Griechenland und der Triumph der Heuchelei

26. Juni 2011 / Aktualisiert: 30. Juni 2013 / Aufrufe: 929

Nachstehender Beitrag gibt in deutscher Übersetzung den Artikel “Triumph der Heuchelei” des Chefredakteurs Panos Kolokotronis der griechischen Zeitung Vradyni wieder.

Chefredakteur Panos Kolokotronis der griechischen Zeitung Vradyni publizierte in seiner Kolumne „Zeichen der Zeit“ am 26. Juni 2011 unter dem Titel “Triumph der Heuchelei” einen Beitrag, der nachstehend in deutscher Übersetzung wiedergegeben wird.

Und wir haben doch gesiegt, teilte uns der Premierminister aus Brüssel mit. Die Definition, was einen Sieg darstellt, ist jedoch natürlich subjektiv. Alle die Technokraten und Ratten beispielsweise, die erachten, dass wir – glücklicherweise – die fünfte Rate des Kredits erhielten und somit nicht bankrott gehen, zumindest nicht jetzt, sind eindeutig erleichtert. Unter dem Strich haben sie letztendlich keine Einbußen bei ihrer Besoldung zu befürchten, so wie es sich auch die Funktionäre jeder Couleur gut gehen lassen, welche die dutzende von Ausschüssen besetzen, die diese Regierung bildete, die zur Bedienung der eigenen Leute für die Erhöhung der Ausgaben des Staates sorgt und gleichzeitig das Volk zu Opfern verpflichtet.

Können die Bürger erleichtert sein zu hören, dass sie einen Premierminister haben, der triumphiert, weil das Land die fünfte Rate des Kredits erhalten hat? Offensichtlich nicht. Weiter kann auch die Tatsache, dass Herr Papandreou den Entschluss zur Auflage eines neuen Kredits durch die Troika begrüßte, aus zwei Hauptgründen nicht als Heldentat betrachtet werden.

Der erste Grund hat mit der eigenen Natur des Schuldenproblems zu tun, mit dem Griechenland konfrontiert ist. Die Therapie, die für die Behandlung gewählt wurde, war die Unterzeichnung des Kredithilfeabkommens (Moratorium). Laut dem gemeinsamen Eingeständnis ist die Therapie jedoch fehlgeschlagen. Der Patient ist nicht gestorben, befindet sich jedoch eindeutig in einem kritischen Zustand. Wir befinden uns auf der Intensivstation, und die neue Therapie, welche die ausländischen Doktoren gewählt haben, ist – welch Zufall – die selbe wie die vorherige. Und wir sind obendrein zufrieden, weil wir das Schuldenproblem durch eine zusätzliche Verschuldung lösen! Gibt es eigentlich in diesem Land einen Volkswirtschaftler der glaubt, dass eine zusätzliche Verschuldung zu den selben oder noch schlimmeren Konditionen die erwünschten Resultate bringen wird?

Der Premierminister posaunt jedenfalls herum, dass all dies geschehe, damit wir aufhören … uns zu verschulden – und macht genau das Gegenteil, weil es offensichtlich die Troika so befiehlt.

Der zweite Grund, aus dem die Bürger sich durch diese Entwicklung nicht erleichtert fühlen können, ist die Tatsache, dass jedes Mal, wenn sich das Land von denen Geld leiht, die angeblich die Sanierung der Volkswirtschaft fordern, die Arbeitnehmer und Rentner noch mehr entbehren müssen, damit diese Kredite abbezahlt werden. Und weil die Kredite – wie auch die gesamte Verschuldung – hoch sind und ersichtlich ist, dass sie wahrscheinlich über lange Zeit zu tilgen sind, wird deutlich, dass die Bürger kontinuierlich zahlen werden müssen. Alle zwei oder drei Monate werden sie mit zusätzlichen Steuern belastet werden, bis wir als Land auch das letzte defekte U-Boot abbezahlt haben, das wir gekauft haben.

Was die harten und monatelangen Verhandlungen des Premierministers zur Sicherstellung der fünften Rate betrifft, können wir nicht viel sagen. Außerdem begreift das Volk besser als der Premierminister, wohin es mit diesem Land geht.

(Quelle: Vradyni)

  1. 27. Juni 2011, 07:01 | #1

    Tja, alle motzen, aber denkt jemand über nachhaltige Lösungen nach? Nein. Die Mehrheit der Menschen will wohl von einem korrupten System ins nächste.

    Ach ja, die Rechtsradikalen kommen in Europa wieder. Überrascht das irgendwen? Ist es doch so einfach z.B. den Griechen zu erzählen, dass der Feind in Deutschland und Frankreich hockt.
    Schon mal darüber nachgedacht, dass wie auch vor den 2 Weltkriegen, die gleichen korrupten Politiker in allen Ländern das machen was sie wollen und was ihnen den meisten Profit einbringt?

