Anfangsgehalt für neue Lehrer in Griechenland 575 Euro

10. Oktober 2011 / Aktualisiert: 30. Juni 2013 / Aufrufe: 2.689

In Griechenland soll auf Basis der neuen Besoldungsordnung des öffentlichen Sektors das Anfangsgehalts eines Lehrers ohne vorherige Dienstzeit nur noch 575 Euro betragen.

Lehrer in Griechenland werden sich fortan auf breiter Basis auf „Hungerlöhne“ einstellen müssen, da der Gesetzentwurf, den die griechische Regierung am vergangenen Donnerstag (06.10.2011) dem Parlament vorlegte, ihr erstes Monatsgehalt auf 660 Euro netto kürzt, während das Gehalt  ohne vorherige Dienstzeit neu eingestellter Lehrkräfte auf nur noch 575 Euro im Monat sinkt! Die Kürzung ist um so tragischer, wenn berücksichtigt wird, dass sich das Anfangsgehalt eines Lehrers im Juni 2011 noch auf 1.020 Euro belief.

Die neue Besoldungs- und Beförderungsordnung erzürnte verständlicherweise die Lehrkräfte, die dagegen protestieren, „die am schlechtesten bezahlten Staatsbediensteten nach den Verwaltungsbeamten bei den Ministerien für Verteidigung und Bildung zu sein„.

Der Verband der Lehrkräfte führte an, dass die Lehrer in den beiden letzten Jahren mit der Umsetzung des Moratoriums und des mittelfristigen volkswirtschaftlichen Rahmenprogramms schon 4 Monatsgehälter verloren haben und „in Kombination mit der unerhörten Teuerung bereits in die Verelendung geführt worden sind„. Unterdessen belagerten gestern hunderte mit Zeitverträgen angestellte Universitätsprofessoren gemeinsam mit Studenten zum zweiten Tag das Bildungsministerium in Marousi und forderten die Rücknahme des neuen Rahmengesetztes und die Einstellung von Dozenten an den Universitäten, aber auch das Einschreiten der Staatsanwaltschaft wegen der anhaltenden „Besetzungen“ zahlreicher Schulen und Fakultäten an den Universitäten.

Die Lehrer beklagen ebenfalls, dass Schüler zu Dutzenden in den Zweigen zusammengepfercht werden, die aus den Zusammenlegungen von ungefähr 2.000 Schulen hervorgingen, während sich laut Informationen die Lage möglicherweise noch weiter verschlimmern wird, da das Bildungsministerium unter den neuen Umständen die Möglichkeit weiterer Zusammenlegungen zum Jahresende untersucht.

Während einerseits nach Lösungen für die Klausurperiode gesucht wird, nahmen in der Aristoteles-Universität in Thessaloniki (APTH) die Studenten das Gesetz in ihre eigenen Hände und fordern sogar auch auf gewaltsame Weise Lösungen. In den Universitäten des Landes stehen 63 Abteilungen weiterhin unter Besetzung, während der Besetzung der medizinischen Fakultät auf turbulente Weise ein Ende gesetzt wurde.

(Quelle: Vradyni / S. 11)

  1. Paul Inchen
    10. Oktober 2011, 06:56 | #1

    Na dann reichen die 210 Milliarden für ein Paar lehrer, die auch dringend nötig sind, um den Griechen zu zeigen, wie man RICHTIG arbeitet.

  2. retsina
    10. Oktober 2011, 09:38 | #2

    In dem Artikel über die „armen“ Lehrer wird leider verschwiegen, dass alle Lehrer in Griechenland einen sehr sehr guten Nebenverdienst haben, indem sie Nachhilfeunterricht geben und von dem Geld weder Steuern noch Beiträge zur Sozialversicherung leisten.

    Also kein Mitleid!

  3. Apateonas
    10. Oktober 2011, 11:49 | #3

    Diese Entscheidung, das Anfangsgehalt derart zu senken, kann ich nicht verstehen oder befürworten. Diese Lehrer werden staatlich dazu gezwungen sich einen Nebenjob zu suchen, was sich wohl sicher auch auf Kosten der Schüler auswirken dürfte. Hier ein Beispiel, wo die Zahlen noch anders lauten, und ich mir nicht vorstellen kann, dass dieser Lehrer für seinen Nebenjob Steuern bezahlt, geschweige denn am Montag danach fit für den Unterricht ist:

    http://www.arte.tv/de/content/tv/02__Universes/U1__Comprendre__le__monde/02-Magazines/10__ARTE_20Journal/09_20archives/03_20archives_20toutes_20les_20_C3_A9missions/edition-2010.02.11/REP_20Grece_20Schattenwirtschaft/3062606.html

