Verheimlicht die Regierung in Griechenland Verpflichtungen?

7. Oktober 2011 / Aktualisiert: 01. Juli 2013 / Aufrufe: 1.464

Der Disput um die Senkung der gesetzlichen Mindestlöhne in Griechenland erweckt erneut den Anschein, dass die Regierung dem Volk eingegangene Verpflichtungen verheimlicht.

Die am vergangenen Montag (03.10.2011) von der Troika gegenüber Arbeitsminister Jorgos Koutroumanis auf den Tisch gebrachte Forderung nach Abschaffung des nationalen Manteltarifvertrags in Griechenland und Senkung der Mindestlöhne auf dem privaten Sektor soll von dem griechischen Premierminister Jorgos Papandreou mit der Phrase kommentiert worden sein, „Griechenland wird nicht Indien werden„. Andererseits erklärte allerdings Finanzminister und Regierungsvertreter Evangelos Venizelos, die Regierung untersuche alle Faktoren, welche „die Wettbewerbsfähigkeit der griechischen Unternehmen beeinflussen„.

Ob die Forderung der Troika nach Freigabe der gesetzlichen Mindestlöhne wirklich wie „eine Bombe aus heiterem Himmel einschlug“ oder möglicherweise doch zu den Maßnahmen zählt, zu denen sich die Regierung im Rahmen einschlägiger Vereinbarungen gegenüber den Gläubigern Griechenlands verpflichtet hat, fragt sich Chefredakteur Panos Kolokotronis der griechischen Zeitung “Vradyni” in seinem Artikel, der am 05. Oktober 2011 in der Kolumne “Zeichen der Zeit” publizierte wurde und nachstehend in deutscher Übersetzung wiedergegeben wird.

Das Glas läuft über

Der Premierminister soll neulich erklärt haben, dass Griechenland nicht Indien werden wird, und meinte damit eindeutig, dass die Griechen nicht die billigen Arbeitskräfte Europas werden. Wenn und sofern diese Intervention wahr ist, überrascht sie uns allerdings, weil klar ist, dass er mit seiner Regierungspolitik genau darauf abzielt.

Zu einer Stunde, wo das Versicherungssystem ab dem Zeitpunkt zusammenbricht, wo der Staat die Versicherungsträger nicht finanzieren möchte – und unter den gegenwärtigen Umständen volkswirtschaftlicher Disziplin auch nicht kann -, und zu einer Stunde, wo die Arbeitslosigkeit explosive Dimensionen annimmt und erwartet wird, dass sie in den nächsten Monaten nach dem Beschluss über Zwangsbeurlaubungen und Entlassungen noch weiter hochschnellen wird, kommt die Regierung und hänselt hinsichtlich der Minderung der Löhne auf dem privaten Sektor erneut das Volk. Die Troika verlangt billige Arbeitskräfte und die Regierung sputet sich, dem zuzustimmen.

Und wir behaupten, dass sie sich sputet, da nunmehr klar ist, dass selbst auch dieser Schlag gegen die griechische Gesellschaft vorab beschlossen war. „Wir werden nicht Indien werden“ stellt außer einer Phrase rassistischen Inhalts eine weitere Lüge aus dem Mund des Herrn Jorgos Papandrou dar. Außerdem signalisierte zu dem selben Zeitpunkt, wo „unser guter“ Premierminister erscheint und „rote Linien“ zieht, der Regierungsvertreter auf dessen Anweisung, dass „die Regierung jeden Faktor untersucht, der die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen beeinflusst“ und „den Dialog der sozialen Partner ermuntert“.

Lohnkürzungen statt gesundem wirtschaftlichen Umfeld

Er sagt uns also ins Gesicht, dass die griechischen Unternehmen nicht durch ein gesundes wirtschaftliches Betriebsumfeld mit Steuersenkungen und allem anderen, was eine ernsthafte unternehmerische Investition voraussetzt, sondern dadurch gerettet werden, nach freiem Ermessen drastisch die Löhne zu senken.

Abgesehen von allem übrigen fordert er außerdem indirekt, jedoch eindeutig den Vorsitzenden der GSEE zur Teilnahme an einer neuen Dialogrunde auf: immerhin wäre es vorzuziehen, die Zustimmung der GSEE zu haben anstatt es so aussehen zu lassen, dass unsere sozialistische Regierung im Alleingang Gesetze für unpopuläre Maßnahmen erlässt.

