Zehntausenden Haushalten in Griechenland droht Stromabschaltung

16. Januar 2012 / Aktualisiert: 15. Oktober 2017 / Aufrufe: 1.227

In Griechenland droht zehntausenden Haushalten wegen unbezahlter Rechnungen der elektrische Strom abgeschaltet zu werden.

Gemäß Informationen der Zeitung „Ethnos“ hat die Handelsdirektion der öffentlichen Elektrizitätsgesellschaft DEI rund 30.000 Anweisungen zur Stromabschaltung an die zuständige Abteilung des Unternehmens geschickt. Es handelt sich um Stromrechnungen, welche die neue Immobilienabgabe enthalten und überfällig sind, da ab dem Datum der Rechnungsstellung inzwischen ein Zeitraum von 80 Tagen verstrichen ist. Ab der kommenden Woche laufen somit 30.000 Haushalte in Gefahr, ohne elektrischen Strom zu bleiben.

Neu Drohungen wurden währenddessen von Seite der GENOP-DEI ausgestoßen, deren Vorsitzender Nikos Fotopoulos gegenüber der Zeitung „Ethnos“ erklärte: „Es wird zu ähnlichen Geschehnissen wie während der Periode der Privatisierung der Busse kommen. Erinnert Euch daran, was 1991-92 geschah! Wir werden jedem die Hosen herunterziehen, der einem Armen, Arbeitslosen und Tagelöhner den Strom abzuschalten versuchen wird. Wir werden jedem die Hände abschlagen, der den Stromzähler eines Geringverdieners anzutasten wagen wird, der seine Rechnung nicht zu bezahlen vermag.

Aufschub der Stromabschaltung aus gesundheitlichen Gründen

Nikos Fotopoulos fügte ebenfalls an, dass sich der Verband der Techniker Griechenlands ebenfalls weigere, zu solchen Maßnahmen (sprich der zwangsweisen Stromabschaltung) zu schreiten. Andererseits soll laut einschlägigen Quellen auch die Unternehmensleitung der DEI noch nicht das „grüne Licht“ gegeben haben, damit die Anweisungen an die privaten Unternehmen weitergeleitet werden, welche die Stromabschaltungen vornehmen. Mit einer Klärung des Themas wird in dieser Woche gerechnet.

Bei den in Rede stehenden Stromrechnungen, die sich im „roten Bereich“ befinden, soll es sich (auch) um die ersten Rechnungen handeln, die im vergangenen Oktober 2011 ausgestellt wurden und erstmalig die neue Immobilien-Sonderabgabe enthalten. Eine Quelle des Finanzministeriums erinnerte in Bezug auf das Thema der 30.000 Anweisungen zur Stromabschaltung an eine einschlägige Erklärung des Ministers Evangelos Venizelos, der beteuert hatte: „Es wird keinem Bürger der Strom abgeschaltet werden, der nachweislich nicht zur Begleichung der Rechnung der DEI in der Lage ist.

Gemäß der Gesetzgebung wird einem Verbraucher der Strom nicht in Fällen abgeschaltet, in welchen spezielle gesundheitliche Gründe entweder bei dem Nutzer der Immobilie oder bei mit diesem zusammen wohnenden Personen einhergehen, wie beispielsweise bei Personen, deren Leben von mechanischer Unterstützung abhängig ist.

(Quelle: Ethnos)

GENOP-DEI spricht von 1,5 Millionen unbezahlten Stromrechnungen

Sowohl bezüglich der Anzahl der überfälligen Stromrechnungen als auch der ergangen Anweisungen zur Stromabschaltung werden je nach Quelle abweichende oder diffuse Angaben gemacht. Dieses „Versteckspiel“ erweckt den Eindruck, dass möglichweise das wahre Ausmaß des Problems zweckdienlich kaschiert wird. Im Gegensatz zu dem vorstehend zitierten Artikel der Zeitung „Ethnos“ wurde auf dem Nachrichtenportal in.gr zwar ebenfalls eine einschlägige Meldung publiziert, in der jedoch keine Zahlen genannt werden und außerdem unter Berufung auf die  DEI behauptet wird, die anstehenden Stromabschaltungen beziehen sich ausschließlich auf „Verbraucher, die ihre Rechnungen seit langer Zeit nicht bezahlt und hohe Schulden haben“ und stehen (noch) nicht mit der neuen Immobiliensteuer in Zusammenhang.

Die GENOP-DEI spricht jedenfalls von derzeit insgesamt 1,5 Millionen unbezahlten Stromrechnungen, von denen 250.000 seit wenigstens drei oder mehr Monaten fällig sind, sowie von bereits 50.000 ergangenen Anweisungen der DEI zur Unterbrechung der Stromversorgung zahlungsrückständiger Verbraucher.

Ergänzend sei angemerkt, dass parallel zu dem steilen Anstieg der Stromabschaltungen auch kontinuierlich die Anzahl der Haushalte und Verbraucher zunimmt, denen wegen unbezahlter Rechnungen die Wasserversorgung abgestellt wurde.

  1. Andreas
    16. Januar 2012, 13:33 | #1

    „…Wir werden jedem die Hände abschlagen, der den Stromzähler eines Geringverdieners anzutasten wagen wird, der seine Rechnung nicht zu bezahlen vermag.”
    Na toll, so Jemand ist Gewerkschaftsfuehrer in Griechenland??? Mit Gewalt ist fuer viele Gewerkschaftler halt immernoch jedes Problem zu loesen. Ein paar Eisenstangen in die Hand und los gehts. (Habe ich selbst beim Bau des Neuen Flughafens in Athen erlebt)
    Solche Leute zitiert man nicht, die schmeisst man raus!
    Unser Postbote in Rafina (Grieche) lebt uebrigens, mit seinem um 33% gekuerzten Lohn, in einem abgeschalteten Mietshaus, weil der Vermieter die DEH nicht bezahlt hat, die Mieter aber haben Ihn bezahlt. Sollte man so jemandem nicht besser die …. ???

  2. Apateonas
    16. Januar 2012, 22:13 | #2

    Wenn DEI beim Stromabschalten so schnell arbeitet, wie beim Zähler ablesen, würde ich mir darum keinen Kopf machen… (..da ab dem Datum der Rechnungsstellung inzwischen ein Zeitraum von 80 Tagen verstrichen ist)

    @ Andreas
    Weisst du, wie lange es gedauert hat, bis DEI den Strom abgeschaltet hat?
    Ich meine wie viele Monate / Rechnungen..

  3. Assens
    16. Januar 2012, 23:26 | #3

    … Mietzinszahlung einstweilen um einen Faktor nahe 1 kuerzen und den Postkollegen auf einen Kaffee einladen und informieren, von dem der Vermieter aus unerfindlichen Gruenden die zuverlaessige Zustellung seiner persoenlichen und geschaeftlichen Post erwartet?

  4. Andreas
    19. Januar 2012, 16:14 | #4

    @Apateonas – Der Vermieter ist eine Frau und nachdem sie von einem anderen Mieter bei der Polizei wegen der DEI-Schulden angezeigt worden ist wurde sie auf die Wache bestellt, konnte aber „wegen eines Leistenbruchs“ angeblich nicht kommen. Schliesslich wurde sie von der Polizei abgeholt und am naechsten Tag gab es wieder Strom. Der Postbote aber wohn inzwischen nicht mehr dort.

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