Preisverfall bei Immobilien in Athen – Griechenland

8. Februar 2012 / Aktualisiert: 30. Juni 2013 / Aufrufe: 8.015

Infolge der tiefen Rezession in Griechenland stehen im Großraum Athen – Attika tausende Wohnungen leer, die vor nicht langer Zeit noch wie warme Semmeln weggingen.

In zentralen Bezirken Athens wie beispielsweise Patisia und Kypseli stehen inzwischen tausende Wohnungen leer, die bis vor kurzem hauptsächlich an Ausländer vermietet wurden. Das selbe Schicksal teilen auch hunderte Wohnungen in teuren Vierteln Athens, welche von den Mietern aufgegeben werden, die in billigere Gegenden umziehen. Diese Angaben der Maklerbüros werden auch von einer neulich durchgeführten Erhebung des Panhellenischen Verbands der Immobilienbesitzer (POMIDA) bestätigt.

Laut der Erhebung des POMIDA erlitten während der beiden letzten Jahre 94% der Immobilieneigentümer einen Rückgang ihrer Einkommen, weil entweder die von ihnen vermieteten Immobilien leer standen oder weil sie zu Mietsenkungen schritten, die in der Mehrzahl der Fälle (über 60%) zwischen 20% und 30% lagen.

Wohnungen stehen trotz sinkender Mieten leer

In bestimmten Vierteln der Stadtgemeinde Athen bleiben die Wohnungen seit einem Jahr trotz der Tatsache unvermietet, dass die Mieten um fast 20% – 25% zurückgegangen sind. Beispielsweise steht eine Zweizimmerwohnung in Kypseli, die für 380 Euro vermietet wurde, seit einem halben Jahr leer, obwohl der Besitzer den Preis auf 300 Euro gesenkt hat. Seit zehn Monaten ist eine Zweizimmerwohnung an dem Kolatsiou-Platz unvermietet, für die der Eigentümer den Preis auf 250 gesenkt hat. Eine Zweizimmerwohnung in Ano Patisia steht seit 13 Monaten leer und der Eigentümer drängt auf eine Änderung der Hausordnung des Mehrparteienhauses, damit sie als gewerblicher Raum genutzt werden kann.

Die zigtausend freien Wohnungen kommen zu den ungefähr 200.000 Eigentumswohnungen in Attika hinzu, die seit vielen Monaten unverkauft bleiben – wozu allerdings anzumerken ist, dass die Preise zumindest bisher nicht in dem Grad nachgaben, den Faktoren des Immobilienmarkts erwartet hatten.

Weniger ausgeprägt sind die Probleme (der Eigentümer / Vermieter) in Bezirken wie Chalandri, Agia Paraskevi und Cholargos, wo bisher unter anderem hochbezahlte Staatsbeamte und Unternehmer wohnten, die nun jedoch aus den teuren Vierteln der nördlichen Vorstadtbezirke wegziehen. Die Nachfrage nach Mietwohnungen in Chalandri, Cholargos usw. stützt allerdings natürlich kaum noch die hohen Mieten von vormals 700 – 800 Euro für eine Dreizimmerwohnung nebst „teilumbauter“ Fläche (sprich Balkon, Terrasse, Veranda), die aktuell bei 550 – 650 Euro gelandet sind.

Lukrative Kaufgelegenheiten bei großen und luxuriösen Wohnungen

Potentielle Käufer sollten berücksichtigen, dass die während der vergangenen drei Jahre um 20% gesunkenen Preise laut den Prognosen der Immobilienmakler auch in diesem Jahr um etwa weitere 10% nachgeben werden. Die Belastungsfähigkeiten der Bauunternehmer, welche die meisten der unverkauften Wohnungen kontrollieren, beginnt sich zu erschöpfen, und „mutige“ Käufer werden folglich noch bessere Preise vorfinden. Voraussichtlich werden die Preise stärker bei den luxuriösen Objekten und in den Bezirken mit vielen unverkauften Häusern sinken. Den größten Druck erfahren derzeit „Häuser mit großer Fläche und Neubauten in teuren Bezirken“.

Die Preise für Neubauwohnungen in teureren Bezirken der Stadtgemeinde Athen (Pagkrati, Koukaki, Keramikos) liegen bei 2.300 – 3.200 €/m². Ab 3.000 – 3.500 €/m² bewegen sich die Preise in Neo Psychiko, Papagou, Cholargos und N. Erythrea, während Wohnungen in Vrilissia, Melissia, Agia Paraskevi und Chalandri für 2.000 – 3.200 Euro pro Quadratmeter verkauft werden. In den südlichen Vorstadtbezirken beginnen die Preise für Neubauwohnungen ab 2.600 €/m² und erreichen bis zu 3.500 €/m² in Paleo, Kalamaki und Nea Smyrni, wogegen in Kallithea und Agios Dimitrios die Einstiegspreise auf 1.800 €/m² zurückgegangen sind.

(Quelle: marketbeast.gr)

  1. mazu
    8. Februar 2012, 12:09 | #1

    Selbst wenn ich das Geld hätte: ich würde z.Zt. einen weiten Bogen um Immobilien in GR machen. Völlig unsichere Zukunftsaussichten, weiter fallende Preise, eventuell bürgerkriegsähnliche Zustände ? Und eine Haus oder eine Wohnung kann man nicht über die Grenze bringen wie eine Yacht. Deshalb: Finger weg.

  2. miks
    9. Februar 2012, 08:40 | #2

    bürgerkriegsähnliche zustände???? langsm reicht es aber!

