Deutschlands Korruptions-Exporte nach Griechenland

22. Februar 2012 / Aktualisiert: 30. Juni 2013 / Aufrufe: 11.667
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Deutschland wird angelastet, nicht nur maßgeblich zur Entstehung der Griechenland-Krise beigetragen, sondern auch Korruption nach Hellas exportiert zu haben.

In einem aktuellen Artikel der englischen Zeitung „The Independent“ wird unverblümt herausgestrichen, dass Deutschland und Frankreich die Griechenland-Krise wenn nicht schon allein, so doch infolge des kontinuierlich auf Athen ausgeübten Drucks, zu völlig unangemessenen Rüstungskäufen zu schreiten, zumindest maßgeblich provoziert und zu verantworten haben. „Fast während des gesamten letzten Jahrzehnts zählte Griechenland – mit einer Bevölkerung von gerade einmal 11 Millionen Menschen – zu den fünf größten Rüstungsimporteuren der Welt. Die meisten der völlig überteuerten und U-Boote, Panzer und Kampfflugzeuge einschließenden Waffensysteme wurden in Deutschland, Frankreich und den USA hergestellt.

Weniger Beachtung fand dagegen bisher die Tatsache, dass speziell deutsche Unternehmen parallel auch Korruption nach Griechenland „exportierten“, um nicht nur im Rüstungsgeschäft, aber auch auf anderen Bereichen des öffentlichen Sektors die Konkurrenz „auszustechen“ und sich lukrative Aufträge zu teilweise geradezu unverschämten Konditionen an Land zu ziehen. Der Journalist Jorgos Papasotiriou zog in einem neulich in der Zeitung „Vradyni“ publizierten Artikel (s)ein Resümee, das nachstehend in deutscher Übersetzung wiedergegeben wird.

Omerta …

Diejenigen, die heute Griechenland wegen seiner überdimensionalen Verschuldung tadeln, haben in den Spiegel zu schauen. Weil die Korruption nicht nur das Element irgend eines atavistischen Verhaltens der Griechen, sondern auch von dem deutschen Industrie- und Bankenkomplex importiert ist.

Die ungeheure griechische Verschuldung geht sogar mit der deutschen Korruption einher. Dies ist die Schlussfolgerung eines Artikels, der auf AgoraVox publiziert wurde. Natürlich existieren in Griechenland auch die Steuerkorruption und die traditionelle Mentalität sowie das System der Kundenbeziehungen, was jedoch nicht zu erklären ausreicht, wie wir hier anlangten.

Alles begann also in der Epoche der Explosion der Börsenblase unter der Regierungsführung des germanophilen K. Simitis. Damals begann die Kooperation mit Deutschland, anfänglich mit dem Kauf der Patriot-Raketen (Vertragsabschluss 1999 – 2000). Damals wurden die ersten uns bekannten Schmiergelder (10 Millionen Euro) von Herrn Siekaczek gezahlt. Zwischen 2000 – 2002 haben wir die Vereinbarung mit der Kraftfahrzeugindustrie MAN über den Kauf von Militärbussen, O-Bussen u. a., die – ebenfalls – Gegenstand einer gerichtlichen Untersuchung wurde.

Das „große Fressen“ fand jedoch in den Jahren 2000 – 2004 statt, also bei der Vorbereitung der Olympischen Spiele. Der anfängliche Etat der Spiele belief sich auf 1,3 Mrd. Dollar, erreichte jedoch im weiteren Verlauf – auch wegen der Verzögerungen der Regierung Simitis – 14,2 Mrd. Dollar und überstieg mit den Schmiergeldern 20 Mrd. Dollar. Deutschland ist in die Spiele mit Siemens und dem berüchtigten Sicherheitssystem C4i involviert, das übrigens niemals in Betrieb genommen wurde (die Schmiergelder beliefen sich damals auf 10 Mio. Euro).

2004 gab es weitere 100 Millionen Schmiergeld – wieder von Siemens – für die Digitalisierung der OTE. Bezüglich der U-Bahn sind ebenfalls Siemens und Ferrostaal verwickelt, wobei sich die Schmiergelder auf 50 Millionen Euro belaufen. 2007 findet der große Skandal mit den 4 deutschen U-Booten U-214 statt, die 5 Mrd. Euro (nebst 120 Mio. für Schmiergelder) kosteten und unbrauchbar sind, da sie nach links neigen!

Weitere deutsche Schmiergelder, also importierte Korruption aus dem Land der äußerst strengen Herren Schäuble und Rösler und der Frau Merkel haben wir für das Eisenbahnmaterial der OSE, das Telekommunikationssystem „Hermes“ des griechischen Militärs (wieder Siemens), die Ausstattung in den Krankenhäusern, den Flughafen „El. Venizelos“, aber auch die Attika-Straße. Wenn wir auch das andere Pharaonen-Projekt, nämlich die Egnatia-Straße mit den 1.650 Brücken und den 76 Tunneln von 100 Kilometern hinzurechnen, ist völlig offensichtlich, dass Griechenland den Aufschwung der europäischen Länder und allen voran Deutschlands finanzierte, unter Mitschuld der etablierten griechischen wirtschaftlichen und politischen Klasse.

Deutschland und konkret der Finanz- und Industriekomplex exportierte Korruption außer nach Griechenland auch nach Taiwan, Pakistan und in andere Länder. Warum wendet es sich jedoch nun wohl mit so viel Dreistigkeit gegen unser Land? Weil laut AgoraVox alle Korruptionshandlungen Deutschlands in Europa von einer Omerta gedeckt werden, die Griechenland mit dem Siemens-Fall brach. Das war das Verbrechen der Griechen! Es ist kein Zufall, dass Deutschland – um genau zu sein, die deutsche Justiz – niemals den damaligen Leiter der Siemens in Griechenland, sprich Michalis Christoforakos auslieferte!

Quellen: in.gr, The Independent, Vradyni)

  1. Zorba The Punk
    23. Februar 2012, 16:07 | #1

    Wenn ich mehrere Milliarden zur Verfügung habe, um zu schmieren, bin ich auf jeden Fall eine wesentlich fettere asoziale Ratte als all die kleinen Schweinchen, die die Hand aufmachen.

