Polizei in Griechenland verschleiert Anstieg der Kriminalität

26. Februar 2012 / Aktualisiert: 13. August 2017 / Aufrufe: 5.787

Der griechischen Polizei wird vorgeworfen, Angaben über den rapiden Anstieg der Kriminalität in Griechenland zurückzuhalten, um die Bürger in Sicherheit zu wiegen.

In einem Artikel der Zeitung „To Vima“ wird der griechischen Polizei (ELAS) vorgeworfen, tausende krimineller Handlungen zu „verheimlichen“, damit keine Reaktionen der Bürger hervorgerufen werden. Infolge eines beispiellosen Anstiegs der Kriminalität wurden 2011 in Griechenland mehr als 100.000 – also durchschnittlich jeden Tag fast 280 – Einbrüche und Raubüberfälle verzeichnet, von denen seitens der EL.AS jedoch jeden Tag nur zwei bis drei offiziell und schriftlich bekannt gegeben werden.

Dagegen geben in den letzten Wochen die Polizeibehörden – angeblich auf höhere Befehle – hunderte von Pressemitteilungen hauptsächlich nur über Verhaftungen von Personen aus, die in rechtswidrige Handlungen von nur geringem oder gar keinem öffentlichen Interesse verwickelt sind, um das Werk der Polizei zu propagieren und den Eindruck eines sicheren Landes zu erwecken.

Polizei desorientiert die öffentliche Meinung mit Lappalien

Damit präsentiert sich jedoch das paradoxe Phänomen, dass kontinuierlich Festnahmen wegen Straftaten bekannt gegeben werden, über welche früher keinerlei Informationen an die Massenmedien geleitet worden sind und die außer den betroffenen Opfern kaum jemandem bekannt sind. Einfacher ausgedrückt gibt die EL.AS also Festnahmen von Straftätern wegen Straftaten bekannt, die sinngemäß laut der Polizei bzw. ELAS „niemals ein Thema waren„.

Bezeichnend ist, dass die Dienststellen der ELAS in den letzten Tagen nicht einmal Zahlen über die Brandanschläge durch Anarchisten oder Zwischenfälle herausgeben, welche die „bekannten unbekannten“ vermummten Randalierer inszenierten. Wie die zuständigen Offiziere der EL.AS sogar behaupten, „sei es nicht mehr die Aufgabe der Polizei, von anderen begangene Straftaten bekannt zu geben„. Mit dieser neuen Denkweise und in Missachtung jeder Logik bzw. all dessen, was bisher galt, „werden die Bürger über die kriminellen Aktivitäten mit Pressemitteilungen informiert werden müssen, welche die … Verbrecherbanden selbst ausgeben„.

Bis vor wenigen Monaten gaben die für die Informierung der Massenmedien zuständigen Dienststellen der ELAS Pressemitteilungen über bedeutsame Ereignisse aus, die sich auf die Ausübung von Raubzügen, andere kriminelle Handlungen und Aushebungen von Banden mit komplexen Aktivitäten bezogen. Parallel wurden SMS mit einer zusammenfassenden Meldung der Ereignisse an die Mobiltelefone der zuständigen Redakteure geschickt. Einschlägige detaillierte Berichte gab es auch in den täglichen Informationsberichten, welche das Ministerium für Zivilschutz ausgab.

Während der letzten Zeit änderten sich jedoch der Inhalt und die Häufigkeit der einschlägigen Pressemitteilungen und der entsprechenden SMS radikal. Alltäglich ergehen 15 bis 30 Pressemitteilungen, wobei in fast allen nur „erfolgreiche Aktionen der ELAS“ erwähnt werden. So werden also sogar auch über die Verhaftung von ein, zwei Kleindealern auf der Omonia-Straße oder über Festnahmen von Ausländern, die im Besitz gefälschter Ausweispapiere waren, und andere Ereignisse minimaler Bedeutung Informationsmeldungen ausgegeben und SMS verschickt. Entsprechend fallen auch die Veröffentlichungen auf der Internetpräsenz der ELAS aus.

Verbrechen werden verschwiegen, um die Bürger nicht zu beunruhigen

Von den blutigen Verbrechen, Raubüberfällen, Wohnungsüberfällen und anderen ernsthaften Straftaten werden dagegen die wenigsten in der offiziellen Informierung seitens der Verfolgungsbehörden und in den entsprechenden Meldungen erwähnt. Obendrein wird über kriminelle Handlungen, die in Athen oder anderen Regionen Griechenlands begangen werden, fast kaum noch rechtzeitig eine SMS verschickt.

