Griechenland soll Akropolis verpachten

10. Januar 2012 / Aktualisiert: 13. August 2017 / Aufrufe: 646

Griechenland soll die Akropolis und alle sonstigen antiken Stätten an Privatleute verpachten, um Geld in die Staatskasse zu bringen und den Tourismus zu fördern.

Die Forderung, die wirtschaftliche Nutzung aller archäologischen Stätten in Griechenland konsequent Privatleuten anzutragen, wurde nicht etwa wieder einmal von Bild, Fokus & Co., sondern von dem griechischen Politiker Gerasimos Gkiakoumatos (Γεράσιμος Γιακουμάτος) aufs Tapet gebracht. Herr Gkiakoumatos beharrt in seinen Äußerungen unter dem Motto „Besser privat verpachtet als wegen Streik geschlossen“ darauf, die Nutzung der archäologischen Stätten so schnell wie möglich Privatleuten anzutragen.

Der ehemalige Staatssekretär für Beschäftigung und sozialen Schutz und Abgeordnete der Partei Nea Dimokratia (N.D.), Gerasimos Gkiakoumatos, appelliert an die griechische Regierung, die Nutzung der Anlagen der Akropolis und des Parthenon Privatleuten zu überlassen, damit Gelder in die öffentlichen Kassen fließen: „Anstatt Löhne und Renten zu kürzen, soll der Staat lieber die Akropolis – und nicht nur – verpachten. Er soll alle archäologischen Stätten verpachten, Delphi, den Apollo-Tempel, alle – und zwar jetzt!

Nutzung archäologischer Stätten könnte Einnahmen und Tourismus fördern

Das Thema der „Verwertung“ der archäologischen Stätten durch private Unternehmer kommt damit nicht nur in Griechenland, sondern auch im Ausland plötzlich erneut zur Diskussion. Nicht nur Herr Gkiakoumatos will die Akropolis verpachten, aber auch die ausländischen Massenmedien wärmen das Thema wieder auf.

Herr Gkiakoumatos beharrt jedenfalls in seinen Äußerungen gegenüber der Zeitung „To Vima“ auf der Nutzung der archäologischen Stätten durch Privatleute, und zwar schnellstmöglich. „Anstatt dass die Akropolis wegen Streiks geschlossen bleibt, ist es vorzuziehen, sie an Privatleute zu verpachten. Natürlich unter der Aufsicht des Staates. So wird der Staat gesicherte Einnahmen haben, der Tourismus ansteigen und die Akropolis rund um die Uhr geöffnet bleiben. Wie bitte? Wird die Akropolis ihren Ort verlassen, wenn wir sie verpachten? Sind die Franzosen, die Versailles verpachten, schlauer als wir?

Was die möglichen Einwände betrifft, die es bezüglich seines Vorschlags, die Akropolis, Delphi, Knossos und alle übrigen archäologischen Stätten an Privatleute zu verpachten, antwortete Herr Gkiakoumatos: „Die kleinen Psychopathen und Klammeraffen sollen die Theorien des Gestern beiseite lassen und das Morgen des Vaterlandes sehen.

(Quelle: To Vima)

Ergänzende Klarstellungen nach Sturm der Entrüstung

Wie zu erwarten war, riefen die – zum Teil offensichtlich aus welchem Grund auch immer nicht unbedingt sinngemäß zitierten – Äußerung tatsächlich einen Sturm der Entrüstung hervor, auf den Herr Gkiakoumatos mit einer strengen Bekanntmachung reagierte:

Spekulation und Falschinformierung haben auch ihre Grenzen. Heiligtümer, Monumente und speziell der Leuchtturm der Zivilisation für die gesamte Welt, den die Akropolis verkörpert, sind nicht zu vermieten. Was jedoch geschehen könnte, wäre, in unserem Land eine juristische Person öffentlichen Rechts zu schaffen, die unter privatwirtschaftlichen Kriterien agiert und deren Zweck die Verwertung aller archäologischer Stätten sein wird, zum Vorteil unseres Landes und unserer Geschichte.

Das ist mein Vorschlag und das ist die Wahrheit. Alles andere ist Spekulation. Nicht alle mögen mit diesem Vorschlag von mir einverstanden sein, jedoch haben wir immer noch eine Demokratie. Und auf jeden Fall gestatte ich niemandem und speziell nicht gewissen Pseudo-Hellenen, ihre Stimme zu erheben und wem auch immer und erst recht mir Belehrungen über ethische Werte, Prinzipien und Traditionen zu erteilen.

