Mikis Theodorakis spricht von Verschwörung gegen Griechenland

15. Februar 2012 / Aktualisiert: 01. November 2016 / Aufrufe: 43.542

Sie drohen, uns aus Europa herauszuwerfen. Wenn Europa uns einmal nicht will, wollen wir dieses Europa der Merkel – Sarkozy zehnmal nicht.

Heute, Sonntag 12. Februar, schicke ich mich an, (an der Demonstration) auch selbst und zusammen mit Manolis Glezos teilzunehmen, dem Helden, der das Hakenkreuz von der Akropolis herunter holte und so das Signal für den Start nicht nur des griechischen, aber auch des europäischen Widerstandes gegen Hitler setzte. Unsere Straßen und Plätze werden von hunderttausenden Bürgern überflutet werden, welche ihren Zorn gegen die Regierung und die Troika kundtun werden.

Gestern hörte ich den Bankier-Premierminister in seiner Ansprache an das griechische Volk sagen, dass „wir fast bei Null angekommen sind“. Wer hat uns jedoch innerhalb von zwei Jahren zu dem NULLPUNKT gebracht? Die selben, die – anstatt im Gefängnis zu sitzen – die Abgeordneten erpressen, das neue Moratorium zu unterschreiben, schlimmer als das erste, welches von den selben Menschen und mit den selben Methoden umgesetzt werden wird, die uns zum NULLPUNKT führten. Warum? Weil dies IWF und Eurogroup befehlen und uns damit erpressen, dass wir in den Bankrott geführt werden, wenn wir nicht gehorchen … Hier wird das Theater des Absurden gespielt. Alle jene Kreise, die uns im Grunde genommen hassen (Ausländer und Griechen) und die alleinigen Verantwortlichen für die dramatische Lage sind, in welche sie das Land führten, drohen und erpressen mit dem Ziel, ihr zerstörerisches Werk fortzusetzen, also uns unter NULL zu bringen, bis zu unserer endgültigen Auslöschung.

Wir haben unter sehr viel schwereren Umständen aus den Jahrhunderten überlebt, und es ist gewiss, dass die Griechen nicht nur überleben, aber sich auch regenerieren werden, wenn sie uns mit Gewalt auf die vorletzte Stufe vor dem Tod führen.

In diesem Moment habe ich alle meine Kräfte der Bemühung gewidmet, dass sich das griechische Volk dynamisch vereint. Ich versuche zu überzeugen, dass die Troika und der IWF keine Einbahnstraße sind. Dass eine andere Lösung existiert. Und diese ist, radikal den Kurs unserer Nation zu ändern und uns Russland zuzuwenden, für eine wirtschaftliche Kooperation und die Bildung von Konsortien, die uns bei der Hervorhebung des natürlichen Reichtums unseres Landes zu Konditionen helfen werden, welche unsere nationalen Interessen gewährleisten.

Was Europa betrifft, schlage ich vor damit aufzuhören, Kriegsmaterial von Deutschland und Frankreich zu kaufen. Ebenso wie wir alles unternehmen werden, damit Deutschland die uns geschuldeten Kriegsentschädigungen bezahlt, die sich heute zusammen mit den Zinsen auf 500 Mrd. Euro belaufen können.

Die einzige Kraft, die diese revolutionären Änderungen realisieren kann, ist das griechische Volk, vereint zu einer riesigen Front des Widerstands und der Solidarität, damit die Troika (IWF und europäische Banken) aus dem Land vertrieben werden. Und gleichzeitig müssen alle ihre rechtswidrigen Handlungen (Kredite, Schulden, Zinsen, Steuern, Aufkäufe des Staatsreichtums) als nicht geschehen betrachtet werden. Ihre griechischen Kollaborateure, die im Bewusstsein unseres Volkes bereits als Verräter verurteilt worden sind, werden zu bestrafen sein.

Diesem Ziel (der Einheit des Volkes in einer Front) bin ich gänzlich verschrieben und glaube, dass ich schließlich Recht erhalten werde. Ich kämpfte mit der Waffe in der Hand gegen die Hitlerbesatzung. Ich lernte die Verließe der Gestapo kennen. Ich wurde von den Deutschen zum Tode verurteilt und überlebte wie durch ein Wunder. 1967 gründete ich die PAM, die erste Widerstandsorganisation gegen die Militärjunta. Ich kämpfte in der Illegalität. Ich wurde ergriffen und im „Schlachthof“ der Junta-Kripo inhaftiert. Schließlich habe ich wieder überlebt.

Heute bin ich 87 Jahre als und es ist sehr wahrscheinlich, dass ich die Rettung meines geliebten Vaterlandes nicht erleben werde. Ich werde jedoch mit einem ruhigen Gewissen sterben, weil ich bis zum Ende fortfahre, meine Pflicht gegenüber den Idealen der Freiheit und des Rechts zu tun.

