Griechenland kürzt Ansprüche auf Arbeitslosengeld

29. Juni 2011 / Aktualisiert: 24. August 2018 / Aufrufe: 3.214

In Griechenland treten schrittweise neue Regelungen für die Gewährung von Arbeitslosengeld in Kraft, die unter anderem die Ansprüche der Saisonarbeiter erheblich beschneiden.

Arbeitsminister G. Koutroumanis gab Korrekturen der geltenden Bestimmungen bekannt, die strengere Kriterien für die Gewährung von Arbeitslosengeld in Griechenland vorsehen. Konkret wird der Anspruch auf Arbeitslosengeld ab dem 01.01.2013 auf 18 Monate und ab dem 01.01.2014 auf 16 Monate innerhalb der letzten 4 Jahre reduziert, was im Vergleich zu den bisherigen Regelungen eine Kürzung der Anspruchszeit um 6 – 8 Monate bedeutet.

In Einzelheiten sehen die neuen Regelungen vor:

  • Ab dem 01. Januar 2013 können auf die letzten vier Jahre bezogen insgesamt nicht mehr als 450 Arbeitslosengeld-Tagessätze gewährt werden.
  • Ab dem 01. Januar 2014 können auf die letzten vier Jahre bezogen insgesamt nicht mehr als 400 Arbeitslosengeld-Tagessätze gewährt werden.

Gemäß den derzeitigen Regelungen kann ein Arbeitsloser innerhalb von vier Jahren für bis zu 20 Monate Arbeitslosengeld erhalten. Ab 2013 wird der Berechtigungszeitraum auf 18 und ab 2014 auf 16 Monate gekürzt (Berechnungsbasis: 1 Monat entspricht 25 Tagen).

Ab dem 01. Juli 2012 treten ebenfalls die Änderungen bei den Voraussetzungen für die Zahlung der Feiertagszulagen (Ostergeld, Weihnachtsgeld) in Kraft. Die neuen Kriterien entsprechen jenen, die auch für die Arbeitnehmer des privaten Sektors gelten. Konkret erhalten die unterstützten Arbeitslosen jedes Jahr eine finanzielle Unterstützung:

  • Zu Ostern in Höhe des halben Betrags des monatlichen Arbeitslosengelds, sofern der Arbeitslose über den gesamten Zeitraum von 01. Januar bis 30. April Arbeitslosengeld erhalten hat. Wurde er über einen kürzeren Zeitraum unterstützt, hat er für jeden Monat des Bezugs von Arbeitslosengeld innerhalb des Bemessungszeitraums einen Anspruch in Höhe von drei Tagessätzen.
  • Zu Weihnachten in Höhe des vollen Betrags des monatlichen Arbeitslosengelds, sofern der Arbeitslose über den gesamten Zeitraum von 01. Mai bis 31. Dezember Arbeitslosengeld erhalten hat. Wurde er über einen kürzeren Zeitraum unterstützt, hat er für jeden Monat des Bezugs von Arbeitslosengeld innerhalb des Bemessungszeitraums einen Anspruch in Höhe von drei Tagessätzen.

Obligatorisches Konto bei der Griechischen Nationalbank

Seitens der griechischen Agentur für Arbeit (OAED bzw. ΟΑΕΔ) wurde ausdrücklich betont, dass alle Bezugsberechtigten über ein Bankkonto bei der Griechischen Nationalbank (NBG) verfügen müssen, bei dem ihr Vor- und Nachname obligatorisch an erster Stelle der eventuellen sonstigen Kontoinhaber / -berechtigten angeführt sein muss. Sollte dies nicht gegeben sein, ist das Konto entsprechend zu ändern oder ein neues einzurichten. Sofern erforderlich stellt die / der OAED entsprechende Bescheinigungen aus, um Empfängern von Arbeitslosengeld gegebenenfalls die Kontoeröffnung bei der Nationalbank zu erleichtern.

Rückwirkende Kürzung der Renten für Seeleute

Zusammen mit den vorstehenden Regelungen wurde auch die ab dem 01. Januar 2011 rückwirkende Kürzung der Renten der Kasse der Seeleute (NAT) um 6% bekannt gegeben. Für bereits gezahlte Renten wird der entsprechende Betrag der Kürzung ab September 2011 in sechs gleichhohen Monatsraten von den zukünftigen monatlichen Rentenzahlungen einbehalten werden.

