Demoskopie zeigt gesellschaftlichen Krach in Griechenland

10. April 2012 / Aktualisiert: 24. September 2017 / Aufrufe: 2.593

Eine Umfrage der Wirtschaftsuniversität Athen in Griechenland reflektiert den enormen Verlust des Vertrauens der Bürger in Regierung, Parteien, Politiker und Institutionen.

Einen tiefen „Riss“ im politischen und gesellschaftlichen System des Landes verursacht die Heftigkeit der Wirtschaftskrise und deren Auswirkungen auf die griechischen Privathaushalte. Die letzte Meinungsumfrage, welche die Abteilung für Statistik der Wirtschaftsuniversität Athen bei 1.679 Personen durchführte, beschreibt den intensiven Pessimismus der Griechen bezüglich ihrer Zukunft, aber auch ihre Anzweiflung der politischen Parteien, die sie als unfähig erachten, das Land aus der Krise zu führen.

Im Kurs auf die Wahlen haben die meisten Bürger kein Vertrauen in die Regierung, die parlamentarische Opposition, die Gewerkschaftler, aber auch in Institutionen wie Börse, Banken, private Versicherungsgesellschaften. Das Beeindruckende der Erhebung ist jedoch, dass sich die wirtschaftliche Lage der Familien von Monat zu Monat in einem Grad verschlimmert, dass ihre Verzweiflung einem gesellschaftlichen Zusammenbruch gleichkommt. Der jüngst erfolgte Selbstmord des Rentners auf dem Syntagma-Platz und der allgemeine Anstieg der Selbstmorde zeigt die „nationale Depression“ auf, in der sich das Land befindet.

Wirtschaftliche Lage der Bürger in Griechenland

Bezeichnend ist, dass 55,4% der Befragten ihre persönliche wirtschaftliche Lage als sehr schlecht und schlimm erachten und nur 7,5% nicht von der Krise berührt zu sein scheinen. Innerhalb eines Jahres stieg der Anteil all jener die antworteten, dass sich ihre wirtschaftliche Lage verschlimmert habe, um elf Prozentpunkte an. 7 von 10 Griechen (68%) erachten sogar, dass sich ihre persönliche Situation in den kommenden drei Monaten verschlechtern wird, wobei die Beunruhigung seit vergangenem Jahr um 15 Prozentpunkte zunahm.

Das persönliche … wirtschaftliche Drama wird auch von der Tatsache belegt, dass mehr als 7 von 10 Befragten beunruhigt sind, ihr Einkommen könne ihre Bedürfnisse nicht decken. Der … Sparstrumpf der Griechen hat sich zu leeren begonnen, damit die alltäglichen Bedürfnisse gedeckt werden. Mehr als 4 von 10 Bürgern (42,2%) antworten, dass das Einkommen aus ihrer Arbeit nicht ausreicht und sie ihre Sparguthaben oder Ersparnisse angreifen, um ihre Ausgaben zu decken. Ebenfalls antworten fast 3 von 10 (29,2%) Befragte, gezwungen zu sein, sich von Verwandten und Freunden Geld zu leihen, da ihr Einkommen nicht ausreicht und sie über keine Ersparnisse verfügen. Im Verhältnis zu März 2010 wird ein Anstieg um 9 Punkte bei denen verzeichnet, die sich außer Stande erklären, ihren Ausgaben nachzukommen.

Es gibt auch 2 von 100 Griechen (2,6%), die behaupten, Geld anzusparen, während 18,6% erklären, dass ihr Verdienst ausreiche, sie jedoch nichts zurücklegen können. Hinsichtlich der wirtschaftlichen Lage des Landes bleiben die Hoffnungen auf eine Verbesserung im Keller. 89% der Bürger bewerten das heutige Bild negativ, während 6 von 10 glauben, dass es sich in den kommenden drei Monaten verschlechtern wird. Die Ungewissheit über die Zukunft hat die Griechen „erstarren“ lassen, die sich zu einem Anteil von 75% über die Wirtschaft des Gebietes beunruhigt fühlen, in dem sie ansässig sind.