Die Verantwortung des Herrn Papandreou ist schwerstens. Er mag wo und wann immer möglich seine Rücktrittsabsichten dementieren, jedoch ist der Spielraum sowohl für ihn selbst als auch für bestimmte ihn umgebende „Superhirne“ bereits eng geworden. Weil es eine Sache ist, im verschwenderischen Staat aufzuräumen – in der Praxis bewirken die Entlassungen auf dem öffentlichen Sektor nicht auch eine drastische Senkung der kontinuierlich steigenden Ausgaben -, und eine andere, dermaßen grob in den privaten Sektor der Wirtschaft einzugreifen, von dem Sie, Herr Premierminister, als Staat Einnahmen erwarten und der letztendlich nicht für die schlimme Lage verantwortlich ist, in welche Sie das Land gelenkt haben.

Sie schulden dem Volk die volle Wahrheit und keine Halbwahrheiten. Sie schulden dem Volk, das Sie an der Nase herumführten um ihm seine Stimme abzulocken, die Wahrheit und keine „durchsickernden Verlautbarungen“ aus der Regierung. Wenn Sie ein Ehrgefühl haben – weil Sie sich bezüglich der anderen häufig darauf berufen haben -, zeigen Sie sich öffentlich und geben Sie die Verpflichtungen bekannt, die Sie bei Ihren internationalen Gesprächen übernommen haben. Weil das Volk nicht mehr lange darin fortfahren wird, Sie weiterhin zu dulden.

(Quelle: Vradyni)

  1. Mark
    7. Oktober 2011, 11:19 | #1

    Die Regierung verheimlicht natürlich geheime Verpflichtungen genauso wie die Opposition. Nämlich das alle Bluten müssen bis es nicht mehr geht bevor endlich die Beamten und die korrupte Klientel von beiden Bluten müssen.

    Natürlich sind die Löhne in Griechenland zu hoch. Die müssen weiter runter. Die griechische Wirtschaft muss die Ausgaben des Landes erwirtschaften. Es gibt kein Anrecht auf einen westlichen Lebensstandard nur weil man glaubt man gehöre dazu.
    Man muss sich diesen erarbeiten und nicht ergaunern.
    30 Jahre lang haben die Griechen die EU Gelder genossen und sehr,sehr wenig daraus gemacht. Damit hat man auch den allerletzten Philhellenen vergrätzt.
    Es geht anscheinend für die Griechen wieder zurück auf Los. Zu 100% selber Schuld und deswegen Game Over!

  2. Apateonas
    7. Oktober 2011, 17:17 | #2

    Wenn der Hr. Kolokotronis Recht haben sollte, dann gilt ein doppeltes PFUI! Troika + Regierung!
    Mich würde es nicht wundern, wenn das Volk irgendwann anfängt die Reichen zu Plündern.

    @ Mark
    Dein Kommentar im vorigen Thread war erheblich durchdachter, als dieser hier.
    Die Löhne vieler, nicht aller, Staatsangestellter sind zu hoch (im Verglsich mit der Privatwirtschaft)!
    Wie ich schon gepostet habe gibt es Anscheinend noch Angestellte, die 3.000 – 5.000 EUR „bekommen“! Im deutschen Fernsehen war ein Drehteam bei der OSE in einem Zug unterwegs. Im Führerhaus waren zwei Lokführer und am anderen Ende saß noch einer! keiner wollte sagen, was er „bekommt“! So siehts aus. Der durchschnittliche Arbeiter bekommt zu WENIG, mit 600 – 800 EUR!

  3. Mani LA
    7. Oktober 2011, 18:56 | #3

    Was hat denn Papa III. gegen Indien? Duldsames Volk, Wirtschaftswachstum, Familienclan-Oligarchien, englischsprechende Oberschicht: müsste ihm doch gefallen? Hat er sich nicht getraut, „Philippinen“ auszusprechen, das ferne Seemanns- und Inselreich, das den Griechen ebenfalls noch in Erinnerung ist durch Annahme von Billigjobs?

