Kriminelle Organisationen in Thessaloniki in Griechenland ausgehoben

21. Januar 2012 / Aktualisiert: 13. August 2017 / Aufrufe: 1.285

In Griechenland wurden vier mafiöse Organisationen ausgehoben, die in der Region von Thessaloniki jahrelang einschlägige kriminelle Aktivitäten entwickelt hatten.

In Thessaloniki wurden in einer gigantischen Aktion der Kriminalpolizei zur Aushebung vier krimineller Organisationen, die in der Region jahrelang im großen Stil Verbrechen wie Betrug, Erpressungen, Zinswucher und Legalisierung von Einkünften aus kriminellen Aktivitäten ausübten, dreiundfünfzig – zum Teil über jeden Verdacht erhaben erscheinende – Personen festgenommen, zu denen unter anderen ein höherer Amtsträger der SDOE Thessaloniki, ein bekannter Journalist der staatlichen Sendeanstalt ET3, leitende Bankangestellte, Polizeibeamte, Finanzbeamte, Rechtsanwälte und Angestellte des Fußballvereins PAOK zählen.

Die polizeiliche Unternehmung begann bereits gegen Ende Mai 2011 unter Mitwirkung auch des griechischen Geheimdienstes (EYP), der mit dem bekannten „Abhör-Köfferchen“ zu den Observationen beitrug, und am vergangenen Dienstag (17. Januar 2012) zu den in Rede stehenden Massenverhaftungen führte. Von den 53 verhafteten Personen sollen fünf die „Gehirne“ der kriminellen Organisationen sein. Bezeichnenderweise galten deren Aktivitäten seit Jahren als „offenes Geheimnis“, jedoch soll es bisher (möglicherweise nicht nur … ?!) an Beweisen gemangelt haben, um gegen die skrupellosen Gangster vorgehen zu können.

Massenfestnahmen nach monatelangen Ermittlungen

Die gegen die Festgenommenen erhobenen Beschuldigungen beziehen sich fallweise unter anderem auf die Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung, berufsmäßig und gewohnheitsmäßig ausgeübten Zinswucher und Erpressung, Betrug und Legalisierung von Einkünften aus berufsmäßig ausgeübter illegaler Aktivität. Weiter werden in der bisher rund 15.000 (!) Seiten zählende Anklageschrift auch zwei Polizeibeamte der passiven Bestechung und der Pflichtverletzung beschuldigt.

In einer Bekanntmachung der Polizei wird angemerkt, dass im Rahmen der monatelangen Ermittlungen der Direktion der Kriminalpolizei Thessaloniki unter anderem:

  • die Verbindung der Mitglieder festgestellt wurde, welche die kriminellen Organisationen darstellten,
  • deren Rollen und hierarchische Beziehung geklärt wurden,
  • die Weise – Methode ihrer Aktivität festgestellt wurde (modus oerandi),
  • die Anzahl der Personen festgestellt wurde, die sich verschiedene Geldbeträge zu Wucherzinsen geliehen hatten,
  • die erpressten Privatleute und Geschäfte – Unternehmen ausfindig gemacht wurden, deren Eigentümer erpresst wurden,
  • der Modus der Legalisierung der illegalen Einkünfte („Geldwäsche“) festgestellt wurde.

Wie aus der Untersuchung speziell hervorgeht, erpressten Mitglieder einer der kriminellen Organisation von zahlreichen Geschäftseigentümern in Thessaloniki und Chalkidiki „Schutzgelder“ und gewannen illegal große Geldbeträge. Zusätzlich waren alle vier Organisationen in Fällen des Zinswuchers aktiv, da sie erpresserisch die Zahlung rechtswidriger Zinsen von Privatleuten verlangten, denen sie verschiedene Geldbeträge als Kredite zu übermäßigen monatlichen Zinsen von bis zu 80% gaben, während sie auch in eine große Anzahl von Betrugsfällen involviert sind. Die aus ihren kriminellen Aktivitäten erzielten Geldbeträge legalisierten die Organisationen rechtswidrig mittels Gewinnlosen des OPAP, die sie sich gegen finanzielle Vergütung verschafften.

