Griechenland bringt Tafelsilber unter den Hammer

17. Januar 2012 / Aktualisiert: 30. Juni 2013 / Aufrufe: 1.029

Griechenland muss ungeachtet der extrem schlechten Marktlage den Verkauf von Staatsunternehmen und staatlichen Immobilien forcieren.

In dem Versuch, Einnahmen zur Einschränkung der unendlichen „schwarzen Löcher“ bei öffentlichen Defiziten und Staatsverschuldung zu generieren, bring die griechische Regierung beschleunigt das „Tafelsilber“, sprich diverse ausgewählte Allgemeinnützige Staatsbetriebe (DEKO) und staatliche Immobilien zum Verkauf. Regierungsvertreter und Finanzminister Evangelos Venizelos und der Staatssekretär für Verwaltungsreform Dinos Rovlias unterzeichneten den Beschluss zur Zusammenlegung der Zentraldirektion für Privatisierungen und des Zentralsekretariats der DEKO.

Die neue Formation wird den bisherigen DEKO-Sekretär Giorgos Kyriakos zum Leiter haben, während der Wirtschaftswissenschaftler Giorgos Cristodoulakis den Posten des Sondersekretärs für Umstrukturierungen und Privatisierungen verlässt. Die auch angesichts des Eintreffens der Troika beschleunigten Entwicklungen machen offensichtlich, dass fortan praktisch alle DEKO Privatisierungskandidaten sind.

Vorrangige Veräußerung teilsanierter börsennotierter Unternehmen

Es sei in Erinnerung gerufen, dass die börsennotierten Unternehmen, bei denen bereits Sanierungsprogramme umgesetzt werden, die ersten Staatsunternehmen auf der Liste der Privatisierungen sein werden, nämlich

  1. Griechische Agrarbank (ATEbank) AG
    Αγροτική Τράπεζα της Ελλάδος (ATEbank) ΑΕ
  2. Öffentliche Elektrizitätsgesellschaft (DEI) AG
    Δημόσια Επιχείρηση Ηλεκτρισμού (ΔΕΗ) ΑΕ
  3. Öffentliche Gasgesellschaft (DEPA) AG
    Δημόσια Επιχείρηση Αερίου (ΔΕΠΑ) ΑΕ
  4. Griechische Post (EL.TA.) AG
    Ελληνικά Ταχυδρομεία (ΕΛ.ΤΑ.) ΑΕ
  5. Wasser- und Abwassergesellschaft Thessaloniki (EYATH) AG
    Εταιρία Ύδρευσης Αποχέτευσης Θεσσαλονίκης (ΕΥΑΘ) ΑΕ
  6. Wasser- und Abwassergesellschaft Athen (EYATH) AG
    Εταιρία Ύδρευσης Αποχέτευσης Αθηνών (ΕΥΔΑΠ) ΑΕ
  7. LARKO (Allgemeine Bergbau- und Hüttenbetriebe)
    ΛΑΡΚΟ
  8. OPAP AG (Staatlicher Träger für Glücks-, Lotterie- und Wettspiele)
    ΟΠΑΠ ΑΕ
  9. Hafenbetriebsgesellschaft Thessaloniki (OLTH) AG
    Οργανισμός Λιμένος Θεσσαλονίκης (ΟΛΘ) ΑΕ
  10. Hafenbetriebsgesellschaft Piräus (OLP) AG
    Οργανισμός Λιμένος Πειραιώς (ΟΛΠ) ΑΕ
  11. Postbank AG
    Ταχυδρομικό Ταμιευτήριο ΑΕ
  12. EL.PE (Griechische Erdölgesellschaft)
    ΕΛ.ΠΕ.

Die Kasse für die Verwertung von Staatsvermögen bereitet auch die neuen Privatisierungs-Ausschreibungen vor. Laut Spitzenfunktionären der Kasse werden im ersten Quartal 2012 die öffentlichen Ausschreibungen für die Gasgesellschaften DEPA und DESFA, den Träger für die Ausführung von Pferderennen, die „Griechische Verteidigungssysteme“ (EAS) und die LARKO erfolgen. Ebenfalls wird die Ausschreibung zur Veräußerung einer kleinen Anzahl staatlicher Immobilien beginnen.

