Euro-Austritt Griechenlands könnte zu Chaos in Moskau führen

27. Mai 2012 / Aktualisiert: 24. September 2017 / Aufrufe: 1.575

Sollte Griechenland wirklich aus der Eurozone ausscheiden, könnte dies signifikante politische und wirtschaftliche Auswirkungen für Moskau und Russland nach sich ziehen.

Politische Unruhen in Russland, ein Sinken der Popularität des russischen Präsidenten Putin und wirtschaftliche Probleme für Moskau wird das Domino zur Folge haben, welches ein eventuelles Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro verursachen wird. Diese Einschätzung stellt laut einem Artikel der Agentur Bloomberg der Leiter des Zentrums für Strategische Studien in Moskau, Michail Dmitriev, an und warnt, der russische Präsident Vladimir Putin werde sich im Fall eines Ausscheidens Griechenlands aus der Eurozone mit der Gefahr politischer Unruhen konfrontiert sehen, sowie sogar auch vor einer weltweiten Wirtschaftskrise und einem „Absturz“ des Ölpreises.

Die in Rede stehende Publikation trägt den bezeichnenden Titel „Putin wird dem Chaos begegnen, wenn Griechenland den Euro verlässt“ Dmitriev vertritt: „Wenn sich die derzeitige Tendenz fortsetzt, werden wir eine Eskalation des politischen Missfallens in der Person Putins und der Unterdrückung einerseits und der wirtschaftlichen Krise andererseits sehen.“ und fügt sogar an, dass dies selbst auch zum Verlust der Kontrolle seitens Putin und möglicherweise zu einer chaotischen politischen Umbildung führen kann.

Domino-Effekt könnte in Russland zu Rezession und Kapitalflucht führen

Die Verschlimmerung der Weltwirtschaft würde das Kapital bedrohen, welches die russischen Investoren nach Europa transferierten„, betont Michail Dmitriev. Ein eventuelles Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone würde automatisch Kettenreaktionen in ganz Europa, mit dem Rückzug auch anderer Staaten aus der Währung, und somit eine starke Rezession in der russischen Wirtschaft verursachen, die einen Haupt-Energielieferanten der meisten Staaten Europas darstellt.

Die Einschätzung des Zentrums für Strategische Studien führt sogar an, eine negative Entwicklung mit Griechenland würde als direkte Auswirkung eine Rezession in der Größenordnung von 2,1% für die russische Wirtschaft haben, die nicht unbedingt ihre beste Zeit durchschreitet, während Kapital in Höhe von 95% Milliarden Dollar verloren gehen wird.

Xenia Judajewa, Chefvolkswirtin der größten russischen Bank „OAO Sberbank“, erklärte konkret, „in diesem schlimmsten Szenarium wird die russische Wirtschaft um 2,1% schrumpfen, während die Möglichkeit bestehen wird, dass innerhalb eines Jahres Kapital in Höhe von 95 Milliarden Dollar aus dem Land abfließen wird„. Der Chef der „Bank of America“ in Moskau erklärte seinerseits, „die russische Wirtschaft wird um 1% schrumpfen und es wird einen Verlust in der Größenordnung von 5,5% im Jahreshaushalt geben„, falls sich Gerüchte und Panikgerede bestätigen sollten.

Diese Szenarien sind natürlich der russischen Führung bekannt, die wiederum von ihrer Seite der „europäischen Identität“ Griechenlands öffentlich ihre Unterstützung ausgedrückt hat. Dies hat mit besonderer Betonung außerdem auch der russische Ministerpräsident Dmitri Medwedew während der Konferenz der acht stärksten Wirtschaften der Welt in Camp David in den USA am vergangenen Wochenende wiederholt, als er erklärte: „Griechenland muss in der Eurozone bleiben, jedoch reicht es nicht, dass nur die G8 dies wollen, auch das griechische Volk muss es wollen.