    Ob Indien oder Philippinen, die globale Elite plant für früher oder später ohnehin die Nivellierung auf Weltniveau für alle im Westen – ausser für sich selbst und damit auch die Papandreous (meint er).

  4. Mark
    8. Oktober 2011, 02:33 | #4

    @Mani LA
    Wer ist den Bitte die globale Elite ??? Gibts da Namen außer die berühmten Bilderberger oder ähnlich geartete Geschichten ?

    @ Apateonas
    Der öffentliche Sektor ist in Griechenland zu groß, zu schlecht, zu korrupt und zu teuer.

    Wie bitte soll dieses Dillemma gerecht gelöst werden ? Wo gehobelt wird fallen nun mal Späne!

  5. Mani LA
  6. KClemens
    11. Oktober 2011, 12:40 | #6

    Apateonas :Wenn der Hr. Kolokotronis Recht haben sollte, dann gilt ein doppeltes PFUI! Troika + Regierung!Mich würde es nicht wundern, wenn das Volk irgendwann anfängt die Reichen zu Plündern.
    @ MarkDein Kommentar im vorigen Thread war erheblich durchdachter, als dieser hier.Die Löhne vieler, nicht aller, Staatsangestellter sind zu hoch (im Verglsich mit der Privatwirtschaft)!Wie ich schon gepostet habe gibt es Anscheinend noch Angestellte, die 3.000 – 5.000 EUR “bekommen”! Im deutschen Fernsehen war ein Drehteam bei der OSE in einem Zug unterwegs. Im Führerhaus waren zwei Lokführer und am anderen Ende saß noch einer! keiner wollte sagen, was er “bekommt”! So siehts aus. Der durchschnittliche Arbeiter bekommt zu WENIG, mit 600 – 800 EUR!

    gibt es das wirklich, lokführer mit einem gehalt von 3-5.000€ in griechenland.

    mit verlaub, das halte ich für eine ganz fette ente, die man vornehmlich dem deutschen publikum serviert, zur ankurbelung des stresslevels.

    ich weiß nicht, wie genau die foristen hier über die gesetzgebung zu hartz-4 in deutschland sind, aber schon 2005 brüstete sich der damalige kanzler gerhard schröder auf dem weltwirtschaftsgipfel in davos, nach einführung dieser gesetze den „größten niedriglohnsektors europas“* geschaffen zu haben.

    * original zitat

    hartz-4 ist eine nachfolgeleistung des arbeitslosengeldes, das nunmehr nur 1 jahr gezahlt wird. danach muss sämtliches vermögen bis zu einer „schongrenze“ von 250€ pro lebensjahr erst einmal verbraucht werden, bevor man diese leistung beantragen kann.

    ältere menschen, die z.t. mehr als 30 jahre gearbeitet haben werden personen, die niemals gearbeitet gleichgestellt, was die höhe der leistungen betrifft. haben sich menschen z.b. ein sparguthaben erarbeitet, sei es als altersvorsorge oder als studienvorsorge für die kinder, muss diese ebenfalls bis auf das schonvermögen „verfuttert“ werden.

    leben nicht verheiratete paare zusammen, und einer der beiden muss hartz-4 beantragen, wird das einkommen und vermögen des nichtverheirateten partners herangezogen. liegt das über der bemessungsgrenze (kenne ich derzeit leider nicht), bekommt der partner keinerlei staatliche leistungen und hat auch keine krankenversicherung mehr.

    im gegenzug werden nicht verheiratete paare aber steuerlich wie einzelpersonen behandelt, und können nicht wie ehepaare das sogenannte ehegattensplitting anwenden.

    die hartz-4 leistungen betragen zur zeit für einzelpersonen €364,– pro monat, zzgl. der kosten für eine angemessene wohnung. was angemessen ist, ist nicht in euro und cent festgelegt, sondern wird von bundesland zu bundesland unterschiedlich bewertet. in der regel darf man als single in hartz-4 keine wohnung haben, die mehr als 1 zimmer plus bad und küche hat. es ist schon zu zwangsumzügen gekommen, da hartz-empfänger in einer 2-zimmer wohnung wohnten, obwohl diese preiswerter waren als 1-zimmer wohnungen.