  3. dermitderdickentanz
    9. Februar 2012, 17:20 | #3

    Als Grieche der in Deutschland lebt und im Alter nach GR ziehen möchte, wurde ich wie nicht anderes zu erwarten war vor 3 Jahren von meinem Nachbar bei Grundstückskauf total beschissen. Für mich waren diese vergangen drei Jahre ein Lehrzeit im Tricksen – Lügen und Betrügen. Ich war entsetzt von meinen griechischen Mitbürgern.
    Vor ein paar Monaten kam mein Lieblingsnachbar (der mich so betrogen hat) und wollte mir weiß machen, er würde gerne sein Haus verkaufen um wieder in die Stadt zu ziehen (Traumlage am Meer). Ob ich vielleicht einen Germanos wüsste, der eventuelle und vielleicht ein Schnäppchen machen möchte. 3 Jahre hartes Anpassungstraining im ahnungslosen daherschauen und Achselzucken kamen jetzt zum Einsatz. Von meiner Tochter wusste ich dass seine Frau Ihn verlassen hat und nun Ihren Anteil möchte.
    Tage später fragte ich Ihn was er sich für einen Preis vorstelle. Er meinte, die Gestehungskosten mit Grundstück wären 550.000 Euro gewesen, und wenn man die augenblickliche Immobilienkrise sehe, würde er sich großzügig zeigen und wäre mit 400.000 Euro einverstanden. 100.000 so und 300.000 auf ein Konto in D oder CH. Der tatsächliche Gesamtwert beträgt laut einem befreundeten Gutachter im Augenblick nur 250.000 Euro.
    Wir trafen uns ohne sein Wissen mit seiner Frau und fragten Sie mit welchem Angebot sie einverstanden wäre. Am nächsten Mittwoch geht’s zum Notar – Wir kaufen – Die Ehefrau bekommt das Wohnrecht solange Sie lebt und er bekommt 125.000 Euro, die er versteuren muss, und ich nach 3 Jahren Lehrzeit endlich meinen Gesellenbrief.
    Ich bin endlich angekommen.

  4. miks
    10. Februar 2012, 08:32 | #4

    @dermitderdickentanz
    ich kann es nicht mehr hören! solche betrügereien gibt es doch in jedem anderen land auch! das ist doch nicht typisch griechisch!

  5. zero
    10. Februar 2012, 14:48 | #5

    @micks: Vielleicht nur eine Frage der Zeit…

    Nur mal so ein Szenario (muss nicht so kommen, ist aber auch nicht völlig aus der Luft gegriffen):

    GR unterwirft sich den harten Sparforderungen der Troika (um weitere Hilfsgelder zu erhalten)
    Weitere Protest-und Streikwellen gehen durch das Land
    Bei den Neuwahlen im April fällt die Regierung: die konservative Neo Democratia und die Radialen am linken und rechten Rand bilden eine Koalition
    Die neue griechische Regierung sieht sich aufgrund des Bevölkerungsprotestes ausserstande, sich weiter an die im Februar 2012 vereinbarten Abreden zu halten, und verlangt Nachverhandlungen
    EU und IWF erklären daraufhin das engültige Scheitern der GR-Rettung; auch die EZB stellt Anleihekäufe gr. Staatsanleihen ein
    Hilfszahlungen bleiben aus; GR erklärt den Bankrott bedient keine Schulden mehr; somit ist GR auch vom internationalen Geldmarkt abgeschnitten
    Infolgedessen kommt es zu einem Bankrun; die meisten gr. Banken brechen zusammen; es kommt zu tumultartigen Szenen
    Gehälter/Pensionen können nicht mehr oder nur in kleinem Masse bedient werden; Importe von aussen kann das Land nicht mehr finanzieren; es kommt zu Knappheit von Benzin, Lebensmittel, Medikamente,…
    Weitere Protest-und Streikwellen gehen durch das Land, es kommt bei Verteilung von Notgütern zu regelrechten Tumulten; das öffentliche Leben kommt fast gänzlich zum Erliegen; Strom-und Wasser gibt es nur noch stundenweise (viele Angestellte erscheinen nicht mehr, da es ohnehin kein Gehalt gibt)
    Aufgrund der Versorgungsknappheit entsteht ein Schwarzmarkt und Tauschhandel; es kommt zu Plünderungen in den reichen Oberschichtvierteln
    Die Sommersaison leidet unter zahlreichen Stornierungen; viele Urlauber meiden GR
    Aufgrund der chaotischen Lage putscht sich das Militär an die Macht und regiert per Notstandsverordnungen
    GR führt eine neue Währung ein…

  6. lachnetachmet
    10. Februar 2012, 21:56 | #6

    @zero
    Das kann in GR in der jeztigen Situation niemals passieren.
    Wenn zu den wichtigsten Enscheidungen des Landes nur ein paar Tausend Demonstranten durch Athen ziehen steht die breite Masse voll und ganz
    hinter dieser großartigen Regierung.
    Die meisten Griechen sind 100 % ige Oportunisten.
    Würde Deutschland Griechenland als neues Bundesland aufnehmen,
    und der Grieche könnte dafür weiterhin in der Komfortzone leben
    würde es in jedem gr. Restaurant eine Angelaplatte geben.

  7. Hiltrud Hartmann
    16. Februar 2012, 02:21 | #7

    An Deritderdickentanzt
    Toll gemacht! Ich bin Deutsche, lebe seit 30 Jahren in Griechenland und habe mir natürlich hier nichts ansparen können, um im Alter nach Deutschland zurückzukommen. Ich gratuliere dir zu deinem Gesellenbrief und freue mich für dich! Allerdings solltest du dir überlegen, in Deutschland zu bleiben. Griechenland ist ein gutes Urlaubsland, aber auf Dauer da leben würde ich jetzt niemandem empfehlen..

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