Speziell bezüglich der Entwicklungen in Griechenland wird für die Realisierung des Privatisierungsprogramms der Abschluss der Restrukturierung der Staatsverschuldung (PSI) maßgeblich sein. Sofern das Unternehmen des freiwilligen „Haircuts“ von Erfolg gekrönt sein wird, erwartet die Verwaltung der Verwertungskasse einen starken Impuls für das Privatisierungsprogramm. Hoffnungen bestehen auch für die Ausweitung der Verträge über die Überlassung der Autobahnen sowie auch für den Beginn innerhalb des ersten Halbjahrs 2012 der Diskussionen über die Ausweitung des Vertrags für den Flughafen „Eleftherios Venizelos“.

(Quelle: Vradyni)

  1. Elgreco
    17. Januar 2012, 10:06 | #1

    Der Showdown beginnt, all die leckerlies zum Dumpingpreis. Da hat es sich ja doch noch gelohnt das Land am Rand des Ruins zu treiben. Souveränität war gestern.

    Was Privatisierungen gebracht haben sieht man ja bei den vorangegangenen. z.B. bei den Griechischen Werften, die bauen nur noch Schiffe , wenn der Staat für noch mehr teures Geld selbst bestellt (subventioniert) .

    Anteile an Banken, Glücksspiel, Rennbahnen, kann man sicher veräußern wenn es nötig ist aber Elektrizitätsgesellschaft, Gasgesellschaft, Wasser- und Abwassergesellschaft, Erdölgesellschaft etc.. sollten im jeden Land im Staatsbesitz bleiben. Ich bezweifle das dies dem Land nützt.

  2. Apateonas
    17. Januar 2012, 12:19 | #2

    …und wieder ein zum Glück nicht überschwülstiger Märchenartikel der Vradyni.
    Die meisten Investoren werden einen grossen Bogen um die genannten „Silber“ Staatsunternehmen machen, denn jedes Kind weiss, dass diese ALLE zusammen die grössten Schuldner des griechischen Staates sind und Welten weit davon entfernt schwarze Zahlen schreiben zu können!

    Das erstaunlichste Unternehmen auf der Liste ist für mich die Nr.11.
    Wo es jetzt doch unermessliche (Märchen~) Schätze und Reichtümer zu bergen gilt…:-)

    Ein Unternehmen vermisse ich bei den „Silberschätzen“, die staatliche Eisenbahn OSE, die mit lächerlichen 9,5 Milliarden Euro beim Staat in der Kreide steht..

  3. mazu
    17. Januar 2012, 16:58 | #3

    Wenn ich mir diese Liste ansehe: wer will den diese Konzerne (teil)erwerben mit dieser streiklustigen Belegschaft ? Die deutsche Telekom würde Ihre OTE-Beteiligung lieber gestern als heute verramschen, und sich von Ihrem GR-Abenteuer verabschieden. Kein Wunder, bei all den Vorschriften und Arbeitsgesetzen (Kündigungen nicht durchsetzbar, jährliche Lohnerhöhungen per Dekret, etc.)

  4. Ottfried Storz
    17. Januar 2012, 20:43 | #4

    Mindestens 10 der 12 Gesellschaften sind hoch defizitär.
    Der Begriff „Tafelsilber“ ist also totaler Quatsch.

    Wenn ich mir xx-Albtraum-Erlebnisse mit der Griechischen Post in Erinnerung rufe, dann wette ich, das Griechenland für diese hoch defizitären Firmen keine Käufer finden wird.

    50 Milliarden Euro Einnahmen aus Privatisierungen ?!?
    Die hatten wohl Drachme mit Euro verwechselt, also
    50 Mrd. Drachme, was nach altem Euro-Drachme-Wechselkurs 0,15 Mrd. Euro entsprach.