    der antrag auf hartz-4 muss alle 6 monate neu gestellt werden. die arbeitsämter, auf neudeutsch nun jobcenter, haben weitgehende befugnisse, um die antragsteller zu kontrollieren. so werden von den jobcentern regelmässig kontenabfragen der antragsteller vorgenommen, die ursprünglich einmal nur der terrorabwehr dienen sollten, und nur dazu ein placet des parlaments bekommen haben.

    handelt es sich um eine familie in hartz-4-bezug, so wird auch das „einkommen“ der minderjährigen kinder akribisch kontrolliert. gerichte mussten bereits mehrfach gegen die jobcenter urteilen, daß sie nicht berechtigt sind, geldgeschenke von verwandten, z.b. anlässlich kommunion, firmung, weihnachten oder geburtstagen als einkommen zu werten.

    dies wurde nämlich getan, und man hat diese „einkünfte“ der kinder von der gesamtzahlung für die familie als „einkommen“ abgezogen.

    arbeitslose, die hartz-4 erhalten, und älter als 58 jahre sind, fallen automatisch aus der arbeitslosenstatistik heraus. ebenso alle jüngeren, die in irgendeiner der unzähligen „beschäftigungsmaßnahmen“ eingebunden sind, oder einen sogenannten 1€-job haben. sie dürfen sich ohne sich dies abziehen lassen zu müssen, einen stundenlohn von einem euro haben. bekämen sie zwei euro pro stunde, würde davon ein euro wieder abgezogen.

    und so sinkt die deutsche arbeitslosenstatistik, von monat zu monat, während auf der anderen seite die zahl der hartz-4 anträge von monat zu monat steigt. das ist das geheimnis des „deutschen wirtschaftswunders 2.0“.

    wer eine von jobcenter angebotene arbeit wegen zu geringer zahlung oder überqualifizierung (lehrer/lehrerin soll für 5€ die stunde im callcenter arbeiten) ablehnt, bekommt ca. 30% von seiner hartz-4 leistung abgezogen. junge arbeitslose unter 25 jahren bekommen sofort eine vollsperre, auch schwangere frauen, die aufgrund ihrer fortgeschrittenen schwangerschaft z.b. nicht mehr schwer körperlich arbeiten können.

    deutschland im jahr 2011.

    warum erzähle ich das?
    weil in deutschland sich nach der jahrtausendwende in windeseile vom im grundgesetz
    verpflichteten sozialstaat verabschiedet und sich der sogenannten neoliberalen lobby kampflos ergeben hat. im eifer sich dieser lobby anzudienen, verstösst man seit jahren gegen das grundgesetz (verfassung), in dem man das recht auf freie berufswahl mit hartz-4 defakto schon abgeschafft hat.

    deutschland war hier vorreiter und sollte, das ist meine persönliche meinung, auch der motor für die anderen €-länder sein, ebenfalls sozialen kahlschlag zu betreiben. das hat „friedlich“ nicht funktioniert, also wird nun der (finanz)hammer ‚rausgeholt.

    traurige grüsse aus berlin!

    p.s. ich empfehle mal, den erfinder dieser gesetzgebung, herrn peter hartz zu googeln, sofern er nicht schon bekannt ist.

    http://www.griechenland-blog.gr/2011/verheimlicht-die-regierung-in-griechenland-verpflichtungen/5784/#comments

  7. Apateonas
    11. Oktober 2011, 17:51 | #7

    @ KClemens
    Aus welchem Grund sollte ich hier eine „ganz fette Ente“ posten??
    Lesen sie doch selber:
    http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,770889,00.html

    Die OSE (Organisation der Eisenbahn Griechenlands) ist einer, der Staatasbetriebe, die mit sage und schreibe 1,26 Milliarden von Euros in der Kreide stehen. Vielleicht unter anderem aus dem Grund, der zu hohen Gehälter:
    http://www.handelsblatt.com/politik/international/griechenlands-schuldner-koennen-nicht-zahlen/4593180.html

    Was ihre Hartz4 Belehrung mit diesem Thema zu tun haben soll weiss ich nicht. Ich kenne diese Geschichte.

