Sonderabgabe auf standesamtliche Trauungen in Griechenland

28. September 2011 / Aktualisiert: 24. August 2018 / Aufrufe: 645

In Griechenland schreiten in letzter Zeit immer mehr Gemeinden zur Erhebung zusätzlicher Abgaben und Gebühren für standesamtliche Trauungen.

Auf der ständigen Suche nach immer neuen Einnahmequellen erheben in Griechenland etliche Gemeinden für standesamtliche Trauungen außer den gesetzlich vorgesehenen Gebühren in Höhe von 2 x 16 Euro zusätzliche Abgaben in Höhe von 30 – 160 Euro.

Die Gemeinden begründen diese Praxis mit ihren erhöhten Kosten aufgrund der rapiden Zunahme der standesamtlichen Eheschließungen im Verhältnis zu den kirchlichen Trauungen, was wiederum auch auf die wirtschaftliche Krise zurückgeführt wird. Um die zusätzlichen „Trauungsgebühren“ zu rechtfertigen, werden die Zeremonien teilweise mittels zusätzlicher Leistungen wie Geschenke an die Neuvermählten, Live-Musik, audiovisuelle Effekte usw. aufgewertet.

Nationaler „Heiratstourismus“ wegen hoher Trauungsgebühren

Diese Entwicklung bewirkte allerdings, dass heiratswillige Paare sich aus Kostengründen nicht in ihren Heimatgemeinden trauen lassen, sondern zur standesamtlichen Eheschließung in anderen Gemeinden schreiten, wo außer den gesetzlich vorgesehenen Verwaltungsgebühren in Höhe von insgesamt 36 Euro keine weiteren Abgaben erhoben werden. Damit wurde jedoch ein Domino-Effekt angestoßen, da sich viele Gemeinden gezwungen sehen, ebenfalls zur Erhebung zusätzlicher Gebühren zu schreiten, um den aus benachbarten Gemeinden „importierten“ Eheschließungen entgegen zu wirken – oder eben einfach nur auch die eigene Kasse aufzubessern.

Ebenfalls ist in den meisten Gemeinden, in denen zusätzliche Gebühren etabliert wurden, eine niedrigere Gebühr für Bürger der eigenen Gemeinde vorgesehen als für Auswärtige, während in anderen Gemeinden wie beispielsweise Nea Smyrni zusätzliche Gebühren nur von Paaren erhoben werden, die keine Bürger der Gemeinde sind.

Hinsichtlich der Höhe der zusätzlichen Gebühren schießt jedenfalls die Gemeinde Alexandroupolis den Vogel ab, die hier bereits seit Jahren die eigenen Bürger mit 120 Euro und auswärtige Paare sogar mit 160 Euro zur Kasse gebeten werden. Im vergangenen Juli schritt dann schließlich auch die Nachbargemeinde Soufli zur Erhebung einer zusätzlichen „Trauungsgebühr“ in Höhe von 50 Euro für einheimische und 100 Euro für auswärtige Paare.

Sie kamen zu Dutzenden aus Alexandroupolis, um hier ohne zusätzliche Kosten zu heiraten, und deswegen beschlossen wir, ebenfalls zusätzliche Gebühren zu erheben„, erklärte gegenüber der Zeitung „To Ethnos“ der Bürgermeister der Gemeinde Soufli E. Poulilios.

(Quellen: Ethnos)

  1. Apateonas
    28. September 2011, 12:26 | #1

    Das hört sich ja nach einer Zirkusnummer an:
    Geschenke an die Neuvermählten, Live-Musik, audiovisuelle Effekte
    Bekommt man da auch eine Quittung, wo das alles so angegeben ist??
    Warum nicht gleich ein Gesetz, das verlangt, die Hochzeit im Rathaus, von der Gemeinde überwacht, auszurichten. Dann können die ihre Beamten mal wieder sinnvoll beschäftigen (z.B. als „audiovisuellen Effekt“)! lol

  2. Maria
    28. September 2011, 14:50 | #2

    Ist in anderen Länder auch nicht anderes!

  3. Moppel
    29. September 2011, 23:32 | #3

    Nachstehenden Kommentar fand ich auf einem Forum:

    Die Scheidung wird auf jeden Fall teurer als die höchste Heirats-Sonderabgabe. Insofern bietet die Sonderabgabe noch einmal Gelegenheit, innezuhalten und in sich hineinzuhören, ob die Trauung denn wirklich jetzt sein muss. Gebühren haben immer auch eine steuernde Wirkung. Dann wird eben später geheiratet. Oder bei all jenen, denen schon schwant, dass das ewige Glücksversprechen der Ehe die 160 Euro nicht wert ist, eben nie. Man kann auch ohne Trauschein und den Segen eines angeschlagenen Pleitestaats sehr vertraut miteinander leben.

    Und wer weiss – vielleicht bieten Facebook oder Google+ ja bald für 99 Cent die Smartphone-Heirats-App an. Der Facebook-Freundeskreis muss sich doch noch irgendwie toppen lassen, zum Beispiel durch die Wedding-App. Die Scheidung ist dann auch kein Problem mehr. Einfach in der Facebook-Profilkonfiguration den Status wieder auf Single stellen. So leicht kanns gehen.

    Quelle: http://www.in-greece.de/forum/beitrag/196238-re-sonderabgabe-auf-standesamtliche-trauungen-in-griechenland / Autor: HannesP

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