  5. Pulsar
    18. Januar 2012, 15:01 | #5

    Die angestrebten Privatisierungen kommen viel zu spät und hätten schon vor vielen vielen Jahren konsequent betrieben werden müssen, so wie es Usus in allen modernen westlichen Gesellschaften war und ist. Anders kann kein gesunder Wettbewerb und keine Erneuerung erfolgen. Nun sind die Schulden exponentiell gestiegen, die Betriebe hoffnungslos ineffizient und verkrustet und jeder Investor müßte eigentlich nur froh sein, wenn er sie kostenlos hinterhergeworfen bekäme. Und das auch nur, um damit ein bischen und ohne großes Eigenrisiko zu experimentieren. Weitaus früher hätte man in Griechenland noch respektable Gewinne erwirtschaften und diese vernünftig in das Land reinvestieren können. Aber leider ist es wieder mal so, wie es immer ist: kluge Griechen und Visionäre, die es zerifellos gibt, werden durch unfähige Beamte und korrupte Lenker und Verwalter ausgebremst. Es leidet der kleine Angestellte und Arbeiter. Griechenland steht mit dem Rücken zur Wand und müßte im Prinzip sofort das geamte System auf ‚reset‘ stellen. Das ist ein Sprung ins Ungewisse, aber er ist unumgänglich und allemal besser, als nun jahrzehntelang mit dem Messer an der Kehle auf diesem Niveau herumzukriechen.

  6. Roman
    18. Januar 2012, 16:50 | #6

    Hurra!

    Jetzt geht es also offiziell los.

    Schön auch, dass die Unternehmen vorher noch von EU-Geldern teilsaniert wurden.

    Üble Nummer, ganz üble Nummer das Ganze.
    Und Griechenland hat meine tiefe Anteilnahme.

    Dieses Land wird jetzt ausgenommen, wie eine Weihnachtsgans, danach werden die Mitarbeiter herausgeworfen und die Unternehmen zerschlagen.
    Wie sich nämlich herausstellen wird, kann der griechische Normalverbraucher den teuren Strom und das teure Wasser nicht mehr zahlen. Damit werden Strom- und Wasserwerke unprofitabel.

    Zukunft Griechenlands?

    So krass es klingt, Griechenland wird ein Land mit Tendenz zum Drittweltland.
    Das wissen die Volkswirte schon seit längerem.

    Einziger Ausweg: Schulden streichen, Regierung und Militär auswechseln – Neuanfang.

  7. Ottfried Storz
    19. Januar 2012, 10:00 | #7

    @Roman:
    Deine Anteilnahme ehrt dich.
    Aber dir fehlt Griechenlanderfahrung.

    Warum wird das Land angeblich „ausgenommen wie eine Weihnachtsgans“ ?!
    Der Strommonopolist war ohnehin defizitär, das hat sich 2011 zudem deutlich verschlechtert.
    Griechenland ist in der EU letzter hinsichtlich Wettbewerb, was du an jeder Ecke merkst. Warum wohl kosten Pakete das x-fache dessen, was es im Ausland kostet ? Warum gibt es kaum Discountketten ? In England kannst du seit 15 Jahren, in Deutschland und Frankreich seit 10 Jahren für 1 Cent/minute ins Ausland telefonieren. In Griechenland kostet das unverändert mehr als das Zwanzigfache ! Strom kannst du hier nur vom Monopolisten bekommen, die Monatsanschlußpauschale beträgt ebenfalls das x-fache dessen, was man außerhalb Griechenlands zahlt.

    Unkentnis leider auch beim Parteiensystem: Eine neue Regierung hilft in Griechenland kaum, denn das Selbstständnis griechischer Politiker orientiert sich nicht an Gemeinwohl-Prinzipien.

    Vielmehr an total realitätsfernen Ideologien auf der extrem starken linken Seite (aktuell über 25-30 Prozent in Umfragen !) mit KKE und SYN oder der rechten Seite mit der nationalistischen LAOS (Wirtschaftskompetenz: Null. Aber Hauptsache, Griechenland beharrt in der Mazedonienfrage, Außerdem ist die Türkei böse, jedes Entgegenkommen ist Verrat).
    Die ND (CDU-Gegenstück) ist genauso korrupt wie die Pasok, nur wohl deutlich realitätsferner, weil weg von der Regierung.
    Griechenlands Parteien sind nach meinem Erleben ganz anders, als in xxx-anderen Ländern: Das Gemeinwohlprinzip ist fast allen total nachrangig. Vielmehr geht es um Posten und Ideologien.

    Fazit: Für Griechenland ist relativ egal, wer von denen an die Regierung kommt.
    Deren Bestrebungen sind Pöstchen, Pöstchen, Pöstchen – und nicht, Griechenland besser zu machen.

  8. mazu
    29. Januar 2012, 19:04 | #8

    @Apateonas

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,812081,00.html
    soviel zu Deinen Leckerlies. Investoren scheinen ja nicht gerade Schlange zu stehen.

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