Misstrauen und Pessimismus stellen Zusammenhalt der Gesellschaft in Frage

Der Index der wirtschaftlichen Lage ist zusammengebrochen, da er sich mit 50 als Basis und höchstem Zuversichtlichkeits-Index von 100 bei 23 befindet. Der Index der gesellschaftlichen Stimmung, der den Grad der Zuversichtlichkeit zeigt, liegt bei gerade einmal 20.

Der hohe Grad der wirtschaftlichen Unsicherheit und des Pessimismus kumuliert und fungiert als „Tsunami“ gegen das finanzwirtschaftliche und politische System. Die Griechen zeigen inzwischen, nichts und niemandem mehr zu vertrauen, welche Tatsache außerordentlich beunruhigend für die griechische Gesellschaft ist. Sie stellt jedoch angesichts der Wahlen auch ein „Alarmglöckchen“ für das politische System dar, weil das Fehlen eines überzeugenden Auswegs die Gesellschaft in einen „brodelnden Kessel“ verwandelt.

Auf dem Weg zu den Wahlurnen haben sich bereits Phänomene apolitischen Verhaltens oder der Unterstützung der Extreme zu zeigen begonnen, offensichtlich als Haltung der Rache an dem existierenden politischen System. Die in Rede stehende Erhebung der Statistikabteilung der Wirtschaftsuniversität Athen stellt fest:

  • Fast 8 von 10 Bürgern haben kein Vertrauen in die Regierung, wobei das Vertrauen in der politischen Mitte größer und bei den Linken geringer erscheint. Mehr als 7 von 10 glauben, dass die Regierung nicht für das Wohl der Gesamtheit arbeitet. Mehr als die Hälfte (57,4%) glauben sogar, dass die nationalen Interessen untergraben werden, weil Befehle der Gläubiger ausgeführt werden.
  • Intensiv ist die Missbilligung auch für die parlamentarische Opposition. Obwohl die N.D. als alternative Lösung auftreten möchte, vertrauen ihr 8 von 10 nicht. „Alarmglöckchen“ für Antonis Samaras, dem mehr als 7 von 10 (76,3%) nur wenig oder überhaupt nicht vertrauen.
  • Der Index des politischen Vertrauens befindet sich bei gerade 18, mit ausgezeichnet 100 und Basis 50. Der selbe Index (18) auch für die Regierung, mit einem Rückgang um 3,5 Punkte seit vergangenem Jahr. Bei gerade 19 auch der Index des Vertrauens in die Opposition, mit einem Rückgang um 5 Punkte.
  • Die ehemalige „Stütze“ der Arbeitnehmer, sprich die gewerkschaftlichen Organisationen, werden von mehr als 7 von 10 Bürgern missbilligt (61,3% vertrauen ihnen überhaupt nicht und 22,6% etwas).
  • Schock auch für das finanzwirtschaftliche System, dass ebenfalls von der Wirtschaftskrise heimgesucht wird. 84% der Bürger haben kein Vertrauen in die Börse, 6 von 10 vertrauen den Banken nicht und 7 von 10 nicht den privaten Versicherungsgesellschaften.

(Quelle: Imerisia)