Athen, 12.2.2012

Mikis Theodorakis

(Quelle: Κίνημα Ανεξάρτητων Πολιτών (Bewegung unabhängiger Bürger)

Artikel weiterlesen: Seite 1 Seite 2 Seite 3

  1. LiFe
    21. Februar 2013, 10:37 | #1

    Als Kind hatte ich sehr wohl viel über Mikis Theodorakis gehört. Wir mussten französisch lernen, also befassten wir uns mit Chansons. Nicht zu vergessen spielte Georges Mousthaki eine große Rolle. Er sang das Lied Le Meteque. (Ich bin ein Fremder). Man nahm sie in den 60er Jahre nicht sonderlich zur Kenntnis, da sich entweder die einen überwiegend für Schlager oder pop und Rock Musik interessierten. Vietnam war auch mehr ein Thema. Fremde waren überwiegend Gastarbeiter und die wenigen Akademiker waren unter ferner liefen. Besonders die Akademiker hatten es auch nicht leicht. Meist rutschten sie in die Kathegorie der Gastarbeiter ab und entsprechend ging man mit ihnen um. Man hielt Abstand. Es gab Fälle wo diese Akademiker sich entschlossen haben nach Amerika auszuwandern. Dort spielte Herkunft keine Rolle. Wir waren nicht offen für die Sorgen dieser Menschen. Die Parole galt damals schon Ausländer raus. Das muss gesagt werden. Es gibt einiges nachzuholen und aufzuarbeiten.

  2. Spiro
    7. April 2013, 18:55 | #2

    Nicht die Deutschen sind Schuld daran, dass Griechenland einen absurd hohen Militärhaushalt hat. Auch hat Siemens nicht die Korruption in Griechenland erfunden. Das weis jeder, der dort mal ein Haus gebaut hat.
    Ein gutes Beispiel dafür, dass man im Alter nicht zwangsweise weiser wird. Das hätte er besser bleiben lassen sollen. Auch wenn es bitter ist, zusehen zu müssen wie GR den Bach runter geht.

  3. GR-Block
    8. April 2013, 02:04 | #3

    @Spiro
    Die Deutschen zu beschuldigen wäre in etwa so rassistisch wie die Griechen zu beschuldigen. Am Verkauf, womöglich unnötiger, Waffen (Autobahnen etc.) sind die Hersteller und die Käufer schuld. D.h. Konzerne der FUKG US Staaten und griechische EURO-Politiker.
    Die Völker lassen von westeuropäischen Feudalherren sich ins Bockshorn jagen und schlagen aus Angst aufeinander ein. Dabei sind es EU-Unternehmer und ihre Lobbyisten, die den Staat in den Ruin getrieben haben. Der Bürger hatte sich nicht übermäßig verschuldet. Die Schattenwirtschaft ist vergleichbar gering.

    Jetzt nachdem die EURO-Verzocker mittels ihrer und der griechischen Banken ihre Verluste zurückerhalten haben, ist der griechische Bürger verschuldet. Sein Einkommen ist so weit verpfändet worden, dass er seinen Verbindlichkeiten (Wohnungskauf) nicht mehr nachkommen kann. Sobald seine Reserven (Bankguthaben) aufgebraucht sind, wird die Verelendung der Familien beginnen. Der Grieche hatte ja traditionell zu einem großen Anteil seine Alterssicherung privat übernommen (Wohneigentum, Bankguthaben, Familie, in dieser Reihenfolge).

    Es ist der EU-Binnenmarkt, der seit 20 Jahren gutbezahlte Arbeitsplätze aus dem Süden nördlich der Alpen transferiert. Seit 1993 werden gewaltige Schmiergeldquellen gezielt gegen die Süderweiterung eingesetzt. Die Südmärkte erobert man, wenn man Amtsträger auf seinen Seite bringt, mit Summen, die jenseits deren Vorstellungskraft liegt. In der Korruption ist der Süden nicht wettbewerbsfähig. Dazu gehört die steuerrechtliche Subventionierung der Auslandskorruption in D. Die Milliarden schweren staatliche Subventionen deutscher Werften. Die Veruntreuung von EU-Fördermittel für Ostdeutschland durch Westkonzerne. Die Bereitstellung zweistelliger Milliarden-Spritzen für Auslandsinvestitionen der eineimischen Industrie aus frei werdenden Mitteln der Agenda 2010… Die Liste ist lang.