  4. Monalisa
    10. Oktober 2011, 14:03 | #4

    Ich kenne eine Menge Kinder. Außer den kleinen Albanern gehen fast alle Mittags zur Nachhilfe ins Frontistirio. Man könnte annehmen, die griechischen Lehrer legen es darauf an, mit einem schlechten staatlichen Unterricht die Kinder in die Nachhilfe zu zwingen. Für mich ist der Lehrerberuf der wichtigste Beruf überhaupt. Wer soll sonst professionell die elterlichen und gesellschaftlichen Defizite für die junge Generation ausbügeln. Der Fisch beginnt am Kopf zu stinken, die Gesellschaft in der Schule. Das idiotische leistungsorientierte Schulsystem gehört durch ein Schulsystem ersetzt, in dem soziale Kompetenz und Methodenkompetenz Vorrang vor der Fachkompetenz haben. Lehrer die das leisten gehören auch anständig bezahlt. Das wurde und wird immer noch nicht umgesetzt, weil viele Eltern, welche sich von dem Notenterror bluffen lassen, das nicht erkannt haben und die „Creme“ der Gesellschaft Angst um seine Pfründe hat. Deren Devise ist: „Lieber fachidiotische Arbeitssklaven, als selbstständig denkende und handelnde Bürger.“

  5. Ottfried Storz
    10. Oktober 2011, 19:47 | #5

    In der Schule lernen die Schüler kaum was, weil die Lehrer sich unbedingt in den Frontistirio etwas dazu verdienen müssen. Würden die Schüler bei ihnen in der Schule alles verstehen, würden die Frontistirio nicht mehr gebraucht. Ein weiteres Beispiel für bescheuerte Ineffizienz: Die Schüler verbringen sehr viel Zeit in der Schule. Lernen tun sie aber eigentlich nur nachher in der Frontistirio.

    Dazu paßt auch der ZEIT-Artikel:
    „Wie Griechenland seine junge Elite verprellt
    Griechenlands Universitäten darben. Wer kann, geht zum Studium ins Ausland. Doch kaum einer kommt zurück. Ein enormer Brain Drain deutet sich an.

    …..Laut Schanghai-Ranking ist keine von ihnen unter den 300 besten Universitäten der Welt. Professuren werden oft über Beziehungen statt nach Leistung vergeben. Die mangelnde Qualität geht zu Lasten der Studenten: Kein Land hat so eine hohe Abbrecherquote wie Griechenland. Die, die es schaffen, ihr Studium abzuschließen, sind laut einer OECD-Studie nur schlecht auf den Arbeitsmarkt vorbereitet.

    Wer kann, sucht das Weite: Gemessen an der Bevölkerung fliehen aus keinem Land der Welt so viele Studenten wie aus Griechenland. …..Doch nur 16% kommen nach Auslandsabschluß zurück.
    Alternativen zu den schlechten staatlichen Universitäten gibt es nicht. Artikel 16 der griechischen Verfassung verbietet Studiengebühren für das Erststudium oder Spenden reicher Gönner. Private Universitäten sind damit so gut wie unmöglich……….“

    Siehe http://www.zeit.de/studium/hochschule/2011-08/griechenland-uni-krise

  6. Nikos Remos
    12. Oktober 2011, 16:06 | #6

    Man spricht hier von Lehrern,sprich Grundschullehrern.Kinder der Grundschuhle gehen kaum ins Frontistirio.Frontistirio,sprich Nach- oder Zuhilfeunterricht ist fuer die Schueler des Lyzeums,also 10.,11.,12. Klasse.
    Kaum gibt es fuer einen Grundschullehrer die Moeglichkeit in der Naehe des Elternhauses zu arbeiten,man muss da hin wo Stellen frei sind.So muessen die meisten Grundschullehrer von heute auf Morgen losziehen um eine Stelle am anderen Ende Griechenlands anzutreten.
    Eine kleine Wohnung kostet je nach Ort zwischen 250.- und 300.- Euro.
    Nochwas….. zur Zeit gibt es an den Schulen immernoch keine Schulbuecher und den Schuelern wurde gesagt,wenn sie nicht kalt haben wollen muessen die Eltern dafuer sorgen dass Geld gesammelt wird um Heizoel zu kaufen……..
    Von Aussen mag alles etwas anders aussehen als wenn man mittendrin sitzt.

  7. Sophie
    27. Oktober 2011, 04:59 | #7

    Aber, wenn die Eltern kein geld haben, es gibt kein Frontistirio.

  8. Bernd Müller
    28. Oktober 2011, 11:36 | #8

    Polemische Artikel,warum nennt man Nettogehälter, die kann man am allerwenigsten vergleichen. Desweiteren möchte ich gerne wissen, ob die Systeme überhaupt vergleichbar sind, Refereandare bekommen auch wesentlich weniger in Deutschland. Angstellte Lehrer bekommen im Floatingsystem im Osten Deutschlands unter 1600 € bruttoin Deutschland, also um die 1200 € netto.
    Desweiteren müßte man wissen wieviel die Lehrer in Griechenland als Zuschläge kassieren!

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