  2. V99 %
    23. Februar 2012, 16:08 | #2

    @ Christina
    Was meinst du mit den “Systempolitikern”?
    Ich hatte alle drei Beiträge gelesen. Anscheinend sind alle abgeschrieben. Das Thema SIEMENS, auf dem staendig verschwoerungstheoretisch herumgeritten wird, wurde in D hauptsaechlich in der sueddeutsche.de behandelt. Da stammt das Zitat wohl auch her:
    http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/korruption-bei-siemens-orangen-aus-griechenland-1.174753-2
    Keine Ahnung was genau damit gesagt werden soll. Vielleicht wollte man (la haine nazie) darauf hinweisen, dass auch die DDR Korruption „exportiert“ hat. Der kann man halt keine Hakenkreuzfahne mehr aufkleben, oder die Fahne verbrennen:-D
    Wenn ich nach DDR und SIEMENS suche finde ich interessante Sachen, die ich auch noch nicht wusste, Stichwort „Mister K.“:
    http://www.capital.de/unternehmen/100014676.html
    Wenn das keine Realsatire ist..
    Hier kann ich auch kein SIEMENS finden:
    http://www.uni-muenster.de/PeaCon/conspiracy/taz-21c-theories.htm
    Platz 22. kann damit noch belegt werden 😀

  3. Christina
    23. Februar 2012, 19:49 | #3

    @ V99 %
    Ich bin von Anfang an über die Namensgebung gestolpert. „La haine nazie“ ist im Deutschen nämlich doppeldeutig. Es kann durchaus Hass auf Nazis, aber auch Hass von Nazis bedeuten, da haben Sprachen so ihre Eigenarten. Der Verweis auf AgoraVox (ich habe mir die Seite mal etwas gründlicher angeguckt und darin ein bisschen herumgelesen) hat eher die letztere Deutung nahegelegt, zumal sich der Mensch ja offenbar nicht aus der Deckung wagen mochte: braune Soße also, wie Du richtig erkannt hast. Und ich fange an zu knurren, wenn mir deren Duft auch nur in die Nase steigt.
    Mit Deinem Verweis auf die Quelle in der Süddeutschen hast Du Recht, auch hier haben wir es mit einem Plagiat zu tun. Die Süddeutsche selber ist natürlich völlig unverdächtig. Aber das Zitat ist so geschickt aus dem Zusammenhang gerissen, dass es perfekt in das Weltbild der braunen Mischpoke passt.
    Die bezeichnen nämlich sämtliche im Bundestag vertretenen Parteien von CSU bis Die Linke als Systempolitiker, zu denen es als Alternative nur die „nationale Kraft“ gibt, die mit denen mal ordentlich aufräumt. Und was das bedeuten soll, das wissen wir als Deutsche natürlich viel zu gut. Jetzt klar?
    Gruß
    Christina

  4. P.Zwegat
    24. Februar 2012, 14:58 | #4

    @ Zorba the Punk
    Det is der jröste Brüller den ick sait langem jelesn hab. Haste noch mehr davon?

  5. enttaeuscht
    24. Februar 2012, 22:22 | #5

    Liebe Leute,
    ich verstehe die Aufregung und die Hetze nicht. Das System der westlichen Welt heißt doch Kapitalismus = Geld, Gewinn, Profit um jeden Preis. Steht in diesem System etwa der Mensch im Vordergrund? Ist unsere Gesellschaft menschenzentriert? Das ist das Problem, meiner Meinung nach. Wie sieht z. B. der Zugang der Industrieländer zu den Rohstofen und Energiequellen aus und wieviel bezahlen sie für die Rohstofe? Wenn manche über die Weltherrscher allgemein reden, habe ich den Eindruck, dass sie nicht verstehen, was sie damit meinen. Wie kann ich ansonsten die Aufregung in Bezug auf Siemens erklären? Als ob Siemens mit dem dt. Volk identisch sei. Nein, sie steht dem dt. Volk gegenüber. Man redet über Weltherrscher und lässt Ackermann und seine Deutsche Bank (eine private Bank), Siemens usw. außen vor. Was für eine Rolle spielen Siemens und die Deutsche Bank im Weltgeschehen? Eine gute Rolle? Das System des Kapitalismus ist an sich korrupt, und damit meine ich wohl nicht, dass das System der ehemaligen Ostblockländer richtig ist. Es hat sich auch als falsch bewiesen.

  6. enttaeuscht
    24. Februar 2012, 23:23 | #6

    Markus
    Ah! die armen Preussen, sie haben ja keine Kriege gefuehrt und hatten auch keine Kolonien, es sei denn es ist moralisch und gut andere Laender zu erobern und klar, sie wollten gar nichts von den erobnerten Laendern, sie haben nur so Kriege gefuehrt, genauso wie die heutige westliche Welt gar nichts von Lybien wollte, man wollte ja nur einen Diktator ermorden.

  7. Zorba The Punk
    26. Februar 2012, 01:38 | #7

    @enttaeuscht
    Tja, diese Menschen sind offensichtlich Systemmenschen, denn ihnen ist es egal, daß 2 Millionen Kongolesen ermordet wurden, nur, damit sie mobil telefonieren können. Ihnen ist es auch egal, daß die BRD im 3. Golfkrieg nicht mit gemacht hat, weil „ihr“ Öl aus Norwegen und Libyen kam und eigentlich sind sie auch gar nicht wirklich gegen die Banken, weil die ihnen Kredite geben, um Autos zu kaufen. In diesem System sind eigentlich nur die interessant, die sich auf die Seite des Weltproletariats stellen oder die, die gar kein Geld für Handies, Internet und Autos haben oder die diesen ganzen destruktiven Mist boykottieren.

  8. Ohje
    28. Februar 2012, 20:23 | #8

    „Man hat das gute deutsch-griechische Verhältnis, was man aufgebaut hatte, total zerstört und das ist von beiden Seiten passiert!“

    einige deutsche politker/innen haben sich bewusst und teilweise unbewusst dumm, respektlos und bösartig verhalten. aus parteitaktischen gründen. weil sie von ihrer überforderung mit den eu problemen ablenken wollten. weil sie deutschland in den mittelpunkt europas und am besten der welt stellen wollten und vieles mehr. immer schön bei der wahrheit bleiben.

    „So ein Blödsinn! In Griechenland herrschte die Korruption lange bevor Deutsche Konzerne ins Land kamen.“

    korruption gibt es seit es menschen gibt.. in griechenland, deutschland und in jedem anderen land.

    „Wenn das nicht sein darf, dann müssen wir den Traum vom gemeinsamen Europa fallen lassen und jeder kehrt dahin zurück wo wir waren; “

    europa ist ein alptraum für die mehrheit und ein paradies für deutschland. wachen wir auf.