    Alle diese Maßnahmen wurden vorgeblich gegen die Konkurrenz in Asien ergriffen. In Wirklichkeit hatten FUKG-Konzerne längst ihre Joint Ventures aufgebaut und die asiatischen Völker in ihr ausbeuterisches Tun integriert. Nein, die Maßnahmen zielten eindeutig gegen die EU-Süderweiterung. Mit der EURO-Einführung wurde ihnen nur noch die letzte Möglichkeit genommen ihre ständig wieder anwachsenden Schulden durch eine Abwertung zu reduzieren.
    Den Feudalherren ist der Bankrott der Süderweiterung egal. Sie haben inzwischen die Ostmärkte integriert. Diese werden ebenfalls zwei Jahrzehnte durchhalten. Vielleicht weniger. Dann wird man weitersehen.

    Ein Mikis Theodorakis hat die nötige Distanz und Übersicht, um in wenigen Worten auszudrücken, was eigentlich einer komplizierten ökonomischen und politischen Studie bedarf. Aber die Zeit für Analysen ist vorbei. Dieses Gespür zeichnet ihn aus. Denn er hat es schon zweimal erlebt, vor 70 und vor 40 Jahren. Damals war es der Faschismus. Und damals wie heute ist es das Kapital, das die Politik lenkt. Ja jetzt ist die Zeit wieder reif für Lieder, für Kundgebungen. Die parlamentarische Demokratie hat versagt. Es ist Zeit für die alte die richtige Δημοκρατία, wo das Volk zu Worte kommt. Und wenn die Αγορά zu klein ist, dann treffen wir uns im Internet und stimmen ab. Die alten Parteiführer haben ausgedient und müssen verbannt werden. Junge Führer müssen her, in jeder Partei.
    Die antiken Athener hatten dazu eine bemerkenswerte Volksabstimmung entwickelt, den οστρακισμός. Damit konnten sie gefährliche Politiker für 5 oder 10 Jahre in die Wüste schicken. (> Wikipedia)

    Nun, wer organisiert den Όστρακον-Blog? Die domain ostrakismos.eu ist noch frei.

  4. Ottfried Storz
    8. April 2013, 10:03 | #4

    @GR-Block_
    Reichlich Feindbilder, aber keine Belege hierfür.
    Du behauptest ernsthaft, die Korruption in Griechenland würde aus dem Norden kommen ?!
    Meine älteren Freunde in Griechenland sind ausnahmslos der Ansicht, dass es diese bereits genau so vor 1993 in Griechenland gab. Zudem: Was hat die Korruption von Konzernen bei Staatsaufträgen mit der sehr alltäglichen Korruption bei Verwaltung, Polizei, Finanzamt etc in Griechenland zu tun ?
    Auch die von dir erwähnte „steuerrechtliche Subventionierung der Auslandskorruption in D.“ ist bereits seit 2002 abgeschafft und zudem strafbewehrt: „Am 1. September 2002 trat eine Verschärfung des § 299 in Kraft: Seitdem sind alle Schmiergeldzahlungen deutscher Firmen an ausländische Geschäftspartner strafbar – und damit steuerlich nicht mehr absetzbar.“ (Zitat Wikipedia zu „Bestechung“)

  5. GR-Block
    8. April 2013, 19:21 | #5

    @Ottfried Storz
    „Reichlich Feindbilder, aber keine Belege hierfür.“ Aber, aber seit wann brauchen wir in D Belege für Rassenhetze. Der Feind steht u.a. in der deutschen Privatwirtschaft. Es ist nur das Volk, das sich nicht entscheiden will, ob es zu den Siegern oder zu den Gerechten gehört.

    „Du behauptest ernsthaft, die Korruption in Griechenland würde aus dem Norden kommen ?!“
    Nein natürlich nicht. Ich plappere nur Erkenntnisse der OECD nach, die schon seit dreißig-viezig Jahren gewaltige Anstrengung unternehmt, um die Korruptionsquellen aus den europäischen Großmächten in den Griff zu bekommen. Vorreiter waren hier übrigens die Amerikaner und Schlusslicht D. Damals gab es eine Welle von Korruptionsprozessen gegen deutsche firmen in den USA.

    „Meine älteren Freunde in Griechenland sind ausnahmslos der Ansicht, dass es diese bereits genau so vor 1993 in Griechenland gab.“
    Solche Aussagen sind sehr allgemein. Die Geschäftswelt in allen Länder funktioniert ähnlich GR ist keine Ausnahme nur die Summen sind entsprechend der Wirtschaftsleistung geringer.

    „Zudem: Was hat die Korruption von Konzernen bei Staatsaufträgen mit der sehr alltäglichen Korruption bei Verwaltung, Polizei, Finanzamt etc in Griechenland zu tun ?“
    Natürlich nichts. Allerdings hat interne Kleinkorruption auch nichts mit der Schädigung der Wirtschaft zu tun, Beispiel D. Denn nur Korruption, die massive Geldströme außer Landes führt, schädigt die nationale Wirtschaft.

