Neue Rentenkürzungen in Griechenland

20. Februar 2012 / Aktualisiert: 30. Juni 2013 / Aufrufe: 2.740

In Griechenland treten rückwirkend ab Anfang 2012 neue Rentenkürzungen in Kraft, um die in dem neuen Memorandum geforderten Einsparungen zu erreichen.

Rückwirkend ab dem 01. Januar 2012 treten in Griechenland für 340.000 Rentner Kürzungen der Hauptrenten um 12% des 1.300 Euro übersteigenden Betrags in Kraft, während auf Zusatzrenten ab 200 Euro eine gestaffelte Kürzung der Bezüge um 10% bis 20% zur Anwendung kommt. Eine abweichende Regelung gilt nur für die Rentenkasse der Seeleute (NAT), deren Renten rückwirkend horizontal ab dem ersten Euro um 7% gekürzt werden. Anstatt wie anfänglich vorgesehen nur die Renten der Rentner der Staatsunternehmen (DEKO) zu beschneiden, beschloss die griechische Regierung schließlich die Kürzung der Hauptrenten aller gesetzlichen Rentenkassen, damit weitere 100 Mio. Euro eingespart werden.

Es sei angemerkt, dass dies die zweite Kürzung der Hauptrenten innerhalb von 4 Monaten ist, da die vorherige Beschneidung der Renten im November 2011 erfolgt war und sich auf eine Kürzung um 20% der über den den Betrag von 1.200 Euro hinausgehenden Rentenbezüge bezog. Ein Rentner, der vor 5 Monaten eine Hauptrente von 1.800 Euro erhielt, sank somit nach den Kürzungen im November 2011 auf 1.680 Euro und erhält mit der erneuten Kürzung fortan eine Rente von nur noch 1.635 Euro, verliert also auf Jahresbasis 1.980 Euro.

Kürzungen bei der Sozialversicherung anstatt bei Ministerien

Laut Quellen des Arbeitsministeriums liegt der letztendlich durch die Rentenkürzungen eingesparte Betrag in einer Größenordnung von 400 Mio. Euro anstatt der anfänglich verlangten 300 Mio. Euro, weil die von den anderen Ministerien zusammengebrachten Einsparungen um 100 Mio. Euro unter den Beträgen lagen, welche mit der Troika vereinbart worden waren. Somit wurden diese bei der Sozialversicherung gesucht.

Es sei angemerkt, dass auf Basis des neuen Memorandums vor der ersten Auszahlung des neuen Programms die griechische Regierung als Voraussetzung vorab Kürzungen bei den Rentenkassen mit hohen Durchschnittsrenten oder jenen, die hohe Zuschüsse aus dem Staatshaushalt erhalten, mit dem Ziel der Einsparung von 300 Mio. Euro zu adoptieren hat.

Kürzungen der Zusatzrenten

Was die Zusatzrenten betrifft, wird es rückwirkend ab 01. Januar 2012 Kürzungen geben, die sich folgendermaßen gestalten:

  • die Zusatzrenten ab 200 bis 250 Euro werden um 10% gekürzt,
  • die Zusatzrenten ab 250 bis 300 Euro werden um 15% gekürzt,
  • die Zusatzrenten ab 300 Euro und mehr werden um 20% gekürzt.

Ziel der forcierten Regelungen ist, dass sich der Ergänzungsanteil der Zusatzrenten ab 20% bis zu 45% bewegt, wobei die Kürzungen hauptsächlich jene Rentner betreffen, die durch die defizitären Kassen gedeckt sind. Aufzeigend wird angeführt, dass sich bei der ETEAM – die über Gelder für die Renten bis Ende März verfügt – der Ergänzungsanteil derzeit bei ab 26% bis zu 60% bewegt.

Parallel sieht der endgültige Plan des Ministeriums für die Zusatzrenten die Zusammenlegung aller Versicherungsträger der Arbeitnehmer vor. Es wird also eine „gigantische“ Kasse für 3,5 Millionen Versicherte geschaffen werden, während es auch eine „Spardose“ für die Vermögensteile der konkreten Träger geben wird.