    „Und was die Schulden Griechenlands betrifft, die vielleicht mit deutschen Steuergelder bezahlt werden müssen“

    fakt ist, dass deutschland an griechenlands schulden verdient und zwar nicht zu wenig. warum wird immer wider das gegenteil behauptet….?
    die restlichen kommentare spare ich mir.

  9. Ottfried Storz
    29. Februar 2012, 17:10 | #9

    @Ohje:
    Zu deiner Behauptung „fakt ist, dass deutschland an griechenlands schulden verdient“.
    Es ist für Diskussionen sinnvoll, nicht nur zu behaupten, das Behauptungen „Fakten“ seien, sondern diese Behauptungen auch zu belegen.

    Der Schuldenschnitt hat Deutschland nach Handelsblatt direkt über Abschreibungen bei eigenen Bankbeteiligungen (HRE, Commerzbank, Landesbanken) und weniger Gewinnsteuern bei anderen Banken ca. 15-20 Mrd. Euro gekostet. Hinzu kommen ca. 5-6 Mrd. verringerte Steuereinnahmen, weil die Restanleihen der Banken in niedrigverzinste langlaufende Anleihen getauscht werden.
    Suksessive werden durch die Troika immer mehr Kredite übernommen, weil auslaufende Anleihen durch sie neu finanziert wird. Der Umfang hat circa. einem Jahr über 200 Mrd. Euro.
    Der Anteil Deutschlands daran beträgt nach meiner Erinnerung rd. 23-24 Prozent.
    Das Griechenland diesen Betrag jemals vollständig zurück zahlen wird, ist angesichts der miserablen Reformgeschwindigkeit und übergrossen Verwaltung auszuschließen.

  10. Christina
    29. Februar 2012, 20:06 | #10

    @Ottfried Storz
    Ich finde es wirklich schade, wenn Kommentare nur aus schnell angelesenem Halbwissen aus Mainstream-Wirtschaftsseiten besteht, ohne dass offenbar das Hintergrundwissen vorhanden ist, diese Informationen auch richtig einzuordnen.

    Wenn Dir eine Quelle nicht bekannt ist, dass Deutschland an den Schulden Griechenlands verdient, dann schau mal hier:

    http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kehrtwende-in-der-griechenlandhilfe-ezb-sagt-athen-unterstuetzung-zu-1.1285340

    Aber bitte richtig lesen und einordnen.

  11. Ottfried Storz
    29. Februar 2012, 23:36 | #11

    @Christina:
    Erst einmal handelt es sich bei den hier thematisierten seit Mai 2010 von der EZB aufgekauften Staatsanleihen „nur“ um ca. 50 bis 55 Milliarden Euro. Der Deutschlandanteil daran beträgt 18,94 Prozent, d.h. ca. 9,5-10 Mrd.
    Anfänglich betrugen die Abschläge nur 20-25 Prozent, später bis zu 50 Prozent. Im Schnitt hat die EZ ca. 65-70 Prozent bezahlt, d.h. 35 Mrd. für 50 Mrd. Anleihen. Möglicher maximaler Gewinn für Deutschland folglich 18,94 Prozent von 15 Mrd. = 2,8 Mrd. Euro.
    Ein im Verhältnis zu den aktuell ca. 15-20 Mrd. Euro plus ca. 5 Mrd. späterer Steuermindereinnahmen sehr geringer Betrag.

    Das 2,8 Mrd. sind jedoch wohl nur der maximale Gewinnanteil Deutschlands.
    Kursgewinne würden nämlich nur dann anfallen, wenn Griechenland die Anleihen auch vollständig bedienen würde, d.h. sowohl bei den Zinsen, als auch in der Anleihesumme.
    Dies jedoch ist nach gegenwärtigen Stand sehr unwahrscheinlich.

  12. miks
    1. März 2012, 08:34 | #12

    @Ottfried Storz
    mein lieber herr „storz“ ich beobachte seit einiger zeit ihre kommentare.mal sind sie „pro griechisch“ und mal nicht.ja was denn nun?? sie sollten sich schon entscheiden!

  13. Christina
    1. März 2012, 17:51 | #13

    @Ottfried Storz

    Gut, mit dem Lesen klappt’s, mit dem Einordnen leider nicht.

    Du argumentierst vorwiegend ökonomisch und fährst Argumente aus Wirtschaftsseiten auf, von denen ich den Eindruck habe, dass sie zusammengesammelt sind, ohne wirklich verstanden und eingeordnet worden zu sein. Du bedienst Dich aus (meist) ungenannten Quellen, fragst aber andere nach Quellen, wenn Dir das Argument fragwürdig erscheint und nicht in Deinen Argumentationszusammenhang passt (s.o.). Ich war zwar nicht die Autorin des Kommentars, auf den Du Dich bezogen hast, aber eine mögliche Quelle habe ich Dir meinerseits gerne nachgereicht (s.o.) Sollte Dich eigentlich nur zum Weiterdenken anregen.

    Zu wissenschaftlichen Quellennennungen gehören die Angaben von Autor, Titel, Erscheinungsort und –datum, im Online-Bereich reicht gegebenenfalls ein direkter Link, dann kann ich das selber nachlesen. So nennst Du oben zum Beispiel als Deine Quelle das Handelsblatt ohne jede weitere Angabe. Meinst Du die Print- oder die Onlineausgabe, und wo kann ich dort Deine Angaben unter welcher Datumsangabe nachlesen, ohne mich unter tausenden Möglichkeiten totlesen zu müssen? So eine Arbeitsweise nenne ich mal ganz vorsichtig scheinwissenschaftlich, denn so sind Deine Behauptungen nicht überprüfbar.

    Wärst Du bitte mal so freundlich, und würdest mir die genaue Quelle nachreichen? Und die Quellen zu den anderen Zahlen bitte auch, sofern sie nicht am eigenen Taschenrechner zustande gekommen sind? Dass die Deutsche Bundesbank einen Anteil von 18,94 % an der EZB hat, musst Du mir dabei nicht erklären.

    Danke.

  14. Ottfried Storz
    1. März 2012, 20:14 | #14

    @Christiane:
    In dem Artikel ihres eigenen Links wurden sowohl die 50-55 Mrd. Euro, als auch die 10 – 15 Mrd. aktueller Buchgewinne erwähnt. Da Deutschland 18,94 % Anteil an der EZB hat (Quelle: EZB – oder einfach bei Wikipedia nachlesen), dürfte der maximale Gewinne 18,94 % x 10 –15 Mrd, d.h. 1,894 bis 2,841 Mrd. betragen.

    Dies jedoch nur – und so steht es auch im Artikel – wenn die Zinszahlungen und die Anleihen komplett bedient würden. Das jedoch ist sehr unwahrscheinlich.