(Quelle: Imerisia)

  1. Babbelnett
    27. Mai 2012, 00:26 | #1

    Da dies so ist, fordere ich sofortige Hilfszahlungen aus Russland für Griechenland, um damit eine russische Rezession rechtzeitig abzuwenden.

  2. admin
    27. Mai 2012, 00:47 | #2

    @Babbelnett
    Schön, einer unserer Moderatoren wird das dann bei Gelegenheit Herrn Putin persönlich ausrichten, der wird sich solche Kommentare sicher zutiefst zu Herzen nehmen und die Sache schnellstmöglich in die Wege leiten. Allerdings müsste er vorher noch Angie und deren Clique dazu bringen, das ausdrückliche Verbot aus dem Memorandum zu streichen: Gemäß den ratifizierten Vereinbarungen darf Griechenland nämlich derzeit explizit keine Gelder von fremden Onkels annehmen, weil anderenfalls die Interessen der „Partner“ beinträchtigt werden könnten.

  3. Babbelnett
    27. Mai 2012, 01:43 | #3

    @admin

    Griechenland hat mit der Verschleierung von Zahlungen doch bisher keine Probleme gehabt.

    Wieso sollte das gerade jetzt ein Problem darstellen?

  4. Nanu
    27. Mai 2012, 07:14 | #4

    @Babbelnett
    Oh, auch nicht Schlecht. Dann wäre es jetzt offiziell OK, wenn GR etwas an den Zahlen dreht? Bei der EURO-Einführung hat es trotz Wissen der EU, dass etwas mit den GR-Zahlen nicht stimmt, niemanden interessiert. Wie hier schön zu sehen ist, geht es immer nur darum, wer wie am Besten zu welcher Zeit am Meisten von etwas profitiert – dann ist scheinbar alles erlaubt. Nur, wenn es dann zu Problemen kommt, wird der Ruf nach Gesetz und Treue laut.

    Wenn schon Nicht-EU-Länder Probleme damit haben, wenn GR die EU-Zone verlässt, was ist die Folge, wenn die übrigen EU-Sorgenkinder Portugal, Spanien, Italien und Irland (und noch so andere die derzeit noch nicht offiziell im Gespräch sind) mit einem EU-Austritt ins Gespräch kommen? Italien, sprich Monti, habe schon mit dem EU-Austritt gedroht, wenn nicht die Euro-Bonds kommen. Ist es nicht wunderbar, wie erpressbar die EU geworden ist, weil sich ALLE so korrekt verhalten indem sie sich immer an Gesetze, Verträge und Vereinbarungen halten?

  5. Monalisa
    27. Mai 2012, 07:35 | #5

    Hoffentlich geht die Welt nicht unter, wenn Griechenland aus der Eurozone tritt 🙂

  6. Jochen
    27. Mai 2012, 08:30 | #6

    Euro-Austritt Griechenlands könnte…
    könnte, wäre möglich, alles Kaffeesatzleserei. Diese Ökonomen wissen einen Dreck. Bloomberg und der Herr der Bank of Amerika vertritt sicher nicht die Interessen Rußlands.
    Schön das alles mitzuerleben, erst kackt der Ostblock ab, nun folgt die Titanic Westen.
    China und Japan steigen beim Handel untereinander auch aus dem Dollar aus, USA wird immer entbehrlicher.
    LG

  7. Heinz
    27. Mai 2012, 14:08 | #7

    Nun, ist doch klar nachvollziehbar. Die russischen Gigareichen wollen investieren. Da ist ein solches Schnäppchen wie Griechenland, wenn der Austritt erfolgt, doch richtig willkommen. In Russland fehlt dann das Geld, weil bei den Investoren kein Vertrauen in die Politik besteht. Medwedew handelt also ausschließlich in russischem Interesse.
    Und Griechenland sollte sich gut überlegen, ob Immobilien und Firmen in Griechenland unter russischer Führung bzw. russischem Besitz noch so attraktiv sind. Wer einmal „neureiche“ Touristen aus diesem Land erlebt hat, weiß, wovon ich rede.

