Öltanker halten niemals an

8. April 2012 / Aktualisiert: 01. Juli 2013 / Aufrufe: 462

Eingereicht von: iaourti iaourtaki

Thema: Alekos Alavanos zu Krise und Politik in Griechenland

Nun gut, Öltanker halten niemals an, die sind viel zu groß. Selbst NATO-Kampfschiffe rollten über Flüchtlingsboote vor Libyen hinweg. Hollywood ist wie das Märchen von den Lemmingen, nur da war es Walt Disney mit einem Schaufelrad.

Die außerparlamentarische Linke ist wahrscheinlich das größte Segment der Linken in Griechenland und davon spricht er überhaupt nicht. Eventuell hat sie aber die Lösung parat u. a. eine Wirtschaft ohne jedwede Währung. Hört sich sicherlich abgeknallt an, aber wenn man sich mal in Ruhe mit genug Kalamatagrass (was übrigens auch ein sehr gutes Produkt sein könnte) bei Vollmond mit Kollegen an einen einsamen Strand setzt, wo man tagsüber noch beobachten konnte, wie eine Mönchsrobe die Fischer ärgert – z.b. an einer der kleinen Buchten bei Ägiali/Amorgos – und das mal durch spinnt, würde es klick machen; ein paar geile griechische Bands mit netten GoGoes beschleunigen die Vision.

Das einzige Problem hierbei ist allerdings, daß es keine anarchistische Partei gibt, weil die Anarchisten, oder die sogenannten, offensichtlich auch nur Dogmatiker sind, obwohl sich ja Anarchismus, der ohne Ideologie auskommt, erst in seiner antipolitischen Praxis entwickeln müßte und letztendlich auch sich kein Iota drum kümmert, welchen Namen er oder sie trägt … . Bloß, Salvador Allende war schliesslich auch ein Libertärer.

Auch diese Wettbewerbsfähigkeit mit auf Export orientierter Wirtschaft ist zuerst einmal Schwachsinn. Griechenland sollte sich überlegen, wie man eine Wirtschaft aufbauen kann, die in erster Linie die Bevölkerung versorgt. Wenn das steht, kann man sich überlegen, wie man z.b. Windräder aus Holz baut, um den Energiehaushalt abzudecken, den man sicherlich braucht – auch zusätzlich – weil in den nächsten 15-20 Jahren die Temperaturen um 6 Grad steigen werden. Als Motivation dazu, sei gesagt, daß man so was ganz ohne Siemens machen könnte und damit 300.001 Arbeitsplätze für Zimmerer schaffen würde; außerdem kann man die Windräder mit Solarpaneele zu kleistern und braucht dann keine Solarparks, die eh nur auf verstepptem Gelände wie auf Peloponnissos erstellt werden dürften. Wenn überhaupt, dann vorübergehend, denn das geile daran ist, daß mit der derartigen Energien Brunnen betrieben werden könnten, um die Steppe wieder grün zu machen. Da ja auch die meisten Internetgewerbe nicht in der Stadt stattfinden müssen, könnte man dann hingehen und auf den Dörfern und Inseln eine Unterhaltungs-Club-Rebetiko- Kultur zu installieren, damit die schwer arbeitende Internetgemeinschaft abends über ihre neuesten facebook Freunde dusselig quatschen kann; die Tavernenbesitzer würden sich auch freuien. Dann geht man hin und stellt die komplette Flotte auf Windturbine um; Dabei können die Schiffe im Hafen ihre unverbrauchte Energie ins Netz einspeisen. usw., genauso wie Windräder z.b. an Klippen wie auf Anafi, Amorgos oder Folegandros stehen würden und Stromleitungen runter zum Meer zum abzapfen da wären; das kann man sogar so einrichten, daß es keine bedrohten Tiere nervt.

„Ausländer entscheiden“, denselben Müll hatte auch Theodorakis verzapft, allerdings in der verkürzten Version auf athensnews. Wer sowas erzählt und nicht in der Lage scheint, sattattdessen differenziert von ausländischen Politikern und Technokraten zu reden, braucht sich nicht über populistische Lösungen wundern, insbesondere, weil er dabei völlig ignoriert, daß das Kapital international agiert und somit auch griechische Kapitalisten an den Schweinereien beteiligt sind, die in dem Moment, wenn die griechischen Banken ihre Drachmas aus dem Keller holen, am meisten profitieren würden und ihr Geld dann einspeisen. Wer will aber diese „Investoren“ haben? Doch nur Leute, die Kapitalisten oder Staatskapitalisten sind. Selbiges gilt übrigens auch für Sprüche über „die“ Deutschen, die sind nämlich genaus unpassend wie andersrum „die“ Griechen; grade in fortschrittlichen Kreisen gint es genug Menschen, die schlichtweg auf ihre nationale Identität scheissen, sich aber trotzdem freuen würden, wenn Deutschland im Eishockey Weltmeister wird und Griechenland die Europameisterschaft gewinnt; was sie allerdings sicher machen werden – wie auch die Japerinnen gewonnen haben. Ansonsten: So existenziell die Probleme derzeit sind, stellt sich natürlich die Frage nach Rettungspaketen ganz anders und zwar, ob man nicht einfach seine Profisportler komplett nach China oder an die Scheichs verschachert.