  8. KClemens
    11. Oktober 2011, 21:17 | #8

    Apateonas :@ KClemens Aus welchem Grund sollte ich hier eine “ganz fette Ente” posten?? Lesen sie doch selber: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,770889,00.htmlDie OSE (Organisation der Eisenbahn Griechenlands) ist einer, der Staatasbetriebe, die mit sage und schreibe 1,26 Milliarden von Euros in der Kreide stehen. Vielleicht unter anderem aus dem Grund, der zu hohen Gehälter: http://www.handelsblatt.com/politik/international/griechenlands-schuldner-koennen-nicht-zahlen/4593180.htmlWas ihre Hartz4 Belehrung mit diesem Thema zu tun haben soll weiss ich nicht. Ich kenne diese Geschichte.

    ich habe ja nicht gesagt, daß sie eine fette ente gepostet haben, sondern daß ich (persönlich) das für eine fette ente halte.

    den artikel im SPON kenne ich auch. und ich kann mich auch an einen tv-bericht erinnern, in dem gesagt wurde, daß lokführer in griechenland €7000 verdienten. egal ob brutto oder netto, das ist mehr als das doppelte, als das was lokführer (oder generell erfahrenes eisenbahnerpersonal) in deutschland verdient.

    ich weiß nicht, ob sie in griechenland leben. ich lebe in deutschland, und hier wird uns immer erzählt, wir verdienten zuviel und seien nicht wettbewerbsfähig deshalb. das erzählt man uns seit der wiedervereinigung im jahr 1990. und seit 1990 sind die gehälter im flug nach unten, aber deutschland ist jedes jahr exportweltmeister und die leistungsstärkste volkswirtschaft in europa.

    aber nur deshalb, weil es hier millionen von arbeitnehmern gibt, die vollzeit (also mehr als 35 stunden/woche) arbeiten und dafür nicht mehr als 500-600€ gibt. warum? der staat zahlt ja was dazu, über hartz-4.

    es gibt hier in ostdeutschland für das friseurgewerbe z.b. tarifverträge zum stundenlohn von 3.50. brutto! im westen bekommt eine friseurin in der stunde so um die 5€. auch brutto.

    mich bewegt eher die frage, ob lokführer in griechenland tatsächlich so hohe gehälter bekommen, und ob die durchschnittliche rente in griechenland 1.500€ beträgt, wie man uns in deutschland erzählt. und ob es stimmt, daß niemand in griechenland steuern bezahlen würde.

  9. Apateonas
    12. Oktober 2011, 13:56 | #9

    @ KClemens
    Ich pendle zwischen GR und D, bin aber mehr in GR.
    Ab und zu werfe ich auch einen Blick in das bekannteste deutsche Revolverblatt (BLÖD), aber nur um zu sehen, welche Irreführende Propaganda dort verbreitet wird.
    Wenn sie den SPIEGEL Artikel kennen, würde ich ihnen empfehlen weiter dort zu lesen. Es gibt viele neutralere Berichte im Internet als die von BLÖD, es wird dort fast immer mit Halbwahrheiten gehandelt.
    Zu den Renten (ist übrigens eine Gegendarstellung zu BLÖD):
    http://www.readers-edition.de/2010/05/01/bild-luxus-renten-in-griechenland/

    Was das Steuerzahlen angeht, stimmt es leider, dass es ein tiefverwurzeltes Problem darstellt. Dazu können sie aber auch leicht Infos hier oder im Netz finden.
    Die Mindestlöhne in D sind ein anderes Thema. Da muss ich ihnen absolut Recht geben. Es ist eine Unverschämtheit, was den neuen Bundesländern versprochen wurde und bis heute nicht gehalten! Ich habe dem Kohl-Kopf nie vertraut, und wie es sich zeigt, hatten die alle (Schreiber&Co) Dreck am Stecken. Wenn es sie etwas tröstet, hier in GR arbeiten Leute noch für weniger als 3,50 € die Stunde.