Auf den neuen Versicherungsträger sollen in einer ersten Phase die Kassen ETAM (also die Zusatzkasse der IKA), TAYTEKO (für Beschäftigte des allgemeinen öffentlichen Sektors), ETAT (für Bankangestellte), TEADY (für staatliche Beamten) und TEAIT (für Beschäftigte des privaten Sektors) … übertragen werden. Schließlich ist zu betonen, dass für jeden Versicherten „persönliche Konten“ geschaffen werden, auf welche die Einnahmen aus den Beiträgen gelenkt werden.

Strengere Einkommenskriterien für Beihilfen an Kinderreiche

In dem selben Maßnahmenpaket sind auch Kürzungen bei den Beihilfen für Kinderreiche enthalten. Konkret ändert sich das Einkommenskriterium für Eltern von drei und vier Kindern, das von derzeit 55.000 Euro auf fortan 45.000 Euro gesenkt wird. Die Beihilfe beläuft sich für Eltern von drei Kindern auf 265 Euro alle zwei Monat und für Eltern von 4 Kindern auf 309 Euro alle zwei Monate. Alle mit 5 und mehr Kindern werden die Beihilfe für Kinderreiche weiterhin wie bisher erhalten. (Anmerkung: die Quelle spricht von monatlichen Kindergeldzahlungen, was jedoch definitiv nicht zutrifft.)

(Primäre Quelle: Vradyni)

  1. miks
    20. Februar 2012, 10:34 | #1

    ich finde die massnahmen zumutbar,oder etwa nicht?

  2. bina
    20. Februar 2012, 14:57 | #2

    das geld fuer eltern mit 3 oder mehr kindern erhaelt man zweimonatlich.
    eltern mit vier kindern erhalten also jeden zweiten monat 309 e kindergeld.
    monatlich waehre schoen.

  3. Ariadne
    20. Februar 2012, 16:21 | #3

    Schaut Euch mal in Europa um, wie viele Menschen eine Rente von „nur“ 1’635 Euro erhalten!

    Und was, bitte, sind Zusatzrenten? Wer erhält wann und warum eine Zusatzrente? Zusatz zu was?

  4. admin
    20. Februar 2012, 18:51 | #4

    @bina
    Sorry, das mit dem „monatlichen Kindergeld“ ist unbesehen von der Quelle übernommen worden und stimmt natürlich nicht – obwohl dieser Blödsinn immer dann, wenn es Kürzungen durchzusetzen gilt, gerne so suggeriert wird und schließlich wider besseres Wissen sogar der Übersetzer des Artikels diese Falschaussage unbesehen übernommen hat. Der Absatz wurde inzwischen korrigiert, danke für den Hinweis.

  5. admin
    20. Februar 2012, 19:25 | #5

    @Ariadne
    Wenn ein Rentner des privaten Sektors eine Rente in dieser Größenordnung erhält, hat er jahrzehntelang auch entsprechende Beiträge gezahlt. Durch die wiederholten Deckelungen stellt sich die paradoxe Situation ein, dass jene Versicherten abgestraft werden, die nie Beiträge hinterzogen und häufig auf freiwilliger Basis sogar erheblich höhere Beiträge als obligatorisch vorgesehen entrichtet haben, um so auf eine bessere Rente „anzusparen“.

    Zusatzrenten werden von Pensions- und Rentenkassen gezahlt, an welche der Versicherte neben den Pflichtbeiträgen an die gesetzlichen Rentenkassen zusätzliche Beiträge entrichtet, um eine zusätzliche Rente zu erhalten – was angesichts der teilweise lächerlich niedrigen Altersrenten der gesetzlichen Kassen durchaus verständlich erscheint, oder? Allerdings sind nun auch hier per Definition wieder ausgerechnet jene Versicherten „gekniffen“, die einen Teil ihres Einkommens anstatt in den Konsum zu stecken für ihre Altersvorsorge abgezweigt haben.

  6. Ariadne
    20. Februar 2012, 20:53 | #6

    @admin
    Ich bin entsetzt! „…dass jene Versicherten abgestraft werden, die nie Beiträge hinterzogen….haben…“! – Ist es denn üblich, Beiträge zu hinterziehen? Wieviel % der Versicherten haben denn ihre Beiträge „hinterzogen“ und wie ging das vor sich?