    Zu den partiellen deutschen Kosten des Schuldenschnitts alleine für die 100% Staatsfirma FMS (früher HRE) in Höhe von 6-8 Mrd. nur diese Quelle: http://goo.gl/B8T50

    Der erwähnte Handelsblatt-Artikel ist leider online nicht auffindbar, es werden auch nicht alle Artikel online gestellt.
    Es ist jedoch offensichtlich, das hier sehr unwahrscheinliche maximale Gewinne aus EZB-Anleihe in Höhe von rd. 1,9 – 2,8 Mrd. Euro vielfach (!!!) höheren Kosten aus Abschreibungen und Steuermindereinnahmen gegenüber stehen.

  15. Christina
    1. März 2012, 22:13 | #15

    @ Ottfried Storz

    Na gut, da meine Denkanstöße offenbar nicht hinreichen, um einen Denkprozess auszulösen, versuche ich es noch einmal anders.

    Dabei stütze ich mich erstens auf eine Grafik zur Zusammensetzung der Gläubiger des griechischen Staates aus dem Spiegel, zu finden hier: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/bild-813828-301692.html, und zweitens auf den Wikipedia-Artikel zur griechischen Finanzkrise samt aller dort enthaltenen Einzelnachweise, zu finden hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Griechische_Finanzkrise

    Laut Grafik haben die Euroländer Griechenland Kredite über 53 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. Davon trägt die Deutsche Bundesbank 28 Prozent, also 14,84 Mrd. €. Griechenland zahlt für diese Kredite rund fünf Prozent Zinsen pro Jahr. Deutschland hat diese Kredite aber zu sehr viel günstigeren Konditionen aufgenommen und zahlt dafür – nichts Genaues weiß man nicht, weil sich diese Kredite aus verschiedenen Tranchen zusammensetzen – keinesfalls mehr als zwei Prozent. Und wie nennst Du nun die Differenz, Herr Storz? Bei mir heißt so etwas Zinsgewinn, denn Griechenland bedient diese Hilfskredite und wird sie auch weiterhin bedienen bis ans Ende ihrer Laufzeit.

    Die EZB hält laut Grafik derzeit griechische Staatsanleihen im Nominalwert von 55 Mrd. Euro, die sie zu einem Wert weit unterhalb des Nominalwertes erworben hat. Wikipedia zitiert die FAZ mit einem durchschnittlichen Einkaufskurs von 70 Prozent.
    Nicht vergessen: Auch auf diese Schuldentitel zahlt Griechenland brav seine Zinsen, die in die Kassen der EZB fließen. Gleichzeitig steigt jetzt auch der Buchwert dieser Schuldentitel. (Nur davon handelt der SZ-Artikel, den Du aber nur dazu hergenommen hast, um Deinen Taschenrechner in Gang zu setzen und Äpfel mit Birnen zu vergleichen, aber dazu später. War ein Testballon, um mehr über Deine Argumentation herauszufinden.)

    Die EZB hat also für das Paket der griechischen Staatsanleihen im Nominalwert von 55 Mrd. € 38,5 Mrd. € eingesetzt, wird dafür am Ende der Laufzeiten aber wieder 55 Milliarden erhalten, neben den Zinsgewinnen also ein zusätzlicher Gewinn von 16,5 Mrd. €. Gemäß ihrem Anteil an der EZB entfällt auf die Bundesbank ein Gewinn von 3,12 Mrd. € zuzüglich der Zinsgewinne. Wie möchtest Du das nennen, Herr Storz? Hast Du Dich schon einmal gefragt, warum die EZB aus dem Schuldenschnitt herausgenommen wird, oder liest Du nur?

    Kommen wir zum dritten Sektor der Grafik, den Beteiligungen von Geschäftsbanken und anderen. Denen scheinen ja Deine eigentlichen „Krokodilstränen“ zu gelten, allerdings nur den deutschen. Merkwürdig.

    Der Anteil deutscher Anteilshalter ist meines Wissens nicht genau bekannt. Hast Du bessere Zahlen? Mit Quellangabe?

    Gut, mit 205 Mrd. € hängen also Geschäftsbanken und andere private Investoren drin. Auch die haben bislang fleißig Zinsen kassiert. Nun sollen sie sich am Schuldenschnitt beteiligen. Ich spar mir jetzt mal das Nachrechnen, wie hoch die realen Verluste wirklich sind, das geht nämlich von außen gar nicht. Dazu müsste man einen Blick in jede einzelne Bilanz werfen. Die privaten Anleger haben bis heute die Zinsen kassiert, und im Unterschied zur EZB ihre Buchwerte für die Anleihen Stück für Stück abschreiben müssen. Geht zum Beispiel aus den Presseverlautbarungen Deiner offenbar heiß geliebten Commerzbank hervor, die in 2011 2,1 Mrd. € abgeschrieben hat und für den gleichen Jahresraum einen Gewinn von 638 Mio. € ausweist. (Quelle: Commerzbank) Soll ich jetzt Deine „Krokodiltränen“ weinen, weil es nicht 2,738 Mio. waren?

    Wie groß die Verluste wirklich sind, kann ich nur ermitteln, wenn ich die Zinsgewinne mit den Abschreibungen verrechne. Das warten wir doch mal ab, bis der Schuldenschnitt tatsächlich vollzogen ist.

    Und jetzt wird es ja ganz interessant. Du sagst, und jetzt kürze ich ab, weil Deine letzte Antwort mir dazwischen gekommen ist, dass Deutschland fünf bis sechs Mrd. € Steuereinnahmen entgehen. Auf was? Entgangene Gewinnerwartungen auf längst abgeschriebene Anleihen? Auf Spekulationen?

    Interessant. Laut Deinem letzten Kommentar ist die Quelle beim Handelsblatt unauffindbar, und Du antwortest auch nicht auf die Frage nach Deinen anderen Zahlenquellen.

    Willst Du mich für dumm verkaufen? Wird Dir schwer fallen.

    Ich heiße übrigens Christina und nicht Christiane. Und Dich werde ich in Zukunft wieder siezen.

  16. Christina
    1. März 2012, 23:26 | #16

    @ miks

    Gute Frage und gut beobachtet.
    Bin gespannt, ob er darauf noch antwortet. Glaube ich aber nicht, da er zuerst auf meinen Versuch reagiert hat, mal seine merkwürdigen Argumentationen auszuhebeln, obwohl der zeitlich viel später kam. Seine Antworten fand ich sehr aufschlussreich.
    Ich habe eher Eindruck, dass wir es hier mit bezahlter Nebelkerzenwerferei zu tun haben.