Drachmas wäre 2010 eventuell gegangen, heute ist das zu spät und würde Griechenland hinter Albanien einreihen. Es wäre zwar gut für den Tourismus – vor allem für den (auch griechischen) aus Amerika, von Menschen, die sich sonst niemals erlauben könnten Griechenland zu sehen und auch eine Menge Leute aus anderen Ländern, die noch nie im Urlaub waren – aber alle kleinen Unternehmen, die auf Kauf im Ausland angewiesen sind, würden pleite gehen, genauso wie ausländische Konsumgüter, die immer noch doppelt so teuer wie in Resteuropa sind, dann quasi das vierfache kosten würden.

Mit dem Fahrrad brauche ich übrigens von fast allen Athener Vororten in die Innenstadt 30 bis maximal 45 Minuten, aber bei dem Thema fällt mir ein, wie das dann unter Drachmas mit den Autos funktionieren soll. Wie auf Kuba? Ich mein, griechische Mechaniker sind geschickte Schrauber, allerdings könnten Taxifahrer – und nicht nur die – die meisten Gebiete von Athen auch mit normalen Velotaxis abdecken; es gibt auch Versionen, die mit Batterie und Solardach 100 Kilometer Reichweite haben und 45 Sachen machen und man kann sicherlich noch bessere bauen. Der Nebeneffekt wäre dann der, daß irgendwann mal ein Mensch aus Griechenland die Tour De France gewinnt. Und wenn wir schon beim Thema sind, auch im Tourismus kann man mit Fahrrad richtig was reissen, das Fahrradwegenetz in Nordgriechenland und anderswo muß weiter ausgebaut werden, mit angeschlossenen Fahrradpensionen und Fahrradwerkstätten, das heisst dann Saison im Frühling und im Herbst, auch Unterwassertretboote gibt es mittlerweile, und selbst in der Schuhindustrie (z.b. die leerstehende Elite-Fabrik mit 1000 Arbeitsplätzen) und im Textil- und Modebereich lassen sich da Wunder verbringen, wenn man es nur richtig hyped. Gooogle nach messenger-industry …

Währungstechnisch: Was eventuell funktionieren könnte, wäre der Rubel oder der Dollar, aber das wäre dann immer noch Kapitalismus. Die Erfahrungen aus Zypern zeigen, daß ersteres gangbar ist, wenn Obama allerdings mal rein zufällig den Fehler machen würde, Izmir Smyrna zu nennen wie sein „fauxpas“ mit den Sesamkringel, dann …

  1. Bavaria
    9. April 2012, 14:16 | #1

    Bei solchen Visionen halte ich es mit Helmut Schmidt und empfehle den Gang zum Psychater.

  2. admin
    9. April 2012, 20:30 | #2

    @Bavaria
    Damit jetzt nicht wieder eine „Konfrontation“ vom Zaun gebrochen wird:
    „Neben dem Wunsch nach Selbstverwirklichung und dem Wunsch nach sozialer Einbettung finden wir drittens gerade bei jüngeren Männern, aber gelegentlich auch bei reiferen Jahrgängen eine idealistische Neigung, die Welt zu verbessern. Dieser Idealismus ist in der Vergangenheit schlimm missbraucht worden.
    ……….
    ……….
    „Wer Visionen hat, sollte zum Psychiater gehen“, meinte unser Altbundeskanzler Helmut Schmidt in seiner nüchternen und ernüchternden Art. Seltsamerweise arbeitet er aber noch in seinen 80-er Jahren an einer Verbesserung der Lebensumstände für die vielen Benachteiligten auf dieser Erde.
    Ich denke, dass Männer wie Helmut Schmidt, die ihre Jugendträume einzuschränken gelernt haben, sich aber trotzdem weigern, die profitorientierte Gesellschaft unserer Zeit als den Höhepunkt der menschlichen Entwicklung zu betrachten, wichtig sind ……….“

  3. Uzi Uggz
    10. April 2012, 00:52 | #3

    Bezeichnend fuer den Zustand Griechenlands oder vielmehr den Admin dieser Website, derlei Opiumdampf hier zum Beitrag zu erheben…

  4. Bavaria
    10. April 2012, 01:17 | #4

    @ admin
    Ich will wirklich keine Grundsatzdebatte, aber ich habe 35 Jahre meines Lebens in einer non-profit-Gesellschaft genannt Sozialismus gelebt. Glauben Sie mir, alles ist besser als das, auch eine profit-orientierte Gesellschaft, die immerhin die Freiheit des Individiums achtet. Vielleicht muss man das ja erlebt haben, um sich schaudernd von allen Visionen, Utopien und Idealen abzuwenden, (außer denen, die in der Bibel stehen).

