Neue Abgaben und Steuern für Selbständige in Griechenland

30. Juni 2011 / Aktualisiert: 02. Juli 2013 / Aufrufe: 1.331

Freiberufler, Gewerbetreibende und Unternehmer in Griechenland werden zum wiederholten Mal mit rückwirkenden neuen Abgaben und Sondersteuern finanziell zur Ader gelassen.

Für das Jahr 2010 müssen Freiberufler, Gewerbetreibende und Unternehmen in Griechenland rückwirkend ein neue „Gewerbeabgabe“ in Höhe von 300 Euro zahlen. Ab 01/01/2012 wird sich diese Abgabe analog zu der Anzahl der Einwohner der Stadt des gewerblichen Sitzes auf jährlich 400 oder 500 Euro erhöhen.

Gemäß einem Zusatz, den der Finanzminister kurzfristig zu dem neuen „Mittelfristigen Volkswirtschaftlichen Programm 2011 – 2015“ einbrachte, müssen Freiberufler, Selbständige und Unternehmer die Gewerbeabgabe in Höhe von 300 Euro auch rückwirkend für das Jahr 2010 entrichten, sofern sie Bücher der Klasse B oder C der griechischen „Verordnung über Bücher und Unterlagen“ (KBS) führen bzw. führten.

Sanierungsprogramm fordert Selbständige rückwirkend zur Kasse

Es sei daran erinnert, dass in den ersten von dem Finanzministerium vorgelegten Aufstellungen vorgesehen war, die neue Gewerbeabgabe ab 2012 und nicht bereits im Jahr 2011 zu erheben, während die Bestimmung bezüglich der rückwirkenden 300 Euro für das Jahr 2010 auch nicht in dem mittelfristigen Programm enthalten war, so wie dieses am vergangenen Freitag (24. Juni 2011) dem Parlament vorgelegt worden war.

Ursprünglich war vorgesehen, dass die Gewerbetreibenden analog zu der Anzahl der Einwohner der Stadt ihres Sitzes 500 oder 400 Euro zahlen, was ab dem 01/01/2012 (Fiskaljahr 2012) für alle Inhaber eines Unternehmens gilt. Nachdem jedoch die Bestimmung zurückgezogen wurde, welche die nachträgliche Rückforderung (!) gemäß dem geltenden Steuergesetz gewährter Steuerrückzahlungen vorsah, wurde zur teilweisen Deckung dieses bereits fest eingerechneten Einnahmepostens in Höhe von rund 600 Mio. Euro die über zwei Jahre rückwirkende Erhebung der neuen „Gewerbeabgabe“ nachgeschoben.

Der Vollständigkeit halber sei angemerkt, dass nach dem derzeitigen Stand der Dinge zumindest bis auf weiteres jene Selbständigen von der neuen Gewerbeabgabe befreit bleiben sollen, die ihr Gewerbe noch keine 5 Jahre ausüben oder nur noch maximal 3 Jahre bis zu ihrer Verrentung vor sich haben. Ebenfalls ist zu betonen, dass es sich nicht etwa um eine zeitlich befristete Sonderabgabe handelt, sondern mit der neuen „Gewerbeabgabe“ defacto eine neue alljährliche Kopfsteuer zu Lasten der Selbständigkeit und des allgemeinen Unternehmertums kreiert wurde.

Zwangsveranlagung und Sondersteuer für Selbständige in Griechenland

Ab diesem Jahr (sprich rückwirkend ab Anfang 2011) sollen Freiberufler, Gewerbetreibende und Unternehmer mit einem Mindesteinkommen zwangsveranlagt werden, das auf Basis einer Reihe (bisher allerdings immer noch nicht näher definierter) Kriterien wie Berufsgegenstand, Qualifizierung, Einwohnerzahl der Stadt des Gewerbe- bzw. Geschäftssitzes, Betriebskosten, Bestandsdauer des Unternehmens, Anzahl der eventuellen Beschäftigten usw. festgesetzt wird. Liegt das deklarierte Jahreseinkommen unter diesem fiktiv ermittelten Mindesteinkommen, gilt letzteres als Grundlage für die Einkommensteuerveranlagung.

Ebenfalls rückwirkend werden Freiberufler, Gewerbetreibende und Unternehmer erneut mit einer – im übrigen für die kommenden Jahre festgeschriebenen – Sondersteuer zur Kasse gefordert. Sollte das reale Einkommen unter dem wie vorstehend dargelegt fiktiv bestimmten Mindesteinkommen liegen, wird auch für die Veranlagung zu dieser Sondersteuer nicht das reale, sondern das fiktive Einkommen herangezogen.

Angesichts dieser verzweifeten Jagd des Fiskus auf neue und immer höhere Abgaben und Steuern steht außer Zweifel, dass sich das Firmensterben in Griechenland rasant beschleunigen wird (siehe auch Sparpolitik verwandelt Griechenland in Unternehmensfriedhof).

(Quelle: Vradyni)

  1. Marcus T.
    30. Juni 2011, 14:47 | #1

    Ich bin mir ja nicht so sicher ob man so etwas überhaupt „Sanierungsprogramm“ nennen darf.
    Angenommen ein Selbststäniger verdient 1000 Euro im Monat, was für griechische verhältnisse ja nicht schlecht ist, dann sind 300-500 Euro Sonderabgaben pro Jahr ganz schön happig!
    In wie fern solche Aktionen die Wirtschaft beflügeln sollen, ist mir schleierhaft. Mehr Steuern kann der Staat nur einnehmen, wenn mehr Geld verdient wird. Also muss es den Menschen auch leichter gemacht werden, von der Arbeitslosigkeit in eine selbstständige Tätigkeit zu wechseln. Vor der „Krise“ war das ja schon kompliziert und teuer genug, muss man da noch eins drauf setzen?

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