  10. KClemens
    12. Oktober 2011, 17:14 | #10

    @Apateonas,

    nein, das tröstet mich nicht, daß die leute in GR für noch weniger als 3.50€ die stunde arbeiten (müssen). was mich höchstens trösten könnte, wäre, wenn die menschen in GR, die für so ein geringes gehalt arbeiten (müssen) nicht auch noch als loser, schmarotzer und minderperformer, bzw. als faules pack von den eliten in den medien beschimpft würden.

    bei uns ist das nämlich tägliche kost. falls sie sich erinnern, so wie merkel auf die faulen griechen geschimpft hat. das hören sich unsere geringverdiener, arbeitslosen und rentner seit jahren an. daß sie im grunde genommen überflüssige kostgänger seien, die sich eine „moderne“ gesellschaft besser erst gar nicht leisten sollte.

    auch readers edition ist mir wohlbekannt, aber mittlerweile bin ich derartig mißtrauisch, daß auch informationen von mir genehmen webseiten hinterfrage. nur leider hat man nicht immer die zeit, jede meldung zu hinterfragen.

    so weiß ich z.b. nicht, wie viel geld GR an die hand genommen hat, um nach der lehman-pleite griechische banken zu stützen und ob es wie in deutschland konjunkturprogramme des staates gab. und wenn ja, welche und in welchem umfang.

    in D ist die öffentliche meinung eher die, daß hier erneut ein gigantisches und endloses bankenrettungssystem installiert werden soll, während die veröffentlichte meinung immer nur vom untergang europas (inklusive verbalem kriegsgerassel) faselt, wenn der € scheitere.

    das ist natürlich quatsch, da es ja innerhalb der EU etliche länder gibt, die den € gar nicht haben. EU fand ich immer gut, den € hätte man gar nicht erst einführen sollen. ich weiß nicht, wie es in GR war, aber in D war der wechselkurs DM:€ knapp 2:1, was natürlich das umrechnen enorm erleichtert hat.

    da war die überraschung dann groß, daß nach einer schamfrist tomaten plötzlich umgerechnet an die 12DM pro kilo kosteten, oder anderes gemüse wie paprika, oder obst wie erdbeeren ebenfalls. die preise, die es früher in DM gab, gibt es jetzt auch noch, nur daß jetzt eben ein €-zeichen davor steht. macht mal schnell eine satte verdopplung der preise für das, was man mehrheitlich braucht, und das sind z.b. lebensmittel.

    und wenn ich jetzt daran, denke, daß über den umweg „griechenlandhilfe“ in brüssel nur zentralistische strukturen wie anno dunnemals im ehemaligen ostblock installiert werden sollen, schaudert es mich. demnächst bestimmt brüssel dann, wer was wo produziert oder anbaut. und da wir ja alle innerhalb der EU „frei“ arbeiten können, wird es nicht lange dauern, bis in deutschland dann die ersten arbeitslosen zum arbeiten ins ausland schickt. wehren können sich die hartz-4-ler ja nicht, sonst geld gestrichen.

    am meisten erschüttert mich, wie mit lockerer hand parlamentarische und demokratische regeln ausser kraft gesetzt werden und dann hinterher unser BVerfG das dann wieder gerade rücken muss, in dem es verabschiedetet gesetze pulverisiert.

    aber wie sagte schon frau merkel auf der 60-jahr feier der CDU? man habe eben kein andauerndes anrecht auf demokratie.

    und was sagt die presse? nix………….

  11. marita
    12. Oktober 2011, 17:26 | #11

    @ Mark
    sagt mal ihr oberschlauen, lebt eigentlich einer von euch selber in griechenland, und kennt ausser der berichterstattung in deutschen zeitungen , die wahren lebensverhaeltnisse hier????? ich lebe hier, ich bin arbeitslos und finde zur zeit kenne anstellung mehr, das gehalt meines wurde gerade um 15% gekuerzt, wir mussten anfang des jahres schon umziehen, damit wir die miete und alle anderen kosten von einem gehalt bestreiten koennen.
    wenn ihr mit 1000 euro alles bezahlen koennt ohne ewig zu jammern, erst dann habt ihr das recht ueber den normalen griechen zu richten.
    ich wuensche mir das der ganz einfache arbeiter endlich wach wird und den mut besitzt gegen diese korupten oberpolitker aufzustehen, erst sollen doch mal die zahlen die dieses schoene land in den abgrund getrirben haben, bevor es weiter den kleinen man trifft.
    enteignet erst die politker und dann die kirche, dann koennt ihr von den anderen was verlangen.
    diese einseitige berichterstattung und klugscheisserei geht mir effektiv gegen den strich.

