Griechenlands Schwert ist eine Wasserpistole

17. November 2011 / Aktualisiert: 30. Juni 2013 / Aufrufe: 658

In Griechenland ist spätestens seit Amtsantritt des kommissarischen Premierministiers Lukas Papadimos allgemein klar, dass dem Land keine Optionen mehr verbleiben.

Der neue bzw. kommissarische griechische Premierminister Lukas Papadimos, dem am vergangenen Mittwoch (16.11.2011) das Parlament wie erwartet mit überwältigender Mehrheit das Vertrauen aussprach, stellte in einer gleichermaßen nüchternen wie überzeugenden Ansprache klar, dass Griechenland fortan keinerlei weitere Optionen mehr verbleiben, als sich entweder um jeden Preis seinen Gläubigern zu fügen oder den Staatsbankrott in Kauf nehmen und auf die eine oder andere Weise aus der Eurozone ausscheiden zu müssen.

Den Umstand, dass sich ausgerechnet jetzt wieder einmal der ehemalige Premierminister Kostas Simitis öffentlich zu Wort meldete, aber auch die Tatsache, dass der kommissarisch eingesetzte neue Premierminister Lukas Papadimos ohne jeden Zweifel in die Fälschung der volkswirtschaftlichen Daten involviert war, auf deren Basis Griechenland in die Eurozone aufgenommen wurde, kommentiert Chefredakteur Panos Kolokotronis der Zeitung „Vradyni“ in einem Artikel, der am 16.11.2011 publiziert wurde und nachstehend in deutscher Übersetzung wiedergegeben wird.

Das Schwert und die Pistole

Der ehemalige Premierminister Kostas Simitis mag behaupten, Griechenland sei „mit dem Schwert“ in die Eurozone gelangt. (Anmerkung: die griechische Redewendung, etwas „mit dem Schwert“ erreicht zu haben, bedeutet, es sich redlich erarbeitet / verdient zu haben). Die Tatsache, dass seine Reaktion etliche Tage nach der öffentlichen Anprangerung des Landes durch den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy erfolgte, lässt jedoch keinerlei Spielräume für Dementierungen.

Außerdem können wir die Reaktion des Herrn Simitis alles andere als seriös charakterisieren, der in dem Bestreben, die französische Leserschaft der Zeitung „Le Monde“ davon zu überzeugen, dass „Griechenland Europa nicht betrog“, als es der Eurozone beitrat, gegen die Politik der Nea Dimokratia (ND) wetterte und – in dem Versuch, die griechische Blöße in Vergessenheit gelangen zu lassen – die Hoffnung ausdrückte, dass „die Einwände bezüglich der statistischen Daten reiferen Überlegungen hauptsächlich darüber weichen werden, wie wir die erforderlichen Verhältnisse für die gemeinsame Existenz von Staaten mit differentem Entwicklungsniveau in einer gemeinsamen Währungszone schaffen“!

Kurz gesagt, der ehemalige Premierminister verheimlicht systematisch seine Verantwortung für die Vereinbarung mit der Goldman Sachs, damit sie einen Teil der griechischen Verschuldung in einem Versuch „verschwinden“ lässt, dass das Land alle Kriterien für seinen Beitritt zur Eurozone erfüllt. Und für diese Vereinbarungen war nicht nur Herr Simitis verantwortlich, sondern auch der Technokrat, der damals die Zügel der Griechischen Bank inne hatte und heute die Zügel des Landes führt, nämlich Herr Lukas Papadimos – was in der inländischen Berichterstattung im Kleingedruckten untergeht, in den internationalen Massenmedien jedoch besonders betont wird.

Griechenland war niemals ein produktives und wetbbewerbsfähiges Land

Herr Simitis beharrt natürlich darauf, seine Entscheidungen von jeder Schuld freizusprechen, und bürdet die Last des griechischen Bankrotts der Regierungsperiode des Herrn Kostas Karamanlis auf. Und es ist eine Tatsache, dass niemand frei von Verantwortung ist … . Jedoch kann die logistische Alchemie des Herrn Simitis und seiner damaligen Minister (von denen viele auch das heutige Kabinett bilden) nicht mit den späteren volkswirtschaftlichen Misserfolgen verglichen werden. Weil es nicht das selbe ist, die öffentlichen Gelder nicht vernünftig verwalten zu können oder aber bewusst die volkswirtschaftlichen Daten zu verfälschen.