  1. Der-Korkenzieher
    10. April 2012, 03:44 | #1

    Dieses traurige Thema möchte ich nicht kommentieren, aber gotohellas-User ansprechen. Könnt ihr auch andere Themen verfassen, außer permanent ganze Artikel von dieser sehr hochwertigen Seite zu zitieren und als Krönung zu verlinken? Ich denke, jeder auch außerhalb jeglicher Foren kennt diese Seite!!!
    Manche bringen nur Tabellen, Analysen usw., die ganz Hochintelligenten können auf Politik. Ach ja, und was Korruption angeht, seid Ihr meiner Meinung nach auch fleißig dabei! Also, liebe gotohellas, einige haben Gewerbe laufen in DE und sitzen in diesem Land mit GR-einahmen! Meine Analyse ohne Tabellen etc.: die meisten sind […], neidisch und hetzerisch !!! MEINE MEINUNG !!! Erlebt mal etwas um es zu diskutieren, ohne Verlinkung und belanglose Kommentare über ekligen gammeligen Quark, da ja hier alles zu teuer ist !!! Muss man halt verzichten oder nach DE zurück, wo angeblich alles besser ist !!!
    Leider kann man ja nicht freie Meinungen äußern in Eurem Hoheitsteritorium. Wahrheiten hört keiner gern, aber in diesem Land gibt es auch Sicherheit für unsere Kinder, wo sie nicht vergewaltigt und viele Jahre lang in Katakomben eingesperrt werden !!! U-Bahn in GR ist für jedermann sicher, in DE jeden Tag Totschlägerein !!! Auch kommt kein Normalo nach GR um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, sehr wohl aber mit Rente.
    Ich hoffe und wünsche mir, dass dies nicht gelöscht wird und Ihr die Gelegenheit habt, es zu lesen; dann habt Ihr evtl. mal ein gaaanz neues Thema !!!
    Eure Vermutungen, wer hinter diesem Blog steckt, kann man sehr leicht festellen, kostet aber Zeit und logisches Denken, die ihr auf Meckertiraden verliert. Also Bier ist humaner Preis, Lidl hat Transportkosten und höhere Steuerabgaben in GR. gotohellas sollte eigentlich so etwas wie dieser Blog sein, ist Euch aber entglitten durch frustriertes Tratschen. Meine Kommentare werden ja permanent zensiert und gelöscht im gotohellas, deshalb versuche ich hier, es rueberzubringen. Wenn ich bei manchen gotoh. Mitgliedern die Uhrzeiten beobachte, dann könnte man meinen, einige von Euch leben einsam in einer virtuellen Welt ohne Außenkontakte.
    Bitte hört auf, ständig die am Boden liegende Mitmenschen zu treten, die haben es schwer genug !!! Hieß es nicht irgendwann mal, wir sind Europa, eine Patchwork-Familie? Familienmitglieder unterstützt man und inszeniert keinen intellektuellen Futterneid !!!

  2. admin
    10. April 2012, 05:05 | #2

    @Der-Korkenzieher
    Unter Vorbehalt freigeschaltet, als Anregung zur Einrichtung einer „Meckerecke“ im internen Userbereich: ist nicht die feine Art, uns nun auch noch als externe Waschmaschine einspannen zu wollen …

  3. Leo
    10. April 2012, 09:26 | #3

    Unzufrieden mit Allem? Aber leider werden im Mai wieder Millionen Griechen an die Wahlurnen
    eilen und das tun, was sie seit Jahrzehnten tun: Die gleichen korrupten und unfähigen
    Politiker bzw. Parteien wählen , wie immer. Sie geben die Hoffnung nicht auf, daß sie einmal
    Volksvertreter bekommen, von denen sie nicht entttäuscht werden. Liebe Griechen, träumt
    weiter…

  4. 10. April 2012, 09:34 | #4

    Diese Umfrage , die wirklich ein trauriges Bild hier in Griechenland wiederspiegelt, kann ich auch in meiner Umgebung feststellen und viele Punkte stimmen auch fuer meine Person zu. Man misstraut allmaehlich alles und jeden. Und das zieht einen selbst so runter! Leider!

    @ Korkenzieher
    Ich verstehe nicht, warum man nicht ab und zu Information verlinken kann. Es heisst doch nicht, dass alle Seiten, die man so kennt, man auch liest….so viel Zeit hat man nun wirklich nicht…ich jedenfalls nicht und bin auch froh, wenn ich mal einen fuer mich interressanten Artikel verlinkt bekomme. Du kann ja hier anhand der Aufrufe sehen, wieviel sich hier einklinken. In meinen Augen sind es oftmals garnicht so viele…was ich schade finde, da ich diesen Blog fuer sehr informativ halte und auch die Kommentare dazu finde ich gut. Letztendlich, so finde ich, kommt es auch diesem Blog zugute, dass gerade durch einen Link in einem anderen Blog/Forum so mancher Leser erst auf diesen Blog stoesst, so ist es mir jedenfalls gegangen. Aber jeder sieht es halt von seinem Blickwinkel aus.

    @ Admin

    Ist vielleicht das verlinken verboten? Oder nicht gerne gesehen?