    Wenn sich das Land in einer solchen Notsituation befindet, können doch gut situierte Bürger mit einem dermassen hohen Renteneinkommen etwas abgeben um ihrem Land zu helfen. Deswegen also gehen Leute hier auf die Strasse, setzen Häuser in Brand und machen einen solchen Aufstand und Lärm? Weil man statt 1800 Euro nur noch 1635 Euro an monatlicher Rente bekommt? – Ich glaub mich knutscht ein Elch!

  7. iaourti iaourtaki
    21. Februar 2012, 00:05 | #7

    @Ariadne
    Obwohl sicherlich nicht alle soviel kriegen, kann das durchaus eng werden, wenn dann immer mehr Verwandte keine Arbeit finden, zwecklos auf ihre Löhne warten müssen, wenig Arbeitslosenhilfe oder nach einem Jahr gar keine mehr bekommen.

  8. admin
    21. Februar 2012, 05:28 | #8

    @Ariadne
    Ο νοών…νοείτω!

  9. Provi
    21. Februar 2012, 17:36 | #9

    Ariadne :@admin !
    Wenn sich das Land in einer solchen Notsituation befindet, können doch gut situierte Bürger mit einem dermassen hohen Renteneinkommen etwas abgeben um ihrem Land zu helfen. Deswegen also gehen Leute hier auf die Strasse, setzen Häuser in Brand und machen einen solchen Aufstand und Lärm? Weil man statt 1800 Euro nur noch 1635 Euro an monatlicher Rente bekommt? – Ich glaub mich knutscht ein Elch!

    @Ariadne

    Irre. Denen fehlt jeder Vergleichsmaßstab zu den permanent ausgeplünderten Deutschen, (incl. der Griechen in Deutschland mit erarbeiteten Rentenansprüchen), gegen die sie hetzen, weil ihnen die Alimentierung auf deren Kosten nicht reicht.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Eckrentner

    Durchschnittsrente aller Rentner West zum 31.12.2008 Männer 950,- Frauen 485,-
    Druchschnittsrente aller Rentner Ost zum 31.12.2008 Männer 999,- Frauen 676,-

    schon etwas veraltet, was aber nichts ändert, weils jahrelang keine Anpassung an die Geldentwertung gegeben und somit einen schleichenden Diebstahl an den erworbenen Rentenansprüchen gegeben hat. Begleitet von großangelegter Hetze in den Massenmedien gegen den „Rentnerberg“, der angeblich den Jungen auf der Tasche liegt.
    Damit die Jungen wissen, dass sie durch die Schuld der Rentner zugunsten der Banken und der Umverteilung durch Scheckbuchdiplomaten in andere Länder für „Rentenvorsorge“ sparen müssen.

  10. admin
  11. 22. Februar 2012, 13:01 | #11

    Ich habe selbst Familie in Griechenland und erfahre aus erster Hand, wie sich die Situation auf deren Alltagsleben und die Rente auswirkt. Einige meiner Verwandten, die sich bereits im Rentenalter befinden, müssen sogar oft auf ihre Rente warten und zum Teil Wochen ohne diese auskommen, ganz zu schweigen davon, dass die Renten gesunken sind. Das ist wahrlich keine schöne Situation für die Bürger, die unmittelbar betroffen sind.

  12. Anni
    1. März 2012, 10:00 | #12

    GR hat eine Wirtschaftskraft von etwa 40% bis max 45% der Euro Kernländer DE, NL, F, B.

    Z.B. die Durchschnittsrente in DE liegt bei 980 Euro, die in GR bei 1.120 inkl. (exklusive?) Zusatzrente und die Beitragszeit ib DE liegt bei 39 Jahren, die der Griechen bei 33 Jahren.

    Und hieraus ist es doch sehr leicht eine Beurteilung vorzunehmen, wenn die Griechen nunmehr ihre Zusatzrenten um 50 bis 100 Euro kürzen. Fakten, keine philosophischen Äußerungen.

  13. enttaeuscht
    1. März 2012, 15:22 | #13

    @Anni
    Wenn man sowas behauptet, sollte man auch die Quelle angeben, denn ansonsten besteht die Gefahr, ein Propagandaopfer gewesen zu sein.

  14. Christina
    2. März 2012, 01:34 | #14

    @ Anni

    Gute Frage von @ enttäuscht, die ich meinerseits auch gerne stellen möchte. Nennen Sie bitte mal die Quellen, aus denen diese Zahlenangaben stammen.

    Herzlichen Dank im Voraus!

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