Charakteristisch ist, dass in den zehn letzten zusammenfassenden Informationsberichten der ELAS über die polizeilichen Geschehnisse im ganzen Land insgesamt 56 Fälle mit auf frischer Tat erfolgten Festnahmen, Aufklärungen von Fällen oder Aushebungen von Banden erfasst sind. Dagegen enthalten die selben zusammenfassenden Berichte der ELAS Angaben über nur 16 Einbrüche und Raubüberfälle, bei denen es nicht zu Verhaftungen der Täter kam. In dem selben Zeitraum, für den diese 16 kriminellen Ereignisse angeführt werden, sind schätzungsweise ungefähr 1.000 weitere Verbrechen begangen worden, die nirgendwo angeführt werden und „verschwunden“ sind.

Der seit eh und je bekannte „Ereignisbericht“ der ELAS wurde also in einen „Bericht … über Einzelerfolge der Verfolgungsbehörden“ umgewandelt. Die zuständigen Journalisten können sich über bestimmte von tausenden im Land verübten Straftaten nur mündlich informieren und wenn sie einschlägige Anfragen bei den entsprechenden Pressestellen einreichen. Die realen Zahlen sind jedoch umgekehrt zu dem Bild, welches zu präsentieren versucht wird. Der Anteil der Aufklärungen von Diebstählen und Einbrüchen bleibt dauerhaft bei 10% – 15% und bei den Raubüberfällen bei 20% – 30%.

Die einzige Quelle mit dem realen Bild über die alltäglich verzeichneten tausende Straftaten stellen die summarischen Daten dar, welche die ELAS nur ein- bis zweimal im Jahr veröffentlicht, damit in der Bevölkerung die Beunruhigung über den steilen Anstieg der Kriminalität nicht weiter zunimmt. Auch in diesem Fall gibt es jedoch keinen arithmetischen Bericht mit den Straftaten, welche in verschiedenen Gebieten Athens oder in Städten der Provinz geschehen, und zwar unter dem Vorwand, „die Bürger dieser Gebiete nicht beunruhigen zu wollen, aber auch, damit keine Missverständnisse entstehen und es keine Wettstreite zwischen den zuständigen Offizieren – Leitern der lokalen Dienststellen gibt„.

(Quelle: To Vima)

  1. Mytos01
    26. Februar 2012, 12:40 | #1

    Die großen Touristiker sind bereits alarmiert. Zahlen Fakten und Regionen sind dort bestens bekannt.

  2. risovo
    26. Februar 2012, 13:31 | #2

    …da brauche ich keinen „bericht“ der polizei um festzustellen dass die kriminalitaet zugenommen hat. da braucht’s nur offene augen. warum sollten wir grade dieser behoerde glauben schenken, wo wir von rundherum nur luegen hoeren. eine tragik sondergleichen…

  3. Holger Lippert
    26. Februar 2012, 14:21 | #3

    …die Parallele (obwohl es sie nicht geben soll) zu “Bruening/Hitler“ wird durch das steigende Elend in Griechenland sichtbar. Das Gemisch aus Grossdieben und Steuerverbrechern auf der einen – und dem “Nicht-mehr-ein-und-Aus“ auf der anderen Seite – gezuendet vom nächsten “Hilfspaket“ fliegt uns schon noch um die Ohren…

  4. muss sowas sein………
    26. Februar 2012, 18:31 | #4

    Wer wundert sich denn – wenn es den Leutchen wirtschaftlich schlechter geht – daß dann die Kriminalität steigt, denke das ist schon „fast menschlich“ und wäre in DE auch nicht anders ……… und klar, dann meldet sich die Schicht von Menschen, welche die gewalttätige Ader noch schüren, ihre Interessen in den Vordergrund zu stellen versuchen und daraus ihren Nutzen ziehen ………. wie Wölfe im Schafspelz – den Eindruck habe ich dabei.
    Nur – diese Gewalt endet wieder in einer Sackgasse und löst sicher keine Probleme.