  17. Ottfried Storz
    2. März 2012, 00:06 | #17

    @Christina:
    Möglicherweise ist es ihnen nicht bewußt: Ihr Ton ist unangemessen arrogant.
    Ich habe durch Studium und täglich im Beruf jahrzehntelang ausreichend meine volkswirtschaftlichen Kenntnisse belegt.

    Einige ihrer Basisannahmen und Zahlen sind grob falsch.

    Sie behaupten: „Griechenland zahlt für diese Kredite rund fünf Prozent Zinsen pro Jahr.“

    Die Zinshöhe des ersten Rettungspaketes betrug jedoch 3,5 %.
    Dieser Zinssatz wurde zudem mit dem zweiten Rettungspaket auf nur noch 2 % gesenkt. Dieser extrem niedrige Zinssatz gilt auch für das aktuelle große 130 Mrd. Kreditpaket.
    Damit fällt der Vorwurf eines Zinsdifferenzgewinns für Deutschland weg, weil Deutschland im langjährigen Mittel mehr als diese 2% zahlt.

    Teil des Rettungspaketes war jedoch auch die Einigung, das die EZB mögliche Gewinne aus aufgekauften Anleihen Griechenland zukommen lassen wird.
    Quelle: EZB (dort leider nur in Englisch) oder
    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/fragen-antworten-die-griechenland-hilfe-im-ueberblick-11657677.html

    Zu den Kosten des Schuldenschnitts für Deutschland habe ich bereits erwähnt, dass alleine für die 100% Staatsfirma FMS (früher HRE) Kosten von 6-8 Mrd. anfallen, Quelle siehe http://goo.gl/B8T50
    Weitere fast zweistellige Milliardenbeträge fallen bei Landesbanken und Bankbeteiligungen (z.B. 25% an Commerzbank) an.
    Zusätzlich ca. 5 Mrd. Gewinnausfälle über 30 Jahre wegen niedriger Anleihezinsen. Die Zukunftsgewinne fallen niedriger aus, weil die bestehenden privaten Anleihen in 30jährige extrem niedrigverzinste (Anfangszinssatz 2%) Anleihen zwangseingetauscht werden. Sie müssen mögliche Abschreibungen auf Anleihen auf der einen und Anleihezinseinnahmen auf der anderen Seite bei ihrer Kalkulation trennen.

  18. Christina
    2. März 2012, 03:21 | #18

    Wenn die Herren und (hoffentlich auch) Damen Moderatoren es mir gestatten, würde ich gerne noch einmal den letzten Beitrag von Herrn Storz genauer sezieren. In der Hoffnung, dass Ihr mich passieren lasst, fange ich einfach mal an.

    „In dem Artikel ihres eigenen Links wurden sowohl die 50-55 Mrd. Euro, als auch die 10 – 15 Mrd. aktueller Buchgewinne erwähnt.“

    Was ist ein „eigener“ Link? Ein Link ist ein Link und führt in diesem Fall auf einen öffentlich zugänglichen Artikel aus der SZ. Der erwähnt nicht etwa nur die griechischen Staatsanleihen bei der EZB, sondern er hat sie zum Berichtsgegenstand. Dito mit den bis heute geschätzten Buchgewinnen von 10 bis 15 Mrd. €. Es gibt durchaus auch intelligente Journalisten!

    „Da Deutschland 18,94 % Anteil an der EZB hat (Quelle: EZB – oder einfach bei Wikipedia nachlesen), dürfte der maximale Gewinne 18,94 % x 10 –15 Mrd, d.h. 1,894 bis 2,841 Mrd. betragen.“

    Schinden Sie Zeilen Herr Storz oder rudern Sie aus Verlegenheit? Ich hatte Ihnen schon vorher gesagt, dass mir der Anteil der Bundesbank an der EZB durchaus bekannt ist. Wenn ausgerechnet hier eine Quellennennung erfolgt, bin ich schon sehr verwundert und muss nun doch noch einmal Ihre Lesefähigkeit in Frage stellen. Ihre Rechnung ist mathematisch korrekt, beruht aber angenommenen Ausgangsdaten.

    „Dies jedoch nur – und so steht es auch im Artikel – wenn die Zinszahlungen und die Anleihen komplett bedient würden. Das jedoch ist sehr unwahrscheinlich.“

    Warum sollte das unwahrscheinlich sein? Im Artikel steht das so nicht. Dort steht nur, dass der Buchgewinn nur realisierbar ist, wenn die EZB die Anleihen verkauft oder wenn sie fällig werden. Warum sollte die EZB diese Anleihen verkaufen? Wenn sie sie bis zum Ablauf der Laufzeit hält, realisiert sie einen Gewinn von 16,5 Mrd. €, wovon 3,12 Mrd. € auf die Deutsche Bundesbank entfallen (zuzüglich Zinsgewinnen, s.o.).

    „Zu den partiellen deutschen Kosten des Schuldenschnitts alleine für die 100% Staatsfirma FMS (früher HRE) in Höhe von 6-8 Mrd. nur diese Quelle: http://goo.gl/B8T50

    Heijeijei, jetzt wird’s abenteuerlich. Wenn das „partielle Kosten“ sein sollen, welche gibt es dann noch? Ihre Quelle ist der Focus, den ich noch nie als besonders belastenswerte Quelle in Sachen Wirtschaftsnachrichten erlebt habe. Da bediene ich mich durchaus lieber bei der FAZ. Ist das Ihr „eigener“ Link? Und ich gestatte mir das Vergnügen, diesen Artikel jetzt schon gar nicht mehr genau lesen zu wollen. Wenn ich was verpasst habe, können Sie ja gerne argumentieren, Herr Storz. Allein die Tatsache, dass die ehemalige HRE ihre Abschreibungskosten auf so ungefähre 6 bis 8 Mrd. beziffert, stärkt höchstens mein Misstrauen in die Rechnungskünste der HRE. Und mein Misstrauen in die Belastbarkeit Ihrer Quellen.

    „Der erwähnte Handelsblatt-Artikel ist leider online nicht auffindbar, es werden auch nicht alle Artikel online gestellt.“

    Ah so, darf ich den Schluss daraus ziehen, dass Sie sich offenbar offline des Handelsblatts bedienen, aber nicht in der Lage sind, mir zu sagen, wann Sie wo was gelesen haben? Beste Voraussetzungen für eine belastbare Quelle!