  8. Michael
    27. Mai 2012, 17:25 | #8

    Frei nach Lenin:“Die Idee wird zur materiellen Gewalt, wenn sie die Massen ergreift.“ Die Idee, wie Griechen Steuern zahlen und ihre Gläubiger prellen, hat jetzt die Massen ergriffen. Der Geist ist aus der Flasche. Er wäre nur ganz schwer wieder reinzukriegen.

    Über die Russen braucht man sich keine Sorgen machen. Die haben zwar in Griechenland auch zig-Milliarden investiert, aber die Oligarchen haben eine bekanntermaßen nicht so zögerliche Art Außenstände einzutreiben. Wer bei denen nicht seinen Verpflichtungen nachkommt, ist so gut wie tot. Im wahrsten Sinne des Wortes.

    Es geht auch nicht um irgendwelches politisches Geschwurbel, sondern darum, dass Hilfen von Hunderten Mrd. € abgeschrieben werden müssen, weil sie zu keinerlei Verbesserungen für die griechische Wirtschaft und damit für die Griechen selbst führten. Das Land ist offenbar nicht reformfähig, so dass es zur Zeit keine Alternative zum Austritt aus dem Euro zu geben scheint. Nach den bisherigen Mißerfolgen (seit 3 Jahren – NULL-Verbesserung) ist es völlig hoffnungslos Griechenland im Euro wieder wirtschaftlich flottzukriegen.

  9. anonym
    27. Mai 2012, 18:41 | #9

    Für das „Problem Mensch“, gibt es keine Lösung. Der Parasit/Gier, der uns lenkt und unser Verhalten steuert, wird unser Untergang, „leider“.

  10. Michael
    27. Mai 2012, 19:47 | #10

    Letzlich bekam ein gewisser Ökonom namens Franco Modigliani 1985 die Nobelpreis für seine Analyse des Sparens. Danach ist es unabhängig vom Staatshaushalt und von einer höheren Staatsverschuldung zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Daraus entsteht keine Gefahr. Die extrem geringen Zinsen werden dafür sorgen, dass die Ersparnisse in neue Investitionen fließen. An der Stelle sei eine klar formulierte Kritik an einigen Ökonomen gestattet. Um das zu bewerkstelligen, müssen überall in der €uro-Zone die Zinsen runtergeprügelt werden. Es darf eben keine ausdifferenzierten Zinsen für die Einzelländer geben, ODER, die früheren NATIONALEN Währungen MÜSSEN wieder eingeführt werden.

    Die Gefahr bei Griechenland ist nur, dass der Geist aus der Flasche ist. Er heißt Korruption und extrem geringe Neigung Steuern zu zahlen, neben dem unglaublichen Theorem für seine Schulden nicht gerade stehen zu wollen.

    Das heutige Geldsystem beruht auf Schulden, aber auf Schulden, die bedingungslos bedient werden müssen. Für Griechenland erkenne ich nur die Drachme oder eine Militärdiktatur als Lösung. Das ist beides nicht spaßig.

  11. Worldpeace
    28. Mai 2012, 00:01 | #11

    Was für eine Panikrede.

    Der Putin hat schon längst diese Gefahren seinem Volk weitergegeben und versichert, dass schon Gegenmaßnahmen vorbereitet sind. Die nötigen Verträge um die Verluste auffangen zu können wurden schon unterschrieben. Das russische Volk weiß Bescheid. Was er hier schreibt ist hier die typische Diffamierung der Politik der russischen Regierung sowohl auch explizit der Person Putins. Russland wird diesen Dominoeffekt genauso gut überleben wie sie schon die Krise 2008 überstanden haben und sogar mit einem Plus am Ende des Jahres davonkamen.

    Also ich stimme diesem Dimitriev überhaupt nicht überein.

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