Griechenland publiziert neue Steuerschuldner-Liste

24. Januar 2012 / Aktualisiert: 13. August 2017 / Aufrufe: 1.642

Das Finanzministerium in Griechenland hat eine Liste natürlicher Personen publiziert, die dem Fiskus hohe Beträge aus fälligen Steuern und sonstigen Abgaben schulden sollen.

Mit der Veröffentlichung einer Liste der persönlichen Daten natürlicher Personen, die dem griechischen Fiskus fällige Zahlungen in Höhe von jeweils mehr als 150.000 Euro schulden sollen, hat das Finanzministerium praktisch das grüne Licht für die Überprüfung von Schuldnern des Fiskus durch Anwaltskanzleien und private Inkassounternehmen gegeben. Die neue Liste führt weit über 4.000 Steuerpflichtige auf, deren fällige Verbindlichkeiten an den Fiskus mit insgesamt fast 15 Milliarden Euro beziffert werden (Stichtag: 25. November 2011). Eine entsprechende – sich ausschließlich auf juristische Personen beziehende – Liste der Firmen und geschuldeten Beträgen wurde bereits im September 2011 publiziert und inzwischen auf den Stand von Ende Dezember 2011 gebracht.

Insgesamt summieren sich in beiden Kategorien (der natürlichen und juristischen Personen) die Verbindlichkeiten gegenüber dem Fiskus auf rund 42 Milliarden Euro, wovon das Finanzministerium sowohl mittels der neuen Regelungen über die fälligen Verbindlichkeiten, die unter anderem bis zu 60 Monatsraten ab 100 Euro vorsieht, als auch der Beauftragung von Anwaltsgesellschaften und Inkassounternehmen, welche das Vermögen aller Großschuldner unter das Mikroskop nehmen werden, zumindest einen Teil einzutreiben bestrebt ist.

Fiskus muss den größten Teil seiner Forderungen abschreiben

Das Ziel des griechischen Fiskus besteht darin, das Vermögen der Schuldner durch Pfändungen und Zwangsversteigerung zu beanspruchen und zumindest einen Teil ihrer Schulden eintreiben zu können. Wie aus den am vergangenen Sonntag (23. Januar 2012) veröffentlichten Daten hervorgeht, enthält die Liste der Großschuldner, welche natürliche Personen sind, allerdings auch zahlreiche Fälle von Steuerpflichtigen, bei denen es mehr als zweifelhaft erscheint, ob der Fiskus jemals auch nur einen Teil deren jeweiliger Schulden eintreiben können wird.

An erster Stelle der aktuellen Schuldnerliste erscheint ein Buchhalter aus Thessaloniki, der im Rahmen der Aufdeckung eines Skandals um illegale Mehwertsteuer-Rückzahlungen verurteilt worden ist und dem Fiskus insgesamt 952 Millionen Euro schuldet. Es versteht sich von selbst, dass diese Forderung wie auch in etlichen vergleichbaren Fällen niemals realisierbar sein wird.

Ebenfalls gibt es dutzende Fälle von Steuerzahlern, die bereits durch die zuständigen Finanzämtern kontrolliert worden sind, ohne dass bisher die Eintreibung ihrer Verbindlichkeiten möglich geworden ist. Unter anderen weist die Liste mit den Schuldnern des Fiskus einen ehemaligen Großaktionär der Fußball-AG „PAOK“ mit Schulden von 2,5 Millionen Euro, den ehemaligen Direktor des Versicherungskonzerns „Aspis“ mit Schulden von 1,15 Millionen Euro sowie auch den Eigentümer der „Express Service“ mit Schulden von 14,29 Millionen Euro aus.

Schließlich wird betont, dass die Liste des Finanzministeriums keine Schuldner enthält, die einer Regelung zur Abzahlung ihrer Verbindlichkeit unterstellt worden sind, sowie auch keine Schuldner, die inzwischen Konkurs angemeldet haben.

(Quelle: in.gr)

  1. Apateonas
    25. Januar 2012, 13:33 | #1

    „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben!“ …;-)

  2. Ottfried Storz
    25. Januar 2012, 19:03 | #2

    Die Veröffentlichung der Liste war reiner Populismus.
    Betroffene Schuldner können sich gut ein Jahrzehnt durch Klageverzögerung und Berufungsverhandlungen vor einem endgültigen Urteil schützen. Dann sind sie überraschenderweise nicht mehr greifbar, oder das Vermögen weg. Oder alles ist zwischenzeitlich verjährt.

    Ohne Rechtsreform sind solche Maßnahmen wie die Veröffentlichung von Schuldnerlisten daher völig überflüssig.
    Eine wirkliche Rechtsreform, Strafverschärfung und unabhängige Justiz sowie Beschlagnahme ausländischen Vermögens würde jedoch an den Tag bringen, dass PASOK und ND-Funktionäre (mehr jedoch deren Familien) zweistellige Milliardenbeträge ergaunert haben. Also wird es diese Maßnahmen nicht geben ……

    In Skandinavien und den USA wäre man gesellschaftlich tot, wenn man auf so einer Liste auftaucht. In Griechenland, wo Steuer- und Staatsbescheiss tagesüblich ist, ist diese „Anprangerung“ gesellschaftlich total folgenlos.

  3. Erstaunter
    10. Februar 2012, 15:31 | #3

    Wenn ich sa alles so lese, dann war Griechenland eigentlich nie ein Staat, sondern die bloße Ansammlung von Menschen, die in der Mehrzahl darauf aus waren, sich ihren ganz persönlichen Vorteil zu verschaffen.
    Die Dummen sind auch hier die, welche an den Staat und deren Führung glaubten.

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