    „Auch die von dir erwähnte “steuerrechtliche Subventionierung der Auslandskorruption in D.” ist bereits seit 2002 abgeschafft und zudem strafbewehrt: “Am 1. September 2002 trat eine Verschärfung des § 299 in Kraft: Seitdem sind alle Schmiergeldzahlungen deutscher Firmen an ausländische Geschäftspartner strafbar – und damit steuerlich nicht mehr absetzbar. (Zitat Wikipedia zu “Bestechung”)“
    Das war ein wichtiger Schritt zur Bekämpfung der europäischen Korruption. Es dauerte allerdings noch eine paar Jahre bis sich die Praxis wirklich änderte. Da die Staatsanwaltschaften per Gesetz keine Akteneinsicht mehr in die Steuererklärungen erhielten und das Finanzamt bei „nützlichen Aufwendungen“ (N.A. = Schmiergeldzahlungen) an ausländische Empfänger keine namentliche Nennung verlangte, war die strafrechtliche Verfolgung nicht das Papier wert. Eine ander Folge war die Einrichtung eines mafiösen Netzwerkes auf dem Planeten zur Verteilung von Schmiergeldern, ohne direkt den zu schmierenden Amtsträger anzusprechen. (Ich entschuldige mich abermals ausdrücklich bei der sizilianischen Mafia für den unpassenden Vergleich). Es wurden stattdessen Mittelsmänner dazwischengeschaltet, sodass das Gesetz nicht greifen konnte. „Nützliche Ausgaben“ an einen Vermittler sind absetzbar. Wodurch der dann den Deal einfädelt, ist egal, da er ja im Ausland ist. Seit dem geht von deutschem Boden keine Korruption mehr aus. Womit juristisch bewiesen ist, dass nur Ausländer korrupt sind.

  6. Wolfgang Albrecht, Wandlitz und Slubice.
    26. Januar 2015, 08:37 | #6

    Drei Jahre nach diesem Offenen Brief von Mikis Theodorakis ist das Interesse an Griechenland weltweit gewachsen. Und die Verfälschung der Wahrheit grassiert in allen auch sogenannten seriösen Medien. Von „faulen Griechen“ ist die Rede und von „betrügerisch erschlichener Teilhabe“ am Euro. Den ganzen Brief zu lesen empfehle ich jedem, der auch eine andere Sichtweise bereit ist zu prüfen.

  7. Leser
    1. Februar 2015, 02:23 | #7

    Banker, Politiker und globale Investoren jonglieren mit einer Geldmaschine, die an Wert das 50-Fache der Realwirtschaft übersteigt. Diese gierige Finanzblase saugt sich immer schneller voll, unten wird das Geld immer weniger und die Straßen werden immer voller mit Geschädigten. Wenn die Politiker nicht bald anfangen, ihre Arbeit zu machen und sich weiter mit Herrn Draghi die Taschen voll stecken … ist Griechenland nur eine verpasste Chance, eine Peanuts-Sanierung im Vergleich zum Sanierungsvolumen der Banken.

  8. Andreas Kahl
    19. Februar 2015, 21:24 | #8

    Vielen Dank für Ihre Worte Herr Theodorakis! Als deutscher Bürger kann ich nur sagen, dass es mir alles alles wirklich leid tut, was diese deutsche Regierung in Brüssel anstellt. Es ist wirklich erschreckend, mit was für eine Arroganz Deutschland auf der internationalen Bühne auftritt. Ich möchte mich von Herzen dafür entschuldigen. Dies ist nicht mein Land.

  9. Orhan Aydurmuş
    20. Februar 2015, 18:14 | #9

    Ich bin der Meinung, Griechen haben schon lange die Schulden bezahlt. Die sollen nicht mehr bezahlen. Die angebliche Hilfe von der EU war nicht an Griechen, sondern an eigene Banken ausgezahlt. Das heisst, Europa hilft nicht den Griechen, sondern verlängert die Termine und bezahlt Zinsen an eigene Banken! Aus diesem Grund bin ich dafür, das Die Griechen die Banken nicht mehr bezahlen. Es gibt deutsche Idioten meinen, dass wir mit Unsere Steuer die Griechen bzw. Banken bezahlen müssen; Aber warum? Als die Banken von Griechen 21% Zinsen kassierten, haben sie uns Gewinnbeteiligung zukommen lassen? Wenn wir am Gewinn nicht beteiligt waren, wieso sollen wir uns am Verlust beteiligen? (Es ist auch kein echter Verlust, sondern Zins von Zinsen) Ich bin dafür die Schulden abschreiben, die Banken haben schon mehrfach verdient!

Kommentar Seiten
1 2 3 4 6730
Kommentare sind geschlossen