Sparmaßnahmen führen zu Rekorderhöhung der Bahnpreise in Griechenland

4. Dezember 2010 / Aktualisiert: 24. Dezember 2010 / Aufrufe: 4.993

Infolge rigoroser Sparmaßnahmen erhöhen sich in Griechenland ab Januar 2011 die Beförderungstarife der Eisenbahn im Schnitt um fast 100 Prozent und mehr.

Die Umsetzung des Gesetzes zur Sanierung und Neuorganisierung der Griechischen Staatsbahn OSE nebst der völligen Freigabe der Beförderungstarife im Personen- und Güterverkehr wird ab dem 01. Januar 2011 zu enormen Erhöhungen der Bahnpreise führen.

Ab Neujahr 2011 werden Eisenbahnfahrkarten in Griechenland auf fast dem gesamten fortan noch in Betrieb bleibenden Streckennetz rund doppelt so viel wie bisher und in einigen Fällen sogar fast das Dreifache kosten. Infolge dieser radikalen Tariferhöhungen werden Eisenbahn-Tickets zukünftig mit den Tarifen der Überlandbusgesellschaften KTEL gleichziehen oder diese sogar auch erheblich übersteigen.

Ebenfalls ab dem 01. Januar 2011 werden außerdem alle vergünstigten Tarife und Freikarten abgeschafft, die bisher bestimmten Kategorien von Fahrgästen (Polizisten, Soldaten usw.) für ihre Fahrten mit dem Zug gewährt wurden.

Die nachstehende Tabelle stellt die alten und neuen Fahrkartenpreise gegenüber und führt auch das aus der Erhöhung der Bahntarife resultierende Preisverhältnis von Eisenbahnticket (OSE) zu Busfahrkarte (KTEL) für die jeweils entsprechende Strecke an. Die angeführten Fahrkartenpreise beziehen sich auf Fahrten in der 2. Klasse regulärer Zügen und enthalten keine gegebenenfalls zu entrichtenden Zuschläge.

Linie / Strecke Preis (Euro) Erhöhung OSE / KTEL
bisher ab 2011
PATHE
Athen – Thessaloniki 20,10 39,00 94% 100%
Athen – Stylida 7,10 22,00 210% 100%
Stylida – Lianokladi 1,50 1,50 0 100%
Athen – Kalampaka 14,60 28,00 92% 100%
Thessaloniki – Kalampaka 8,90 15,00 69% 88%
Larisa – Paleofarsala – Kalampaka 5,40 7,60 41% 100%
Athen – Volos 15,00 25,50 70% 100%
Larisa – Volos 6,00 12,00 100% 235%
Thessaloniki – Larisa 10,00 20,00 100% 148%
Athener Vorstadtbahn
Piräus – Kiato 2 – 8 3 – 12 50%
Athen – Chalkida 5,00 7,50 50% 119%
Thessaloniki – Alexandroupoli
Thessaloniki – Alexandroupoli 12,90 23,85 85% 90%
Thessaloniki – Serres 5,10 6,66 31% 90%
Peloponnes (Touristikbahn)
Pyrgos (lokale Linie) 1,30 1,30 0
Diakopto – Kalavryta 3,20 3,20 0
Peloponnes
Patras – Kiato 3,70 7,92 114% 90%
Patras – Kalamata 6,60 18,18 175% 90%
Korinth – Argos 3,90 6,57 68% 90%
Tripoli – Nafplio
Westmazedonien
Thessaloniki – Edessa 3,70 6,75 82% 90%
Thessaloniki – Florina 6,30 12,60 100% 90%
Aminteo – Kozani 2,30 4,14 80% 90%

Wie von der griechischen Regierung bereits bekannt gegeben wurde, soll durch die rigorosen Tariferhöhungen das Defizit der OSE innerhalb des Jahres 2011 völlig ausgeglichen werden. Gemäß dem neuen Business-Plan der (Tochter-) Gesellschaft TRAINOSE werden sich im Jahr 2011 allein die Einnahmen aus dem Personenbeförderungsgeschäft auf 112 Millionen Euro belaufen (im Jahr 2009 wurden auf diesem Sektor Einnahmen von gerade einmal 61 Millionen Euro erzielt). Für die Jahre 2012 und 2013 wird mit einem weiteren Anstieg der Einnahmen aus der Personenbeförderung auf 115 Millionen Euro bzw. 119 Millionen Euro gerechnet.

Ausdünnung der Linien und Streckenstilllegungen

In der neuen Unternehmensstruktur wird fortan die OSE-Tochtergesellschaft TRAINOSE das Transportwesen führen und allein über das von ihr betriebene Streckennetz und die Tarifpolitik entscheiden. In diesem Rahmen werden ab Anfang 2011 auf einem großen Teil des griechischen Eisenbahnnetzes die Linien der OSE eingestellt werden.

In Betrieb bleiben werden konkret nur die Linien der Vorstadtbahn sowie auch die Linien auf den Strecken Athen – Thessaloniki, Athen – Styliada, Styliada – Lianokladi, Athen – Kalampaka, Thessaloniki – Kalampaka, Athen – Volos und Thessaloniki – Larisa.