(Quelle: newsbeast.gr)

  1. Einer
    10. Januar 2012, 22:13 | #1

    “Nicht alle mögen mit diesem Vorschlag von mir einverstanden sein, jedoch haben wir immer noch eine Demokratie.“

    Herr G. könnte damit beginnen, dass ins Ausland transferierte Schwarzgeld aufzuspüren, die Steuerschulden bei den 100 reichsten Familien des Landes einzutreiben, ihren Besitz zu Beschlagnahmen und ihre parteipolitischen Verfilzungen im Detail offenzulegen. Herr G. könnte ein leuchtendes Vorbild und ein wahrer Patriot sein, würde er die “cohones“ haben, sich selbst und seine Parteigenossen anzuzeigen und in Sack und Asche zu gehen!

    Dann – und erst dann – kann man über Programme für die Akropolis und andere Kulturstätten reden, was jedoch höchstwahrscheinlich gar nicht mehr notwendig sein wird, denn Hellas wäre nach diesen Maßnahmen wohl saniert und endlich auf dem richtigen Weg zur Demokratie. Diesen Weg hat Hellas nämlich verlassen, weil Personen wie Herr G. dieses Land in eine lupenreine egomanische Kleptokratie gewandelt haben und einer Zitrone gleich ausgequetscht haben.

    Herzlichst,
    ein “Pseudo-Hellene“!

  2. Der Patriarch
    10. Januar 2012, 23:51 | #2

    Ich könnte hier folgenden Vorschlag einbringen.
    Im Durchschnitt betrügt jeder Grieche den Staat monatlich um ca. 300.- Euro.
    Alte – Kranke – Arbeitslose und Kinder mit eingerechnet.
    Bei 8 Millionen Griechen sind das 2,4 Milliarden Euro.
    In Europa wohnen ca. 750 Millionen Menschen. Zieht man die Griechen
    ab blieben noch ca. 742 Millionen Europäer. Wenn jeder Europäer im
    Monat ca.3.- Euro aufwenden würde
    könnte mit diesem Geld wieder jedem Griechen 300.- erstattet werden.
    Wenn man jetzt jeden Griechen nach Bangladesch übersiedeln würde,
    könnten wir den Griechen vom Betrügen abhalten und gleichzeitig mit 300 Euro unterstützen. In Bangladesch entsprächen diese 300.- Euro ca. 5000.- Euro Kaufkraft.
    Das würde dem Griechen gefallen – er müsste nicht arbeiten und hätte als
    verheirateter mit 2 Kindern im Monat ein Einkommen was ca. 20.000.- Euro gleich
    kommen würde.
    ( Bei dieser Variante könnte es wieder spannend für den Polizisten mit den
    19 Kindern werden )
    Als Abschiedsprämie könnte man jedem Griechen der auf die schnelle noch
    1000 herrenlose Plastik oder Mülltüten einsammelt 100.- Euro extra ausbezahlen.
    Soweit so gut. Griechenland wäre bei diesem Quantensprung leer.
    Ein leeres Land müsste nicht unterstütze werden. Würden jetzt noch
    einmalig von jedem Europäer 3.- Euro gespendet,
    könnte man ca. 8 Millionen Menschen die Bangladesch aus
    wirtschaftlichen Gründen verlassen möchten 300.- Euro Begrüßungsgeld
    in Griechenland ausbezahlen. Dort könnten diese Menschen sich in Ruhe
    eine Existenz aufbauen. Als Prämie könnte man jedem Menschen aus
    Bangladesch der auf die schnelle noch 1000 herrenlose Plastik oder
    Mülltüten einsammelt 100.- Euro extra ausbezahlen.
    Würden die Menschen aus Bangladesch die Verwaltung und Einnahmen
    der Kulturgüter in Griechenland übernehmen, könnten nach Abzug aller
    Kosten den Griechen das 13 & 14 Gehalt noch zusätzlich überweisen werden.
    Griechenland wäre schön und sauber – und keiner würde mehr versuchen
    einen ständig übers Ohr zu hauen. Halt ein richtiges Urlaubsland mit
    lauter freundlichen Menschen.
    In Bangladesch wären die Grundstücke am Meer relativ schnell von
    den Griechen besetzt. Selbstverständlich illegal und möglichst mit einem
    Meter Abstand und einer hohen Mauer zum Nachbarhaus der Einheimischen.
    In ca. 200 Jahren würde es dann wieder für den Griechen interessant,
    bis dahin ist der Meeresspiegel in Bangladesch so hoch gestiegen dass
    dem Griechen das Wasser bis zu Hals stehen würde. Aber das kennt er ja.
    Für mich gibt es in Griechenland keine Problem, nur jeden Tag neu Lösungen.