Letztendlich war Herr Giorgos Papandreou derjenige, der die Griechen als unglaubhaft charakterisierte und das Unmögliche möglich machte, damit das Land in die Umarmung des Internationalen Währungsfonds geführt wird. Und zum Pech derHerren Simitis und Papadimos war es die Politik des Herrn Papandreou, welche die Schulden enthüllte, die ihre liebe Goldman Sachs „versteckte“.

Seien wir realistisch … . Griechenland war niemals ein produktives und wettbewerbsfähiges Land. Der Beschluss über seinen Beitritt zum Euro war politisch. Wir traten also nicht mit unserem Schwert, sondern mit einer … Wasserpistole bei. Nur, wenn wir die Wasserpistole ziehen, halten die wirtschaftlich Starken einfach die (echte) Pistole dagegen.

((Quelle: Vradyni)

  1. Pantelis B.
    17. November 2011, 20:38 | #1

    Weiter so Griechenland! Erst wird Papandreou „abgesägt“ und jetzt Papadimos misskerditiert. Sollen die Ihren Hut nehmen, die versuchen dem Volk die Augen zu öffnen, oder diejenigen die sich seit Jahrzehnten -nichtssagend- bereichern? Die „Lunte“ HELLAS brennt schon lange! Nun, wo den netto_EU_einzahlern bekannt ist, dass die Zündschnur fast abgebrannt ist, melden sich plötzlich die brutto_EU_abzocker zu Wort??!!

    Mitsotakis, Simitis, Karamanlis und allen vorrangegangenen Profiteuren sei gesagt: In den ersten drei Tagen seiner Amtszeit hat Loukas Papadimos bereits zwei Prommisteuersünder verhaften lassen!!!
    Die beiden Herren schulden dem Staat min. so viel, wie 3000 Kleinstrentner (an Immobiliensonderaufschlagssteuer) kommuliert. Den Armen wird vor Weihnachten der Strom abgedreht, sollten sie diese Abgaben nicht entrichten können!

    Papadimos erinnert die DEI das diese selbst noch 150.000.000,00 € Steuerschulden beim Staat hat, woraufhin diese wieder ihre Gewerkschaft aktiviert und nun soll er auch abdanken?

    Wach auf Griechenland!

  2. Helmut K.
    18. November 2011, 14:04 | #2

    Es ist unbedingt erforderlich, dass neben dem „Sparprogramm“ der TROIKA ein „Investitonsprogramm / Industrialisierungsprogramm“ mit der EU vereinbart wird. Nur wenn der Wirtschaftskreislauf wieder in Gang gebracht worden ist funktioniert der Schuldenabbau und der Wiederaufbau Griechenlands. Einem nackten Mann kann man nicht in die Tasche greifen, das heißt, bei dem ist nichts zu holen!

    Unabdingbar ist eine qualifizierte Verwaltung, die meines Erachtens am besten aus jungen Abiturientinnen/Abiturienten herangebildet werden sollte. Dabei muss es sich um stolze und pflichtbewusste Griechinnen und Griechen handeln, die mit modernsten Mitteln alles daran setzen, dass der Staat einerseits die ihm zustehenden Steuern erhält und anderseits denjenigen zinsgünstige Kredite zur Verfügung stellt, die ein mittelständisches Unternehmen aufbauen wollen. Die meisten Arbeitsplätze befinden sich in diesen Unternehmen.
    Griechenland könnte bei konsequenter Vorgehensweise zu einem „Musterland“ werden, zumal es nur ca. 12 Millionen Einwohner hat.

    Es ist viel zu tun, packen Sie es an!

  3. 18. November 2011, 16:04 | #3

    Wie kann der Mann an die Regierungsspitze gesetzt werden. War der vorher im Parlament? Wenn nicht, lässt die gr. Verfassung es zu, dass ein ungewählter Mann die macht an sich reisst? Warum klagt niemand dagegen?

  4. admin
    18. November 2011, 16:32 | #4

    @EuroTanic
    Selbstverständlich erfolgte die Berufung des Technokraten Lukas Papadimos in die Position des kommissarischen Premiers und die Bildung der Übergangsregierung verfassungskonform.

  5. Ausgenz
    20. November 2011, 15:04 | #5

    Zum Thema „greek statistics“ und ob Griechenland wie Simitis behauptet
    tatsächlich mit dem „Schwert“ , in die
    Euro-Zone gekommen ist, hier ein Link zur Eleftheropia:
    http://www.enet.gr/?i=news.el.oikonomia&id=327381

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