Dagegen wird damit gerechnet, dass im Jahr 2011 die Strecken auf der Peloponnes (ausgenommen Patras – Kalamata), in Westmazedonien (ausgenommen Thessaloniki – Serres), die Linien nach Florina und von Koulata, Idomeni und Pythio bis auf weiteres stillgelegt werden. Ab 2012 ist jedenfalls geplant, sowohl die Strecken der Touristischen Bahn Peloponnes (Pyrgos und Diakopto – Kalavryta) und die Strecken Thessaloniki – Edessa, Larisa – Volos und Larisa – Paleofarsala – Kalampaka wieder in Betrieb zu nehmen.

Es sei angemerkt, dass auf einigen zur Stilllegung vorgesehenen Strecken der Betrieb durch die gesetzlich vorgesehene staatliche Subventionierung mit jährlich 50 Millionen Euro schließlich möglicherweise doch aufrecht erhalten wird.

Der Business-Plan der TRAINOSE sieht ebenfalls Einsparungen bei den Lohnkosten vor und rechnet im Vergleich zu 2009 mit einer Minderung von über 50%. Allein aus der Einstellung der unrentablen Linien erwartet das Unternehmen einen Nettogewinn von 34,1 Millionen Euro – welcher Betrag den jährlich verzeichneten Verlusten der Vorstadtbahn Athen entspricht. Mit dem anstehenden Abbau des Personals der TRAINOSE sollen im Jahr 2011 die Lohnkosten auf 48,5 Millionen Euro reduziert werden.

Ergänzende informationen bietet der Artikel Öffentliche Verkehrsmittel in Griechenland

  1. Marcelo
    5. Dezember 2010, 00:37 | #1

    Endlich ein gut geschriebener Artikel, mein Dank. Muss man erstmal verarbeiten. Generell finde ich diesen Blog gut zu lesen und leicht zu verstehen.

  2. Jo
    8. Dezember 2010, 08:34 | #2

    das sind aber geringe preise bei denen, auch noch der erhöhung

  3. 9. Dezember 2010, 15:09 | #3

    ich kann Jo nur zustimmen, die Preise sind zwar geringer, aber man muss auch beachten, dass der durchschnittliche Jahresverdienst in Griechenland niedriger ist. Somit sind die drastischen Erhöhungen doch eine enorme Belastung für die Bevölkerung!

  4. Michel
    9. Dezember 2010, 15:35 | #4

    Wenn man durchschnittlich mit 55 in Rente geht mit ca. 3-5k € Rente die darüber hinaus auf die nächsten Verwandten im Todesfall sich übertragen lässt sind diese Preise im Vergleich zu deutschen Transportpreisen für das Stückgut Mensch auf die Entfernungen gerechnet mehr als Spotbillig. Nicht zu vergessen das in Griechenland die höchste Autodiche für Porsche Cayenn zu finden ist. Kreditfinanziert über Banken in Deutschland. Ein Schelm wer böses dabei denkt.

  5. Takis
    9. Dezember 2010, 17:02 | #5

    Michel :
    Wenn man durchschnittlich mit 55 in Rente geht mit ca. 3-5k € Rente die darüber hinaus auf die nächsten Verwandten im Todesfall sich übertragen lässt …

    Bildzeitung & Co haben wirklich mal wieder exzellente Hetzpropaganda geleistet: Hut ab!

  6. Konstantina
    10. Dezember 2010, 07:27 | #6

    Das Tsounami kommt bald auch nach Deutschland wenn ihr dies nicht kappiert habt. Spatestens im Maerz 2011 wird ganz Europa dadurch betroffen und dann denkt niemand mehr an die Griechen und an den Suedteil von Europa. Wir Griechen sind zumindestens diesbezueglich seelisch schon vorbereitet. Unser Kampf beginnt schon am 15 Dezember 2010 mit der groessten Demonstration je in unserem Land. Arbeiter, Taxifahrer, Anwaelte, Beamte Aertzte, Polizisten, Rentner und das ganze Volk geht auf die Strassen