  5. Ariadne
    10. April 2012, 10:11 | #5

    @Der-Korkenzieher
    Aber: Familienmitglieder betrügt man auch nicht!

  6. Babbelnett
    10. April 2012, 12:13 | #6

    Rückt Griechenland nicht gegen die einheimischen Schwarzgeld-Besitzer an, die ihr Geld in hundertfacher Milliardenhöhe außer Landes gebracht haben, wird ein Bürgerkrieg unvermeidlich sein.

  7. Heinz
    10. April 2012, 15:47 | #7

    @Der-Korkenzieher

    Richtig, ich war auch der Meinung, dass wir alle eine Familie sind. Sich gegenseitig nichts neidet. Natürlich gibt es in Familien ab und an heiße Diskussionen. Aber in einer gut funktionierenden Familie beschimpft man sich nicht (Deutsche Regierung, EU usw.) und lässt auch so viel Meinungsäußerung zu – auch wenn manchmal kaum erträglich – dass Jeder zu Wort kommt und seinen Senf dazu geben kann.

  8. admin
    10. April 2012, 18:47 | #8

    Juls :

    Ist vielleicht das verlinken verboten? Oder nicht gerne gesehen?

    Selbstverständlich weder noch.

  9. Christina
    10. April 2012, 20:34 | #9

    @ Korkenzieher

    Ich weiß zwar nicht, was Sie sonst so lesen, aber „neidisch und hetzerisch“? Könnten Sie das bitte näher erläutern?

    Bei den Menschen, die sich bei gotohellas äußern, handelt es sich meist um Menschen, die in Griechenland leben, dort einen Zweitwohnsitz haben oder sich regelmäßig in Griechenland aufhalten. „Neidisch“? Auf wen denn bitte?

    Ich bekomme bei dem, was ich hier im griechenland-blog lesen kann, schon manchmal Magengrimmen, und habe volles Verständnis, wenn bei den admins die Nerven auch mal blank liegen.

    Wenn Ihre Beiträge bei gotohellas von ähnlich unverständlicher Rundumschlag-Qualität waren, entwickele ich ein gewisses Verständnis, warum Sie dort von den Administratoren ausgebremst werden.

    Aber Sie haben Ihre Ressentiments ja jetzt mal loswerden dürfen.

    Dank an die externe Waschmaschine, solche Vorgänge sichtbar zu machen! Aber ob das nützt ???

  10. iaourti iaourtaki
    11. April 2012, 21:25 | #10

    @Leo
    So, so und was ist mit den Parteien, die erst gar nicht erlaubt werden?

  11. Griechin62
    12. April 2012, 23:55 | #11

    Hallo!!

    Ich habe eine Internetseite von einer neuen griechischen Partei entdeckt, wer weiss was und warum hört man nichts in den Medien darüber!?
    Das hört sich zu gut an um wahr zu sein!

    Hier der Link: http://www.dimiourgiaxana.gr/intl/index.php/de/reden-artikel/198-founding-declaration-and-political-positions

  12. Moppel
    13. April 2012, 01:46 | #12

    @Griechin62
    Booooaah, als nächstes wird dann vielleicht gar der Seeweg nach Indien „entdeckt“ werden? 😆

  13. 13. April 2012, 13:06 | #13

    @ griechin62

    schau mal

  14. Griechin62
    13. April 2012, 13:17 | #14

    @Moppel

    Die Ironie können sie sich sparen!!
    Sollten sie ein Deutscher sein, warten sie ab, weil es wird Deutschland auch erwischen!!
    Ich lebe seit 46 Jahren in Deutschland und erlebe den Zerfall der Mittelschicht mit, sowie viele Ungerechtigkeiten die auf kosten der Bürger gehen.
    Sparen sie sich ihre Ironie für die Zeit auf, wenn ihre Zeit gekommen ist, um das Resultat zu sehen was die Ignoranz und Ausbeutung des Sozialsystems in Deutschland gebracht hat!

    Es gibt genug Griechen, die die Scheiße in Griechenland sahen und nie so haben wollten und lassen sie mir mein Glauben, dass diese Krise eine Chance für Besserung sein darf und sein kann.

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