  3. miks
    11. Januar 2012, 08:41 | #3

    mmhhhh,warum eigentlich nicht!

  4. Ottfried Storz
    11. Januar 2012, 10:15 | #4

    Zum einen folgt hier der übliche Reflex mit Hinweis auf andere Einnahmemöglichkeiten („100 reichste …“) . Selbstverständlich haben reiche Griechen (nicht Ausländer !) hunderte Milliarden unversteuerter und überwiegend illegal erworbenen Vermögens ins Ausland geschafft. Denn bekanntlich hört bei Griechen die Vaterlandsliebe beim Steuernzahlen auf.

    Zum anderen ist die Diskussion exemplarisch für das Thema Privatisierung, wo Griechenland mit fast 0,8 Mio Beamten (bei nur 11 Mio Griechen) und Unmengen überflüssiger Staatsbeteiligungen in der EU einen Spitzenplatz einnimmt. Sobald für einen Unternehmen /Bereich das Wort Privatisierung oder hier auch nur „Verpachtung“ thematisiert wird, kommt sofort der Aufschrei „kein Verkauf nationaler Güter“. Dabei werden die Dienstleistungen durch die Staatsbetriebe zu teuer – oder hier – katastrophal lausig erbracht.
    Explemplarisch meine letzter Besuche in Mykene: Der Ort ist Weltkulturerbe, gab einer eigenen Kultur ihren Namen, wurde im 19. Jhd durch die Schliemann-Ausgrabung („Der Schatz der Mykene“) weltberühmt.
    Vor Ort ist jedoch alles katastrophal: Schlechte Öffnungszeiten, Toiletten ein Desaster, keinerlei Hinweisschilder oder Beschreibungen, Orientierung kaum möglich, beim Pinkeln fand ich zufällig die weltberühten Kuppelhöhlen … , der Flyer grottenschlecht, das Merchandising 60er Jahre-Niveau. Und ähnliches erlebt ich an Dutzenden anderen „Weltkulturerbe“-Stationen in Griechenland.
    Hier – und in xx-anderen Kulturstätten – wird zum einen ein grottiger Service geboten.
    Zum anderen werden hunderte Millionen „verschenkt. Gut geführte Museen nehmen jährlich zwei-bis dreistellige (MET-Museeum NY) Millionenbeträge durch Merchandising ein. Im Weltkulturort Mykene gab es hierfür nur ein dreckiges Büdchen. Einen Internetauftritt gibt es auch 2012 unverändert nicht, Onlinebestellungen also nicht möglich. Kurzum: Die Möglichkeit, hunderte Menschen einen Job zu verschaffen, wurde auch hier nicht genutzt. Dafür haben bestimmt alle Mitarbeiter ihren Job über Beziehungen und/oder Parteibuch …

    Fazit: Griechen erkennen Privatisierungen und Verpachungen etc nicht als Chance und Potenzialausweitung, was es eigentlich ist.
    Aber letztlich ist dies alles egal: Eine Insolvenz DIESES Griechenlands ist angesichts der Reformunwilligkeit unvermeidbar.

  5. Papas
    11. Januar 2012, 10:28 | #5

    Tourismus in Griechenland ?
    Gibt es denn ein touristisches Griechenland überhaupt?
    In den Medien stelle ich fest, dass es Länder wie Marokko, Tunesien, Ägypten, etc…. gibt, aber Griechenland ist touristische nicht mehr aufzuspühren. Wie kann ich dann Einnahmen haben ????

    Grundsätzlich ist die Idee die unendlichen antiken Stätten zu verpachten sehr sehr gut.
    Um die Einnahmen jedoch in der Tat steuerlich zu nutzen müsste jedoch ein unbestechlicher Beamter neben dem Kassenhäuschen sitzen.

    So viel zu der Verpachtung an Privatleute.

    Ein kritischer Grieche………mit Kenntnis seiner Landsleute.

  6. P.Zwegat
    11. Januar 2012, 12:22 | #6

    Also ick würde eher sagen det die Akropolis dit Symbol für den 2000 jährigen Verfall Griechenlands is als „der Leuchtturm der Zivilisation für die gesamte Welt“!
    Von mir aus können wa gleich nen Termin mit der „juristische Person öffentlichen Rechts“ für ne Privatinsolvenz machen.

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