  12. marita
    12. Oktober 2011, 20:53 | #12

    @ KClemens
    die durschnittliche rente hier in griechenland liegt in etwa bei 500-600 euro.
    ich habe einen grossen bekantenkreis, unter anderem auch ein paar beamte oder leute die bei der nationalbank beschaeftigt sind und nicht einer von denen hat ein gehalt das hoeher als 1200 euro ist. ich frage mich echt wo diese falsche bericherstatung herkommt und wer da befragt worden ist.

  13. KClemens
    12. Oktober 2011, 20:55 | #13

    @marita,

    ich dachte, in GR wird andauernd demonstiert. jedenfalls suggerieren das die bilder, die man im deutschen TV serviert bekommt. und immer wenn es ganz kritisch um die banken steht, steht GR lt. deutschen medien kurz vor der pleite, und die demonstrationen werden gewalttätiger.

    so stellt es jedenfalls das deutsche fernsehen dar.

    wenn sie also nun sagen, daß die einfachen arbeiter nicht demonstrieren, wer ist denn dann auf den straßen und demonstriert? uns wird nämlich hier erzählt, daß die griechen andauernd flächendeckend streikten, und es wird suggeriert, die griechen bekämen ihr geld fürs demonstrieren statt fürs arbeiten.

    noch2 fragen an alle, die aus griechenland sind?

    ist es zutreffend, daß angeblich in GR renten vererbt wurden. also wenn der vater starb, bekam dann die tochter oder der sohn die rente.

    ist es zutreffend, daß angeblich in GR hunderttausendfach renten an über 100jährige personen ausgezahlt wurden?

    danke vorab für die antworten und grüße aus berlin!

  14. admin
    12. Oktober 2011, 22:55 | #14

    @KClemens
    a) Speziell staatlichen Beamten bzw. beamteten Bediensteten wird jede Streikstunde vom Gehalt abgezogen.

    b) Renten sind (auch) in Griechenland grundsätzlich nicht „vererbbar“. Speziell die Hinterbliebenen staatlicher Beamten erhielten bzw. erhalten selbst heute noch unter bestimmten Voraussetzungen die Rente des Verstorbenen weiterbezahlt, wobei jedoch inzwischen die Kriterien sehr viel strenger sind und eine Angleichung an die allgemeinen Gepflogenheiten bezüglich der Hinterbliebeneversorgung ansteht.

    c) Die vermutete Anzahl der „unsterblichen“ Rentner der Hauptkassen war im oberen vierstelligen Bereich angesiedelt worden. Mit dem einmal jährlich obligatorisch zu erbringenden „Lebensnachweis“ ist es mit diesem Spuk jedoch vorbei, außerdem gehen inzwischen die Kassen sowohl straf- als auch zivilrechtlich gegen die enttarnten Sozialschmarotzer vor.

  15. KClemens
    13. Oktober 2011, 12:41 | #15

    @marita und admin,

    herzlichen dank für eure informationen. ich unterstelle, diese informationen liegen auch den deutschen medien vor, zumal die darüber hinaus auch noch einfacheren zugang zu solchen informationen haben.

    daß diese informationen verfälscht in den deutschen medien erschienen sind, wundert mich persönlich jetzt nicht. denn hier wird keine sendung, keine zeitung und keine online-nachricht ohne seitenhieb auf die „faulen“ und „geldgierigen“ griechen eröffnet, die nur darauf aus seien, die deutschen abzuzocken, um dann mit dem so „verdienten“ leistungsfreien einkommen weiter sirtaki-party am strand zu machen.

    bleibt noch die große gretchenfrage. ist GR tatsächlich kurz vor der pleite, oder ist das ganze eine riesennebelkerze von portugal bis griechenland um einigen banken, und einigen vertretern der „eliten“ weiterhin milliardenboni zu garantieren?

    in den USA gibt es mittlerweile finanzinstitute deren CEOs höhere boni einfahren, als deren unternehmen an staatlichen steuern entrichten.

    nix gegen gute bezahlung gegen gute leistung, aber was kann man tun, damit die leistung all der vielen in europa nicht länger als „peanuts“ oder „minderperfomance“ abgetan und die leistung der menschen nicht weiter entwertet und ihre damit auch demokratische strukturen weiter zerstört werden?

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