(Quellen: Ethnos, Vradyni)

  1. corfusina
    14. Dezember 2011, 11:39 | #1

    Langsam aber sicher werden die Griechen wohl aussterben. Ich lebe seit 11 Jahren auf Korfu und hier gibt es leider nur während der Saisonzeit, d. h. von Mai bis Ende Oktober, Arbeit. Also muss ich mich hier für 6 Monate arbeitslos melden. Nach den neuen Regelungen bekomme ich aber 2013 dann kein Arbeitslosengeld mehr im Winter. Kann mir mal jemand verraten, wie die Corfioten dann überleben sollen????????Ohne Geld? Klar könnte man jetzt sagen, spare doch im Sommer! Nur wie? Versucht einmal bei 800,-E mntl. -300,-E Miete, -70,-E Strom, -30,-E Wasser, -50,-E Benzin, -30,-E Telefon und einer Mwst. von 23% noch etwas zu sparen, um im Winter nicht zu verhungern oder zu erfrieren. Hat jemand eine Idee????

  2. Ottfried Storz
    15. Dezember 2011, 01:25 | #2

    Deine Situation ist total scheisse. Keine Frage.
    Nicht wir sind hierfür aber deine Ansprechpartner, sondern deine regionalen Pasok- und ND-Funktionäre.
    Die must du fragen und ihnen in den A…. treten.

  3. Ralf
    15. Dezember 2011, 07:51 | #3

    @ Corfusina
    Es war von Anfang an ein Fehler der griechischen Regierung Saison-Arbeitskräften im Winter ein Arbeitslosengeld zu zahlen, bzw es hätte so gering ausfallen müssen, dass ein klarer Anreiz für eine Arbeitssuche im Winter bestanden hätte. Es gibt ja auch Wintersaisonarbeit z.B. in den Alpen oder anderen Wintertouristikregionen. Diese Leute sind größtenteils auch im Sommer arbeitslos oder müssen in den Süden um dort am Meer zu arbeiten.
    Allgemein kann ich nicht glauben, dass die Menschen die im Sommer gearbeitet haben, soviel Geld in die Arbeitslosenkasse einzahlen konnten, dass sie es im Winter alles wieder bekamen und wenn man die tausenden von Griechen nimmt, auf die das auch noch zutrifft, dann ist das auch ein gutes Beispiel, warum das System nicht mehr funtioniert und kein Geld mehr hat.
    Es tut mir wirklich leid für Sie, aber es mußte wohl leider so kommen… früher oder später…

  4. miks
    15. Dezember 2011, 13:41 | #4

    seltsame antwort!typisch deutsch!

  5. White Tower
    15. Dezember 2011, 19:51 | #5

    Ralf :@ CorfusinaEs war von Anfang an ein Fehler der griechischen Regierung Saison-Arbeitskräften im Winter ein Arbeitslosengeld zu zahlen, bzw es hätte so gering ausfallen müssen, dass ein klarer Anreiz für eine Arbeitssuche im Winter bestanden hätte. Es gibt ja auch Wintersaisonarbeit z.B. in den Alpen oder anderen Wintertouristikregionen. Diese Leute sind größtenteils auch im Sommer arbeitslos oder müssen in den Süden um dort am Meer zu arbeiten.Allgemein kann ich nicht glauben, dass die Menschen die im Sommer gearbeitet haben, soviel Geld in die Arbeitslosenkasse einzahlen konnten, dass sie es im Winter alles wieder bekamen und wenn man die tausenden von Griechen nimmt, auf die das auch noch zutrifft, dann ist das auch ein gutes Beispiel, warum das System nicht mehr funtioniert und kein Geld mehr hat.Es tut mir wirklich leid für Sie, aber es mußte wohl leider so kommen… früher oder später…

    @Ralf

    Kein Land finanziert seine Arbeitslosengelder oder Pensionen sowie Gesundheitskosten ausschliesslich über einnahmenseitige Beiträge sondern über einen sogenannten Lastenausgleichfond.

    Gleiches gilt für Bahnfahrer welche auch nicht den tatsächlich entstsndenen Aufwand mit sen Ticketkosten begleichen.

    Ein Sozialstaat oder ein soziales Europa verteilt nun mal um … nur wenn in Griechenland seitens der derzeitigen Verantwortlichen endlich Verantwortung für -den Menschen- übernommen werden würde anstatt den Finanzhaien zu huldigen , kann sich das Land wieder positiv entwickeln.

  6. Vicky
    25. Februar 2013, 18:25 | #6

    Ich habe vor Jahren in Sommer in Griechenland gearbeitet. Im Winter bin zurück nach Österreich gegangen und hier, anhand von das was ich in Gr gerabeitet habe, meine Arbeitslosenunterstüzung bezahlt bekommen. Das, weil ich das Formular E301 aus Gr gebracht habe.
    Letzes Jahr habe wieder im Sommer in Gr gearbeitet, aber diesmal hat der OAED mir kein E301 (U1) Formular geben wollen. Ich habe nicht verstanden warum. Kann mir jemand sagen, was hat sich geändert?

  7. admin
    25. Februar 2013, 23:02 | #7

    @Vicky
    Diese Frage wird am besten der OAED / das (zuständige) KPA 2 beantworten können.

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