    „Es ist jedoch offensichtlich, das hier sehr unwahrscheinliche maximale Gewinne aus EZB-Anleihe in Höhe von rd. 1,9 – 2,8 Mrd. Euro vielfach (!!!) höheren Kosten aus Abschreibungen und Steuermindereinnahmen gegenüber stehen.“

    Was bitte ist hier offensichtlich?
    Ich habe nur noch eine letzte Frage: Für wen strampeln Sie hier eigentlich so offensichtlich, Herr Storz?

  19. Christina
    2. März 2012, 18:25 | #19

    @ Ottfried Storz

    Mag sein, dass mein Ton Ihnen unangemessen arrogant erscheint. Ich habe nämlich ausgesprochene Probleme mit Ihrer Weltsicht, die mir als unangemessen inhuman erscheint. Eine Weltsicht, in der es „arme“ Banken, aber keine armen Menschen gibt, in der Gewinnausfälle und entgangene Steuereinnahmen offenbar wichtiger sind als ein Menschenleben in Würde, ist mir nämlich ausgesprochen fremd. Sie sind Volkswirtschaftler und offenbar außerstande, Ihre fachliche Perspektive zu verlassen.

    Statt Wirtschaftszahlen zusammenzutragen, sollten Sie zwischendurch vielleicht auch die eine oder andere Sozialreportage lesen, wie sich dieses „aus Geld noch mehr Geld Machen“ auf andere Menschen auswirkt, die in diesem Umverteilungsprozess die Zeche zu zahlen haben. Diese Reportage beispielsweise aus der SZ http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/griechenland-im-freien-fall-1.1288560, die Ihnen davon berichtet, wie das Alltagsleben normaler Menschen in Griechenland heute aussieht. Und dann fragen Sie sich bitte mal, wie das wohl alles zusammenhängt.

    Die Finanzwirtschaft frisst die Realwirtschaft. Zehntausende kleine und mittlere Betriebe sind bereits insolvent gegangen oder werden noch insolvent gehen, Menschen verlieren ihre Lebensgrundlagen, ohne dass es ein tragfähiges soziales Netz gibt. Das konnten Sie auch alles schon in diesem Blog nachlesen. Regt sich da in Ihnen gar nichts?

    Noch mal zu ihren inhaltlichen Einwänden. Sie werfen wirklich Nebelkerzen. An meinen Zahlen ist nichts „grob falsch“. Die habe ich mir übrigens auch nicht aus den Fingern gesaugt, sondern die rund fünf Prozent stammen aus Wikipedia und fußen auf einem Einzelnachweis im Manager-Magazin. Zudem bestätigt die von Ihnen aufgeführte FAZ-Quelle diese Angabe, denn bis zum Juli 2011 hat demnach ein Zinssatz von 4,5 Prozent gegolten, der erst mit der Auszahlung der fünften Tranche geändert wurde. Schön, wenn der seitdem schrittweise auf zwei Prozent gesenkt wurde, nur kann Deutschland mittlerweile sogar Geld zu Negativzinsen aufnehmen. Ich sehe mich dadurch nicht veranlasst, etwas an meiner grundsätzlichen Argumentation zu ändern. Ein Normalbürger bekommt übrigens gerade einmal ein Prozent Zinsen auf sein Sparbüchlein.

    Was mit den Buchgewinnen der EZB geschieht, steht meines Wissens noch gar nicht fest. Es bleibt den Nationalbanken überlassen, ob sie ihren Gewinnanteil an Griechenland weiterreichen. Und meines Wissens setzt sich Herr Weidmann noch dagegen zur Wehr.

    Auch was die Abschreibungen angeht, bleibe ich dabei: Die meisten Banken haben ihre Verluste aus den griechischen Staatsanleihen bereits weitgehend abgeschrieben und werden den Schuldenschnitt überstehen. Sehen Sie mal hier: http://www.tagblatt.de/Home/nachrichten/wirtschaft_artikel,-Experten-sehen-weiteren-Abschreibungsbedarf-_arid,164489.html.

    Was den speziellen Fall der HRE angeht, ist mir nicht ganz klar, ob es sich um neu notwendig werdende Abschreibung handelt. Das geht auch aus dem Focus-Artikel nicht eindeutig hervor. Jedenfalls hält sich mein Mitgefühl in engsten Grenzen, wenn Sie künftige Gewinnausfälle beklagen. Und wenn uns Steuereinnahmen fehlen, könnte man ja mal über eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes oder gar die Einführung einer Vermögenssteuer nachdenken.

  20. Ottfried Storz
    2. März 2012, 20:05 | #20

    @Christina:
    Ihr Ton ist unverändert extrem abschätzig.
    Wollen Sie so behandelt werden, wie sie hier mit Menschen anderer Meinung umgehen ?
    Wohl kaum …

    Tonfall, Länge und permanente Unterstellungen in ihren Elaborate verleiden wohl jedem, länger darauf einzugehen.
    Kernpunkt Ihrer Behauptungen „Deutschland verdient an Griechenlands Schulden“ waren insbesondere die angebliche Zinsdifferenz für die 193 Mrd. Euro (63 Mrd. Kredite 2010 und 2011, 130 Mrd. 2012 ff), EZB-Kredite Griechenlands.
    Die Zinsdifferenz zwischen dem Anleihezinssatz Deutschlands und dem Griechenland.
    Diese Zinsdifferenz gibt es jedoch seit dem letzten EZB-Rettungspaket nicht mehr.
    D.h. Griechenland muss auf Jahrzehnte lächerlich niedrige Zinsen zahlen.
    Weder bei neuen Krediten, noch bei alten – und auch nicht bei Anleihen.

    Hinzu kommen 107 Mrd. Schuldenverzicht. Übertragen auf die Einwohnerzahl Deutschland bedeutet die ca. 800 Mrd., bezogen auf das Prokopfeinkommen Griechenlands sogar über 1.400 Mrd. Euro. Also ein atemberaubend großes Geldgeschenk.

    Zum aktuellen Abschreibungsbetrag von 6-8 Mrd. alleine bei der Staatsbank FMS (früher HRE) ist alles tausendfach geschrieben. Dies erneut in Frage zu stellen, ist „sinnfrei“. Googeln Sie
    einfach „FMS Milliarden Schuldenschnitt“, dann finden Sie ausreichend Belege.

    Ansonsten passt sich die Wirtschaft Griechenlands aktuell der realen Leistungsfähigkeit an.
    Das ist sehr schmerzhaft, aber notwendig, da es so nicht weiter geht.