  5. iaourti iaourtaki
    10. April 2012, 12:53 | #5

    @Bavaria
    Ich hab kein Wort über Sozialismus verloren, stattdessen Staatskapitalismus. Teile meiner Familie – und eigentlich auf einer kleineren Ebene unsere ganze Familie – wurden von diesen selbsternannten Commies „verfolgt“. Mein Opa mußte aus der DDR flüchten, weil er ein Buch geschrieben hatte und solange er lebte, durfte unsere ganze Sippe nicht mehr den Transit benutzen. SCASE!
    Aber wer 35 Jahre unter CSU-Sozialismus leben mußte, sollte vielleicht mal kurz nach Österreich rüber schwimmen: die sind da scheinbar näher am Balkan dran als die Piefkes.

  6. iaourti iaourtaki
    10. April 2012, 14:23 | #6

    Das nächste mal könnt ihr ruhig ein, zwei Buchstaben redigieren.
    Ein riesen efcharisto, poli !!!
    Das und die superschnelle Übersetzung gibt mir verdammte Kratos, weiter mit Buchstaben zu kämpfen (QUESTI ANNI, seit Alexi!!) und ist einfach auch nur ein geiles Kompliment und zeigt mir wie Kooperation funktioniert; vor alleml: siga, siga und dann peng!
    Hier ist die dazu passende Gute Laune Musik, die mir vor zaubert, ich wäre ganz woanders und ihr wisst wo! Außerdem ist die letzte Scheibe der Hammer, wo ich mir Tränen trocknend einfach nur frage, WARUM ZUR HÖLLE wir nicht Bands aus Griechenland ran holen und touren lassen und umgekehrt Bands nach Griechenland schicken.
    Vor zwei Jahren stand Genia Toy Xaous, Xasma, Panx Romana und Antidrasi eigentlich schon 90% fest im Kreuzberger SO 36, dabei sei erwähnt, daß zwei der Bands offiziell gar nicht mehr existieren, und aus irgendwelchen Gründen hab ich’s nicht auf die Reihe gekriegt, das durchzuziehen; sicherlich war der Fehler, damit in Berlin anzufangen, aber allein schon Panx Romana müßten doch eigentlich in Wessieland Leute ziehen. Gerücht: Es gibt Gulag wieder…

    Und wenn ihr wollt könnte/n wir/ich so’ne Art podcast bauen, mit kleinen Plattenkritiken und Interviews:
    http://killthecat.gr/

  7. Heinz
    10. April 2012, 18:14 | #7

    @iaourti iaourtaki

    Genau, einfach mal was in die Hand nehmen und machen. Auch ich habe mich schon oft gefragt, weshalb z.B. der Rembetiko bei uns so wenig angeboten wird. Woran liegt es?

  8. iaourti iaourtaki
    11. April 2012, 17:08 | #8

    @Heinz
    Re(m)betiko gibt es sicherlich auf discogs, wo 2nd Plattenläden online verkaufen und online wird dann wohl auch das Problem sein, aber ich denke in Düsseldorf, Köln gibt es mindestens griechische Buchläden, die dann auch Platten und CDs verkaufen werden. Griechische Gemeindezentren werden es wissen.

  9. Heinz
    11. April 2012, 23:38 | #9

    @iaourti iaourtaki

    Danke, ich suche schon so lange. Wer ist denn in Ihren Kreisen der beliebteste griechische Blueser?

  10. Roditisa
    10. Mai 2012, 10:55 | #10

    Stell ich mir lustig vor, im Sommer bei 34 Grad und im Winter bei Windstaerke 7 oder im stroemenden Monsunregen mit 2 Kleinkindern im Schlepptau per Fahrrad 80-120 Hoehenmeter ueberwinden zu duerfen. Ich waere gezwungen, das taeglich mindestens 2 mal zu machen. Noe iaourtaki mou, ich will eigentlich nicht weg hier, aber das waere fuer mich ein Grund, auszuwandern. Griechenland geht ueber Athen hinaus, auch wenn Attika uns gerne vergisst. Wie kaemen die kleinen Inseln an Wasser, Lebensmittel, medizinische Versorgung?

    Schoene Utopie, aber nicht zu Ende gedacht.

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