  7. 10. Dezember 2010, 13:57 | #7

    Speziell an Takis:
    Die Bildzeitung ist zwar sicher nicht die beste Lektüre, doch solange die Cafes in Griechenland, in denen der Kaffee Frapee bis zu 4 Euro kostet, in der Mittagszeit brechend voll sind, und sich in den Restaurants bei Feiern die Tische biegen und die Hälfte hinterher weggeworfen wird, solange es in den Städten kaum noch Parkplätze gibt, weil in Familien jeder mindestens ein Auto fahren muss, solange geht es den Griechen nicht wirklich schlecht.
    Worüber regt sich der Grieche denn auf? 12,90 € für die Strecke Thessniki Alexpolis (300km) ist genauso wenig machbar wie der Stadtbus in Thessaloniki vom Flughafen zum Busbahnhof durch die ganze Stadt für 60 Cent.
    Ich lebe seit 12 Jahren in Griechenland und profitiere von den zu billigen Lebenshaltungskosten für Wasser, Strom, Gemeindesteuern, Müllabfuhr usw.. Wie der griechische Staat unter solchen Voraussetzungen wieder finanziell auf die Beine kommen soll, ist mir ein Rätsel. Abgesehen von den Massen an Schwarzarbeitern fällt mir immer wieder die Steuerhinterziehung z.B. in Restaurants, oder bei Handwerkern auf.
    Und was fällt den Griechen dazu ein? Streiken zum Erhalt Ihrer Privilegien. Speziell 2010 ist der Tourismus in Griechenland um ca. 25% zurückgegangen. Wenn gesagt wird, das durch den Streik kein Sprit mehr zu bekommen ist und somit auch Leihwagen nicht mehr fahren können, dann sucht man sich als Tourist zum Beispiel eine wesentlich günstigere Pauschalreise in die Türkei. Dort sollen die Leute, die mit den Touristen zu tun haben noch wesentlich freundlicher sein. Speziell auf der Insel, auf der ich lebe wurden die Touristen nicht nur durch hohe Preise, sondern auch noch durch hohe Müllberge am Strand vertrieben, die die Gemeinde selbst dort hingekarrt hat.
    Leider kann ich so etwas auf meiner Webseite nicht schreiben, sonst geht es mir schlimmer als dem Chef von Wikileaks. Nicht die Verursacher werden bestraft, sondern die, die Verbrechen aufdecken.
    Ich als Ausländer in Griechenland kann gemeinsam mit den Griechen, die lange Jahre als Gastarbeiter in Deutschland gelebt haben, sagen: Das Leben in Griechenland könnte so schön sein, wenn es die Korruption nicht gäbe und die Leute nicht so egoistisch wären.

    Kleines Beispiel: Was macht die Polizei auf unserer Insel? Sie wartet auf die Rente. Nur so ist zu erklären dass bei uns fast kein Auto verkehrssicher ist, die Fahrer ein angewachsenes Handy am Ohr haben und besoffen fahren. Das in allen Restaurants auf unserer Insel geraucht wird. Das die Gemeinde trotz Anzeige den Müll teilweise und die Gülle komplett in die Landschaft entsorgt.

    Ein Nachsatz: Natürlich gibt es auch in Deutschland auch Korroption und Egoismus, doch in Griechenland ist es für jemand der dort lebt spätestens in dem Moment, wo er Griechisch gelernt hat, so offensichtlich, dass es ärgerlich wird.
    Trotzdem, wenn ich mich auf die Natur konzentriere und die Freunde, die ich dort habe, dann ziehe ich das Leben dort vor, und deshalb lebe ich dort.

  8. Konstantina
    10. Dezember 2010, 23:38 | #8

    Ich rate Dir so schnell wie moeglich wieder zuerueckzukehren damit wir griechische Egoisten alleine bleiben !! Sicherlich gib es einen Grund dass DU aus Deutschland nach Griechenland gefluechtet bist. Wenn es Dir unsere Mentalitaet nich passt ist es dein Problem ich musste mich auch an dem deutschen Leben 10 Jahre lang anpassen und mich nicht beklagen ueber eure Arroganz und Konservatismus !!! Gibt uns vorab die Abfindungen fuer das Massaker im 2 Weltkrieg die IHR uns noch schuldet und denk wenn wir von euch nicht mehr Waffen kaufen muessten ginge uns viel besser und nie vergessen an SIEMENS (die Korruption hoch drei) ich kann auch Dir und allen anderen auch die abgewickelten Vertraegen von Hochtief und Hypo Vereinsbank bezueglich des neuen Athener Flughafens veroeffentlichen, damit wir sehen welchem Land unser Geld zugeflossen ist , provoziert uns nicht mehr weil ab jetzt wird das VOLK spechen

  9. Karin Aevazoglou.
    12. Dezember 2010, 23:04 | #9

    @Jermanos
    Du hast mir tief aus der Seele gesprochen. Alle Umstände, die dort jetzt herschen, sind vorsätzlich gewollt. Das Volk will es nicht anders, nur wenn jeder einzelne etwas tut kann man etwas ändern. Und jetzt geht es nur noch mit Zwang der Regierung; und das ist richtig so.

  10. Andrea Zapper
    13. Dezember 2010, 19:49 | #10

    @Konstantina
    Immer her mit einem WIKIGREEK mit den gesammelten Skandalen, möglichst mit englischer Übersetzung, damit man es auch in Brüssel liest.

  11. Konstantina
    14. Dezember 2010, 08:33 | #11

    Sie sind sowieso billingual abgeschlossen, man braucht sie nicht mal zu uebersetzen, im Original vorhanden undsogar von unserem heutigen Kanzler (Damals Aussenminister) abgewickelt !!! Man soll mit den Juristen nicht spielen !!

  12. Clemens
    10. Januar 2011, 13:36 | #12

    Danke für die ausführliche Recherche! Wo findet man aktuelle Meldungen über die Bahnpreise und Streckenstilllegungen in Griechenland? Auf trainose.gr sind noch die alten (billigen) Preise bei Buchungsanfragen bis in den März hinein angegeben. Ich möchte evtl. im März dort mit der Bahn reisen und überlege, ob sich ein Interrail-Ticket lohnen würde…

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