    Die griechische Volkswirtschaft lebte und funktionierte 30 Jahre lang durch EU-Mittel und Kredite, erschreckenderweise im steigenden Maße.
    Dabei waren die EU-Mittel für die Steigerung der Leistungsfähigkeit gedacht.
    Die Mittel flossen jedoch großteils in Konsum und wenig Werte schaffende Infrastrukturen.

    Gegenwärtig ist die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Griechenlands kastastrophal, wie alle entsprechenden Erhebungen (Weltbank, OECD, Transparency International, PISA) nachdrücklich belegen:
    In kaum einer Erhebung ist Griechenland von fast 30 Ländern nicht unter den letzten Ländern.
    Nach 30 Jahren Mißwirtschaft hilft nur noch Radikalkur.
    Sehr schmerzhaft, aber überlebensnotwendig.

  21. Christina
    6. März 2012, 23:47 | #21

    @ Ottfried Storz

    Ich habe durchaus bemerkt, wie Sie meine Datenbasis von 53 Mrd. bereits geflossener Mittel auf die Höhe von 193 Mrd. Euro erweitert haben, das noch nicht einmal in trockenen Tüchern befindliche zweite „Hilfspaket“ großzügig einbeziehend. Und ich habe durchaus bemerkt, dass Sie mich als Person zunehmend zu diskreditieren versucht haben. Andere vielleicht auch, und deshalb wollte ich es eigentlich dabei belassen. Lesen und denken muss jeder selbst.

    Aber jetzt schauen Sie mal hier:
    http://pdf.zeit.de/wirtschaft/2012-03/griechenland-deutschland-gewinn.pdf

    Eine respektable deutsche Wochenzeitung! Ich hätte da auch noch einen Nachklapp in Bezug auf Ihre angebliche Handelsblatt-Meldung über entgangene Steuereinnahmen über angeblich fünf bis sechs Milliarden Euro. Die spare ich mir noch ein bisschen auf, oder warte auf interessierte Nachfragen.

  22. Tutti Pazzi
    7. März 2012, 18:36 | #22

    Wie kann man denn jemanden ernst nehmen, der ständig Öl- und Gasfunde als Verschwörungsspinne darstellt und nicht mal in der Lage ist, dazu universitäre englischsprachige Studien zu Schlammvulkanen zu googeln?
    Selbiges gilt für das ständige Runterbeten gewisser „Tatsachen“, die bereits lange vor der Krise von Eurogegnern, die ja auch heute gerne als „Fachleute“ zitiert werden, wie z.b. Meister Sinn, lanciert wurden, wie daß Griechenland seit 30 Jahren von EU-Geldern leben würde. Als wenn es nicht genauso wie alle anderen auch eingezahlt und damit andere Länder unterstüzt hätte. Oder wie viel wird wohl die Autobahn quer durch den Norden von der Türkei bis zur Adria mit Dutzenden Tunneln und Brücken gekostet haben, wenn man sich überlegt, was schon Stuttgart21 kostet?
    Diese Sendung auf Monitor räumt so ziemlich mit der Zahlmeister Deutschland Propaganda auf.
    http://www.wdr.de/tv/monitor/sendungen/2012/0301/griechenland.php5

  23. DieterS.
    14. März 2012, 13:16 | #23

    Der Artikel ist ein klassischer Fall von
    „Wenn du mit dem Finger auf jemand anderen (als Verursacher) zeigst, zeigen gleichzeitig drei Finger auf dich selbst“.
    Der Artikel stellt im Untertitel die Behauptung auf: „Deutschland wird angelastet, nicht nur maßgeblich zur Entstehung der Griechenland-Krise beigetragen, sondern auch Korruption nach Hellas exportiert zu haben“.
    Deutschland macht über 80 Prozent seiner Aushandelsumsätze mit Ländern, die im Korruptionsindex in den Top25 stehen, d.h. kaum korrupt sind. Offensichtlich erzielen deutsche Firmen anderswo ohne Korruption große Umsätze.
    Die im Artikel genannten Fälle (1999 – 2004) liegen zudem allesamt lange zurück.

    Seitdem 2004 ist Griechenland im Korruptionsindex von Platz 49 auf 80 zurück gefallen
    (siehe http://www.transparency.de/Korruptionsindices.382.0.html)
    und die Staatsschulden haben sich mehr als verdoppelt.
    Nach Ansicht aller Experten außerhalb Griechenlands war dies fast ausschließlich ein „Verdienst“ von Griechen.

  24. iaourti iaourtaki
    14. März 2012, 15:25 | #24

    @DieterS.
    Dabei ist 1/3 deutscher Investitionen gewaschenes Mafiageld und Rohstoffe bekommt man nur in korrupten Regimes. Nicht ohne Grund nahm Deutschland nicht am 3.Golfkrieg teil, denn „sein“ Öl kam aus Libyen und Norwegen und nicht aus Irak oder Kuwait. Und das soll nicht korrupt sein?

  25. I. Denikin
    14. März 2012, 22:30 | #25

    @ iaourti iaourtaki
    Genosse, auch Mafiosi haben ihren Beitrag in der Revolution und im Proletariat geleistet.
    Sie haben es dem Genossen Honecker ermöglicht an die Spitze des Arbeiter und Bauernstaates zu gelangen. Das darfst du nicht mit der kapitalistisch faschistisch antihellenischen imperialistischen Molotowcocktail trinkenden antikonerrevolutionärenden USA freundlichen ausländerfeindlichen Staaten versklavenden Bonzen BRD in einen Topf werfen.