Die Polizeiaktion der Direktion der Kriminalpolizei Thessaloniki läuft mit Durchsuchungen in Häusern, Wohnungen und anderen Räumlichkeiten in Gebieten in Thessaloniki, Chalkidiki und Serres weiter. Ebenfalls gehen die Vorführungen von Personen weiter, um deren Beteiligung an den Aktivitäten der kriminellen Organisationen zu erforschen. Es wird geschätzt, dass aus der illegalen Aktivität dieser vier kriminellen Organisationen der griechische Fiskus um signifikante Einnahmen gebracht wurde, die auf dutzende Millionen Euro angesetzt werden.

Geldwäsche mittels angeblicher Lotteriegewinne

In einer Bekanntmachung betont die SDOE unter anderem: „Am 26.Mai 2011 erging eine einschlägige Bestellung der Staatsanwaltschaft des Landgerichts Thessaloniki an die Bezirksdirektion der SDOE Zentralmakedonien zur Mitwirkung in der 3. Abteilung des Dezernats zur Verfolgung von Erpressern bei der Direktion der Kriminalpolizei Thessaloniki bezüglich der Aufhebung des Steuergeheimnisses über wirtschaftliche Daten konkreter Personen.

Am 29 Juli 2011 übergab die Bezirksdirektion der SDOE Zentralmakedonien der griechischen Polizei auf deren Antrag am selben Tag Daten, die sich auf Gewinnbestätigungen der staatlichen Lotteriegesellschaft OPAP AG für die involvierten Personen bezogen. Parallel lieferte sie ab dem 08. August bis zum 30. November weitere vier Male ergänzende Daten an Polizeibeamte über den Verlauf der Ermittlungen und informierte parallel die Staatsanwaltschaft des Landgerichts Thessaloniki.“

Wie in der Bekanntmachung angeführt wird, ordnete der Sondersekretär der SDOE Ioannis Diotis bereits eine dringliche Ermittlung zur Untersuchung der Rechtmäßigkeit der Erteilung von Gewinnbestätigungen der OPAP an. Der Minister für Zivilschutz, Christos Papoutsis, gratulierte dem Leiter der griechischen Polizei, Generalleutnant Nikolaos Papagiannopoulos, zu dem Erfolg der Dienststellen der Kriminalpolizei Thessaloniki.

Ergänzend sei angemerkt, dass inzwischen (bis Samstag, 21. Januar 2012) vor dem 3. regulären Untersuchungsrichter Thessalonikis 16 der verhafteten Personen ausgesagt haben, von denen 8 in Untersuchungshaft genommen und 8 gegen Meldeauflagen und Kautionen bis auf weiteres auf freien Fuß gesetzt worden sind. Inhaftiert wurde unter anderem der Leiter der „Operativen Direktion für Sonderfälle“ der SDOE in Thessaloniki, wogegen speziell der illustre Journalist der ET3 gegen eine Kaution von 200.000 Euro von der U-Haft verschont blieb.

(Quelle: in.gr – 19.01.2012, in.gr – 20.01.2012)

  1. Andreas
    21. Januar 2012, 11:38 | #1

    Bravo für diesen Artikel. War es nicht ein Parlamentarier der sein 1 Mio extra Einkommen mit einem Lottogewinn gerechtfertigt hat? Es macht einen immerwieder sprachlos mit welcher kriminellen Energie Amtsträger in diesem Land ausgestattet sind + wie wenig die Ōffentlichkeit etwas dagegen unternimmt. Der Satz „offenes Geheimnis“ spricht hier leider Bānde.

  2. Apateonas
    21. Januar 2012, 22:14 | #2

    Wenn ich nicht wüsste, dass dieser Bericht aus Griechenland ist, würde ich fest von Italien und der dortigen Mafia ausgehen…traurig, aber es bestätigt leider wieder einmal, was für schlimme Zustände in den Köpfen der Menschen hier herrschen und wie wenig ihnen die Solidargemeinschaft oder griechischen Mitbürger bedeuten! Solche Verräter sollte man komplett enteigenen und den Erlös gemeinnützigen Einrichtungen zukommen lassen. Die Typen selber sollten in ein Arbeitslager gesperrt werden, wo sie unter Aufsicht an gemeinnützigen Projekten arbeiten müssten und das nicht nur für 6 Monate!

  3. Apateonas
    22. Januar 2012, 15:08 | #3

    Ich hab da gerade noch etwas interessantes gefunden.
    In der Kathimerini steht, dass bei den 53 Verdächtigen ein leitender Beamter der Behörde gegen Wirtschaftskriminalität sein soll („Gehirn“= Sch….e)! Willkommen bei der Camorra Thessaloniki!

Kommentare sind geschlossen