Listen der Auslandsanleger in Griechenland werfen Fragen auf

24. Oktober 2011 / Aktualisiert: 12. August 2017 / Aufrufe: 681

Die vertraulichen Listen der Auslandsanleger in Griechenland könnten den Finanzminister gleich doppelt blamieren, da sie weder vertraulich blieben noch zu stimmen scheinen.

Die unter der Auflage strengster Vertraulichkeit von dem griechischen Finanzministerium an das Parlament übermittelten Listen mit den Daten angeblicher Steuerschuldner und Kapitalflüchtlinge (siehe Parlament in Griechenland erhielt Steuerschuldner-Listen) scheinen den Finanzminister gleich zweifach der Lächerlichkeit preiszugeben. Konkret blieben die einschlägigen Daten weder trotz der ausdrücklichen Anweisungen und Vorkehrungen erwartungsgemäß nicht „vertraulich“, noch scheinen sie obendrein alles andere als „zuverlässig“ zu sein.

Laut der Liste, die vor drei Tagen der Finanzminister Evangelos Venizelos dem Parlament übergab, sollen – unter anderen – ein Unternehmer in … Malawi, ein pensionierter Seemann aus Skiathos und der Inhaber eines Elektronikladens im Zentrum von Athen über Auslandskonten mit Millionen Euro verfügen und in Griechenland nur minimale oder gar keine Einkommen deklarieren.

Recherche der „vertraulichen“ Daten wirft ernsthafte Fragen auf

Aus der Suche nach Daten und der weiteren Nachforschung ergeben sich jedoch eine Reihe von Fragen bezüglich der Korrektheit der Liste, weil einerseits viele der Aufgeführten ihre Ahnungslosigkeit und „Überraschung“ über ihre angeführten Guthaben im Ausland erklären und andererseits einige andere dauerhaft im Ausland leben und es sich laut ihren Erklärungen „um Einkünfte aus unseren Unternehmen in anderen Ländern handelt, in denen wir auch unsere primären Steuererklärungen abgeben„.

An der Spitze der Liste des Herrn Venizelos mit den Auslands-Großanlegern posiert der Name des Ch. A., der während der letzten Jahre 18.159.663 Euro auf ausländische Banken geleitet haben soll, während er in seinen Steuererklärungen bedeutungslose Einkommen deklariert. Wie aus anderen Angaben hervorgeht, ist der konkrete Privatmann Eigentümer eines mit elektronischen Artikeln (Funkgeräte, Signalverstärker usw.) handelnden Unternehmens im Zentrum von Athen. „To Vima“ nahm Verbindung zu dem Unternehmer auf, der seine Überraschung erklärte, auf dieser Liste aufgeführt zu werden. Wie er charakteristisch erklärte, „ist es ein Witz zu behaupten, ich hätte ein Konto im Ausland und obendrein mit einem solchen Betrag. Hier kämpfen wir für einen Tageslohn und es ist lächerlich mir zu sagen, ich hätte Spareinlagen von fast 19 Millionen im Ausland. Es ist offensichtlich, dass ein Fehler unterlaufen ist.

Angebliche Großanleger wissen nichts von Auslandsüberweisungen

Als Zweiter auf der Liste des Herrn Venizelos wird der Name des Großanlegers Jorgos T. erwähnt, der ein minimales Einkommen deklariert, jedoch 11.615.838 Euro auf Auslandsbanken haben soll! Aus der Nachforschung ergab sich, dass der konkrete Privatmann in einem Dorf auf der Insel Limnos zu leben erscheint und erklärt, „beschäftigungslos“ zu sein. Aus der Suche nach weiteren Daten ging jedoch hervor, dass es sich um einen von Limnos stammenden 38-jährigen Unternehmer handelt, der seit Jahrzehnten in Malewi lebt, wo er Unternehmen zur Verwertung von Getreide und Tabak und viele andere Aktivitäten hat. Wie ein Verwandter von ihm unterstrich, „kann es nicht sein, dass ein Unternehmer in Afrika in Griechenland der Steuerhinterziehung beschuldigt wird. Alle seine Steuererklärungen gibt er in dem konkreten zentralafrikanischen Land ab, und sein einziges Vermögen in Griechenland sind drei Immobilien auf Limnos„.

Ein ähnlicher Fall scheint der als Dritter auf der Liste des Finanzministeriums angeführte Panagiotis M. zu sein, der in Griechenland mit absolut … keinem Einkommen erscheint, im Ausland jedoch Guthaben in der Größenordnung von 10.000.000 Euro haben soll. Wie aus der Evaluierung der Daten hervorgeht, handelt es sich um einen Privatmann, der vor vielen Jahren in der Straße Stratigou Makrygianni im Athener Stadtbezirk Agia Paraskevi wohnte und in den letzten Jahren in Kanada zu leben scheint und eine andere Privatperson bevollmächtigt hat, seine Steuerangelegenheiten in Griechenland zu betreuen bzw. in Ordnung zu bringen

Beeindruckende Angaben als auch Fragen scheinen laut der Liste, die den griechischen Abgeordneten gezeigt wurde, auch bezüglich des vierten Großanlegers St. F. aufzutreten. Dieser Steuerzahler deklariert spärliche Einkommen, soll jedoch 8.500.000 Euro an Banken im Ausland geschickt haben. Laut neueren Informationen handelt es sich um einen 54-jährigen pensionierten Seemann aus Skiathos, der während der Sommersaison Zimmer auf der Sporaden-Insel vermietet. „To Vima“ setzte sich mit ihm in Verbindung, und er äußerte sich „sprachlos darüber, dass mir ein solcher Betrag bei Banken im Ausland nachgesagt wird. Ich habe kleine Einkünfte aus meiner Rente und der Vermietung von Zimmern. Ich suche um herauszufinden, was passiert ist und ob jemand meine Personendaten verwendet hat, um diese Konten zu eröffnen und darüber so viel Geld zu transferieren.

(Quelle: To Vima)

  1. Zolman
    27. Oktober 2011, 17:05 | #1

    Ich hoffe das die Listen nicht veröffentlicht werden. Es wäre eine Katastrophe wenn unschuldige Händler von einem wütendem Mob angegriffen würden, weil ein Fehler unterlaufen ist. Beispiel der Elektronik-Händler aus Athen.

    Wobei ich erwähnen möchte,es gibt furchtbar viele Hotels,Pansionen in GR wo man halt einfach bar bezahlt. Ich will sagen ohne Rechnung.

    Vielleicht müsste da mal nachgeschaut werden.

    Aber darüber spricht keiner öffentlich oder?

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