  26. iaourti iaourtaki
    15. März 2012, 01:52 | #26

    Mafiosi liefern höchstens billige Waffen, aber Honecker wurde nicht von der Mafia auf den Thron gehoben, sondern, weil sein Vorgänger Ulbricht alte Freunde hatte, die in Westen gemacht haben und dann auch noch im Umfeld der APO Bücher über die DDR geschrieben haben, z.b. mein Opa, weswegen ich bis zu seinem Tod DDR-Transit nicht mit Auto, sondern nur mit Flieger machen konnte, weil unsere Familie auf der Liste der Stasi war. Die Mafia, die sich z.b. Erfurt gekauft hat, kam erst nach der Wiedervereiterung.
    Nebenbei war es Honecker, der die Träterä an, durch Wahlkampfbombe Oktoberfest fast Kanzler gewordenen, F.J. Strauss verkauft hat und ohne diese Kredite wären sie viel später abgekackt, eventuell ohne Wiedervereiterung und trotzdem frei.
    Es ist doch immer wieder erfrischend, zu sehen, daß, wenn man den Kapitalismus in Frage stellt, als Kommunist hin gestellt wird und dabei scheinbar nicht raffen will, daß DDR Staatskapitalismus war. Aber, wenn man die Propaganda über Griechenland so hört, kann es durchaus passieren, daß junge Leute glauben werden, Griechenland hätte zum Ostblock gehört.
    Nun ja, wenn die Amis Griechenland nicht weltweit das allererste Mal überhaupt mit Napalm beglückt hätten und die KKE zwecks Parlamentarismus zuvor nicht die Partisanen verraten hätte, hätte es ja fast so weit kommen können.
    Vielleicht geht aber heute von Griechenland eine völlig andere Gefahr aus, die weder sogenannten Kommunisten, noch Kapitalisten schmecken wird und seltsamerweise erinnern die kleinen Anfänge der Aufstandsbewegungen Griechenlands mehr an die, durch die rote Armee Trotzkis zerschlagene Machnobewegung der Ukraine („Unbekannte Revolution“), als an Spanien 1936. Doch eins sei dir gewiss, der Anarchismus ist durchaus in der Lage – in seiner subjektivistischen Version – kapitalistisch vorzugehen; insbesondere, wenn man begreift, daß der Kapitalismus inzwischen auch nur noch zur Ideologie verkommen ist. Im Prinzip heisst das nichts anderes als, daß, wenn mittelständische Unternehmer, die nicht unbedingt den Wunsch verspüren, Bonze zu werden, sich an der griechischen Revolte beteiligen können und letzlich auch werden. Und dann schaun wir mal weiter: Griechenland als ein anarchistisches Kuba, nur diemal ohne den „pösen“ Ami.
    Deutschland ist dabei ziemliche Nebensache. Die EU, auch wenn Südeuropäer das anstinkt, ist nichts anderes als das nicht beendete Projekt des 3.Reichs, dessen Hauptkommisar Osterweiterung Schleyer war – hat er auch alles in den Vernehmungsprotokolen in seiner kurzen Zeit im „Volksgefängnis“ in Erfstadt-Liblar erläutert – und seltsamerweise wurden die Texte zum EURO fast wortwörtlich übernommen zu dem, was im dritten Reich als Währungsunion galt (21 Staaten, inklusive Falschgeld, sog. Reichskassenscheine). also bitte: Deutschland komm mal runter oder sollen wir Euch VERRECKE in die Fresse hauen wie 1981, und daß ihr dann mal schnallt, daß das, was in Griechenland abgeht, viel damit zu tun hat, daß Griechen sich die autonome Bewegung Deutschlands der 80er sehr genau rein gezogen haben?
    Ansonsten, für den Frieden: Schleyer hat sich im Kofferraum erhängt! Peeace, nov 17th and so on Schreib doch mal einen Brief an Griechenlands jüngsten politischen Gefangenen: Lambros Roupa, schätze mal 18 Monate alt

  27. Ottfried Storz
    8. April 2012, 16:56 | #27

    Zwei aktuelle Nachrichten zum Thema Korruption in Griechenland:

    1) Das griechisches Parlament segnete Vergleich mit Siemens ab.
    Siemens garantierte im Vertrag neben 270 Mio Kompensationszahlungen, man habe als Lehre aus dem Schmiergeldskandal umfassende Maßnahmen ergriffen, um zukünftige Korruption zu verhindern. Das sei wegen des europäischen Vergaberechts auch extrem wichtig. Ansonsten würde Siemens auch in anderen EU-Ländern von Ausschreibungen ausgeschlossen.
    Griechenland hat sich im Vertrag zu keinerlei Antikorruptionsmaßnahmen und/oder der internen Aufarbeitung alter Korruptionsfälle verpflichtet.

    2) Laut am Freitag veröffentlichten Zahlen von Transparency International ist die Korruption in Griechenland auch 2011 unverändert verbreitet. Korruption ist eines der Hauptprobleme in Griechenland, was trotz Krise weiter geht. Das ist das Ergebnis einer Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut Public Issue im Auftrag von Transparency Internation durchführte. Die Finanzkrise führte zu einem Rückgang der Bestechungssummen auf 554 Mio Euro (Vorjahr: 632 Mio), der Rückgang der bestechenden Personen betrug nur 3 Prozent.

  28. iaourti iaourtaki
    8. April 2012, 23:33 | #28

    @Ottfried Storz
    Is ja schnicke, und mit keinem Wort erwähnst Du, daß drei Siemensmanager von der deutschen Justiz vor Auslieferung nach Griechenland beschützt werden, mit keinem Wort erwähnst Du, daß außer der SZ so gut wie keine Zeitung die ganzen Jahre überhaupt darüber berichtet hatte.
    Ich hab echt den Kanal voll, laßt die Leute einfach in Ruhe. Weder irgendwelche Rettungsmaßnahmen, noch Privatisierungen – vor allem, weil alle auf die Drachmas warten – noch sonst irgendwas wird sich von heute auf morgen ändern oder was bringen und das wissen Leute wie Du ganz genau. Euch geht es nur darum, das Land und die Leute anzuscheissen, nachzutreten und am besten verrecken zu lassen …
    Sobald die ersten griechischen Restaurants gebrannt haben, war es dann keiner gewesen, der als geistiger Brandstifter angestachelt hat.
    Es widert mich an, ich werde nach Griechenland gehen, obwohl ich zu alt bin, mich da zu finanzieren, und den Menschen helfen eine Revolution zu bauen, die sich gewaschen hat …
    YAMAS

  29. Lucy Sky
    9. April 2012, 06:22 | #29

    @iaourti iaourtaki
    Ionische Inseln, Hochburg der Linken, wir haben genug Unterbringungsmoeglichkeiten! Herzlich willkommen!

  30. Heinz
    9. April 2012, 12:10 | #30

    @iaourti iaourtaki

    Nur zur Aufklärung: Laut Gesetz darf kein deutscher Staatsbürger an andere Staaten ausgeliefert werden, sondern er unterliegt der deutschen Justiz.

    Es handelt sich also um einen völlig normalen und legalen Vorgang.

  31. admin
    9. April 2012, 12:58 | #31

    @Heinz
    Der Hauptakteur war ein Grieche mit doppelter Staatsangehörigkeit, den die griechische Justiz bezeichnenderweise nicht wie jeden armen Hühnerdieb in U-Haft geschickt hat, als er sich noch im Land befand; ein Schelm, wer Böses dabei denkt …

Kommentar Seiten
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  1. 4. Januar 2014, 20:40 | #1

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