    Klartext: Politiker in der ganzen Welt sind alle die selben, sie heissen nur jeweils anders! KEIN POLITIKER interessiert sich einen Dreck für euch! Die Deutschen z.B. können genau so viel für den ganz Mist wie ihr, liebe Griechen! Ja, die Wahrheit tut weh…

    Habt ihr euch mal gefragt was „der Fehler im System“ sein könnte? Habt ihr euch mal gefragt, ob es vielleicht gar keinen Fehler im System gibt, sondern alles GENAU SO läuft wie es laufen soll?

    Wollt ihr von einem kaputten System ins nächste? Ist euch noch nicht klar, dass kein Politiker euch je retten wird? Ihr könnt das nur selber tun! Übernehmt endlich Verantwortung! Für euch selber, für eure Familien und für eure (Welt-)Nachbarn! Wenn ihr nicht kapiert, dass die Welt sich endlich von den Politikern befreien muss, dann seid ihr nicht mehr zu retten.

    Aber wahrscheinlich muss erst wirklich alles auseinander fallen, bevor eine Mehrheit das endlich begreift und handelt.

    Für alle die, die es nicht mehr mitansehen können und wirkliche Änderungen wollen:

    http://www.tzm.gr/
    http://www.thezeitgeistmovement.com

    HANDELT! JETZT!

  2. 27. Juni 2011, 09:49 | #2

    Wer glaubt Schulden mit noch mehr Schulden bezahlen kann ist entweder ein Politiker, Ökonom oder ein Idiot.

  3. Apateonas
    27. Juni 2011, 23:36 | #3

    Die Überschrift des Artikels ist wohl ziemlich zweideutig…“Griechenland und der Triumph der Heuchelei“! (…in From von Korruption und Steuerhinterziehung?)
    „Der erste Grund hat mit der eigenen Natur des Schuldenproblems zu tun, mit dem Griechenland konfrontiert ist.“…gut formuliert, nur sehr schlecht verstanden und interpretiert!
    „…bis WIR ALS LAND auch das letzte defekte U-Boot abbezahlt haben, das WIR gekauft haben.“
    Tja, face the facts ! Wer 10 Jahre lang über seine Verhältnisse lebt und in antitürkischem Waffenwahn verfallen ist, sollte endlich verstehen, daß die ach so „schlauen Griechen“ endlich IHRE Zeche selbst bezahlen müssen!!!
    Hat der Hr. Kolokotronis schon mal darüber nachgedacht, was wohl im Land passieren würde, wenn der Staat zahlungsunfähig ist? Das kann bis zum Bürgerkrieg gehen…
    Nett gerededete warme Luft, aber KEINE Selbsterkenntnis geschweige den ein Problemlösungsvorschlag…nur gejammer!

    Was „der Zeitgeist“ als Ursache des Problems verteufelt, nämlich die Politiker, wer hat die denn gewählt ??? Die „böse“ TROIKA ??? Die wenigen „bösen“ Reichen ???

  4. 28. Juni 2011, 02:09 | #4

    @EuroTanic
    Und wer von denen ist der eigentliche Verbrecher? 😉

  5. Jah-eh
    3. Juli 2011, 19:53 | #5

    Eben wer ist der Verbrecher?DIE POLITIKER!!!!!Griechenland ist hier das Land das von anfang an betrogen wurde!Die ganze Antike erfindungen alles wurde von euch nicht geschätzt.Weltsprache:Englisch!!!Warum?Griechisch wäre 100 Prozent Richtig!!!!!Und von Merkel will ich garnicht anfangen!!!Will Akropolis haben!!!!!HAHAHAHAh

  6. kosmida
    4. Juli 2011, 21:55 | #6

    Die brauchen ja nur die schwarzgelder zurück holen.

  7. Xristos
    6. Juli 2011, 23:32 | #7

    Was um Himmels Willen soll das alles? Als ich 1974 in Athen war und die Junta „zurücktrat“, waren Karamanlis und Konsorten die Retter. Was haben sie denn gerettet – und vor wem? Alle Regierungen nach 1974 waren korrupt und sie sind es heute noch. Retter sind es nie gewesen. Das trifft aber auch für deutsche Regierungen zu – nur, die sind schon seit 1945 daran gewöhnt. Es geht nicht darum, Schuld und Sühne zu praktizieren – wer in dieser EU überstehen will, MUSS etwas bringen. Auch dann, wenn die EU sie daran hindert. Warum, frage ich mich, bekommen Tabakbauern in GR Subventionen, wenn doch die EU das Rauchverbot immer weiter ausweitet?
    Woher kommt das Geld, dass in der Region Larissa/Trikala/Lamia ganze Orte aussehen lässt, wie ein Villenvirtel in München? Warum wrden in den Gaststätten Bulgaren, Rumänen, Polen etc beschäftigt, wenn doch ca. 17% der Griechen keine Arbeit finden? Ich frage das auch hier, in Deutschland – mag doch keiner glauben, das ich mit 55 noch Arbeit finde, wie denn auch?
    Die EU ist ein Sauhaufen – es sei denn, man sitzt in Brüssel/Berlin/Paris/Rom… oder in irgendeinem Amt irgendwo, das einem ein riesiges Einkomen beschert. Warum also Arbeit?
    Es kotzt mich an.

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