    Daß da Verschleierungen von Straftaten nichts nützen ist klar, jedoch auch ein wenig verständlich, damit die Menschen nicht noch mehr der Angst ausgesetzt werden. Grade in solchen Zeiten sollten die „kleinen Leutchen“ mehr zusammenrücken, gegenseitig unterstützen oder aufpassen, dann haben die kriminellen Aktivisten nicht so viel Erfolg!

    Solche „Raubzüge“ passieren, wenn man die Schicht von Menschen eine Zeche zahlen läßt, die sie gar nicht verursacht haben und dabei noch ausgepresst werden wie eine Zitrone. Ich denke – da wäre keiner von uns begeistert, wenn es uns selbst passieren würde.

  5. Der Patriarch
    27. Februar 2012, 09:40 | #5

    Einige deutsche Fernsehsender breiten sich auf Reportagen über Griechenland vor, in denen es um Themen geht wie „ Wie sicher ist Griechenland & Was passiert mit unserem Geld.“
    Sobald die Hilfsgelder geflossen sind, will der deutsche Michel bequem vom Fernsehsessel
    aus informiert werden.

  6. null problemo
    27. Februar 2012, 10:44 | #6

    Wo ist das Problem? Die Medien/Journalisten sollen nicht jammern, sondern auf ihren Websites kurzerhand Tools einrichten, mit dem betroffene Bürger die Informationen direkt an die Medien geben können. Dann wären solche Propaganda-Pressestellen im Nu kaltgestellt und würden das, was sie sind: überflüssig. – Allerdings müssten Journalisten dann auch mal wieder selbst recherchieren. Das ist der Haken an der Geschichte.

  7. Michael
    27. Februar 2012, 21:54 | #7

    Mein Bruder wurde in Griechenland schon beklaut, als es noch keine „Krise“ gab. Im Gegensatz dazu wurde ich auf Zypern mehrmals nie beklaut, obwohl die Menschen dort arm waren. (In Paphos gab es sogar einen Juwelier „Adolf Hitler“! Ich hatte keinen Fotoapparat mit, das sah nach eher britschem Humor aus.) Ich würde eher zypriotische Staatsanleihen bevorzugen. Dort leben arme, aber ehrliche Menschen. Die sind mir ans Herz gewachsen. In den inzwischen vielen Wochen auf Zypern sah ich auch nie Polizisten, sie waren nicht nötig. Auf so einer Basis kann man viel besser MITEINANDER leben.

  8. V99 %
    28. Februar 2012, 18:21 | #8

    Ob man es eine Verschleierung nennen kann, wenn die ELAS von den fast 280 taeglichen Straftaten nur zwei bis drei offiziell und schriftlich bekannt gibt, ist fraglich. So wie ich den Artikel verstehe, eher nicht. Unten heisst es ja:
    Die einzige Quelle mit dem realen Bild über die alltäglich verzeichneten tausende Straftaten stellen die summarischen Daten dar, welche die ELAS nur ein- bis zweimal im Jahr veröffentlicht..
    Ich verstehe nicht genau, was da von der ELAS erwartet wird. Sollen die jeden Tag einen Katalog von 280 straftaten veroeffentlichen? Als Buch? Oder im Internet? Wie schnell soll das gehen, innerhalb von 24Stunden? Das klingt bei dem ultraschnellen griechischen Verwaltungsapparat sehr lustig 😀
    Interessanterweise sind in GR laut EUROSTAT im Jahr! 2009 ! ca. 387.000 registrierte Straftaten begangen worden. Wenn man dann noch die unregistrierten mit einbeziehen koennte muesste die Zahl eigentlich weit ueber den angegebenen 100.000 liegen!?
    So viel zu Statistiken..
    Was mir hier bei anderen Kommentaren auffaellt ist die Liberalisierung der Straftaten, nach dem Motto der Zweck heiligt die Mittel. Nun es ist wohl ein Unterschied, ob jemand im Supermarkt ein Brot klaut weil er hunger hat oder eine Bank ueberfaellt, aber wo genau soll die Grenze sein? Legalisierung aus dem Aspekt der Unschuld an der Wirtschaftslage?
    „Ich denke – da wäre keiner von uns begeistert, wenn es uns selbst passieren würde.“ Was? Ausgeraubt werden, weil andere meinen das Recht dazu zu haben, weil es ihnen schlecht geht? Na denn Danke! Danke an die Leute, die bei mir letztes Jahr eingebrochen haben! Einer ist also doch BEGEISTERT…;-D

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