, dass genau die Schrödersche Politik aus dem Dillema der Unterfinanzierung geführt hat. Die Konsequenz aus Nichthandeln wären weiter Millionen Arbeitslose gewesen, die niemand mehr hätte finanzieren können.
    Was damals vielleicht zu drastisch geändert wurde, war die Spitzenbalastung bei der Einkommensteuer. Das sollte wieder korrigiert werden.

  7. Zolman
    29. Mai 2012, 22:24 | #7

    Will sagen, Hartz4, als Grundsicherung, wie es in Deutschland gibt, ist sicherlich fast einmalig. Sowas, bräuchte GR auch, aber wie?

    Aber dafür muss auch jeder Arbeitnehmer von seinem Lohn 20-50% abgeben. Vielleicht ist das manchen nicht bewusst. Löhne sind verhandelbar, aber unterm Strich kommt immer die staatliche Abgabe. In DE Lohnsteuer, Pflegeversicherung, Soli, Zuschlag, Krankenversicherung, Rentenversicherung, Kirchensteuer. Warum kann das denn nicht in GR funktionieren?

    Ich habe ja nichts dagegen, mit meinen Steuergeldern zu helfen, wirklich, aber die staatlichen Abgaben sollten europaweit gleich sein, oder halt ganz wegfallen.

    Dann versicher ich mich halt selber!
    Kann mir dann aber noch der Staat helfen?

    Will sagen, entweder sind alle Lohnabgaben europaweit gleich, oder eben nicht. Und wenn Sie nicht gleich sind, ist es auch ziemlich schwierig, nachzuvollziehen, warum der Deutsche Arbeitnehmer Griechenland helfen soll.

    Also Deutsches Modell annehmen, oder ich Vote dagegen, oder aber eine bessere Lösung vorzeigen 🙂

    Wenn das Deutsche Modell nicht gefällt, welches soll vor dem Absturz in die Armut helfen?

    Würde mich über Feedback freuen.

    btw ich mag Griechenland und wünsche allen Griechen nur das beste, Urlaub auf Korfu ist für August gebucht.

    Mit freundlichen Grüssen

  8. Bommel
    29. Mai 2012, 23:48 | #8

    @Zolman
    Die Sätze der Sozialabgaben in Griechenland zählen zu den höchsten in Europa. Trotz aller Misswirtschaft hätte deswegen das Sozialversicherungssystem immer noch halbwegs funktionieren können, wenn die Kassen nicht jahrzehntelang von den jeweiligen Regierungen schamlos geplündert worden wären. Beispielsweise waren die Kassen gezwungen worden, ihre gesetzlichen Rücklagen zinslos bei der Zentralbank zu hinterlegen, wurden jedoch parallel im Tagesgeschäft mit Spitzenzinssätzen von bis zu über 30% über den Dorn gezogen.
    Der Gnadenschuss wurde dem System verpasst, nachdem auf politische Anweisung erst mythische Beträge an der Börse verzockt und zuletzt die als (Plicht-) Treuhänder fungierende Griechische (Zentral-) Bank gegen jegliche Vernunft und Gepflogenheit selbst dann noch ungestreut in griechische Staatsanleihen „investierte“ und die öffentliche Schuldenblase finanzierte, als die Titel auf den Märkten schon lange als „toxisch“ galten.
    Das Dessert wurde schließlich mit dem „Haircut“ serviert, der die Versicherungsträger um einen satten zweistelligen Milliardenbetrag gebracht und endgültig in die Insolvenz getrieben hat.

  9. mazu
    30. Mai 2012, 11:01 | #9

    Wie dichtete einst B. Brecht in der Dreigroschenoper: ja, mach nur einen Plan, sei nur ein grosse Licht; und dann mach noch einen zweiten Plan; geh’n tun Sie beide nicht.

    Wie man hier erkennen kann im Artikel der Welt: solange die tiefgreifenden Probleme wie aufgeblähter Behördenapparat, Zunftwesen, Korruption, etc. nicht angepackt werden, kann man auf dem Rücken der einfachen Leute sparen wie man will, es wird nur nichts nutzen

    http://www.welt.de/wirtschaft/article106339369/Reformwille-in-Athen-Fehlanzeige.html

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