Diabetiker werden in Griechenland aus wirtschaftlichen Gründen amputiert

9. Oktober 2010 / Aktualisiert: 10. Oktober 2010 / Aufrufe: 836

Der gesetzliche Sozialversicherungsträger IKA-ETAM in Griechenland verweigert Diabetikern therapeutisches Schuhwerk mit der Begründung, dass eine Amputation wirtschaftlicher sei.

Eine unglaubliche Brutalität zeigt der größte griechische gesetzliche Sozialversicherungsträger IKA-ETAM gegenüber Diabetikern, denen eine Amputation der unteren Gliedmaßen droht. Wie die griechische Tageszeitung To Vima berichtete, verweigert die Krankenkasse des besagten Versicherungsträgers Diabetikern spezielle Schuhe, weil „… die Amputation des Fußes nicht abgewendet, sondern einfach nur um ein bis zwei Jahre hinausgeschoben und der erwartete Nutzen geringer sein wird als die absehbaren Kosten„.

So unglaublich es auch klingen mag: Die vorstehend zitierte Phrase ist einem Schreiben der Abteilung für Gesundheitsleistungen der gesetzlichen Versicherungsanstalt IKA-ETAM an den panhellenischen Dachverband der Interessenverbände und Vereine der Diabetiker in Griechenland entmommen!

In einer Bekanntmachung des Verbandes wird angeführt, dass therapeutisches Schuhwerk eine grundlegende und notwendige Vorsorgemaßnahme für Diabetiker darstellt, die in hoher Gefahr schweben, sich einer Amputation unterziehen lassen zu müssen. Ebenfalls wird betont, dass die Antwort des speziellen Ausschusses der IKA-ETAM der Wissenschaftlichkeit entbehrt, da sie in krassem Gegensatz zu den Daten der anerkannten internationalen Literatur und den wirtschaftstechnischen Studien über Kosten und Effektivität in Bezug auf den „Diabetiker-Fuß“ sowie auch den Vorgaben und Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation, des internationalen Diabetes-Verbandes usw. stehe. Weiter wird angemerkt, dass die Gewährung therapeutischen Schuhwerks in Kombination mit der Einrichtung von Krankenhaus-Ambulanzen für die Behandlung von Diabetiker-Füßen zu einem steilen Rückgang der jährlich tausendfach vorgenommenen Amputationen bei Diabetikern führen könnte.

Gegenüber der Tageszeitung Ta Nea charakterisierte Athanasia Karounou, Vorsitzende des panhellenischen Dachverbandes der Diabetiker, die auf dem Kriterium der Kosteneffektivität basierende Buchhaltermentalität als „linde bezeichnet unverschämt“ und legte dar: „Die IKA-ETAM beruft sich auf Daten, die einer wissenschaftlichen Basis entbehren. Am Beispiel Deutschland hat sich dagegen mit der Umsetzung von drei Maßnahmen – nämlich ärztliche Diagnose / ärztliches Eingreifen, Gewährung therapeutischen Schuhwerks und Training des Patienten –  ein Rückgang der Amputationen um bis zu 85% gezeigt. Weiter betont sie, dass die speziellen Schuhe für Diabetiker 350 bis 400 Euro kosten, während eine Amputation die Krankenkassen bis zu 70.000 Euro kosten kann.

Die Partei SYRIZA betont in einer diesbezüglichen Stellungsname: „Die für Gesellschaft und Wirtschaft destruktive Politik der Troika (sprich EU, EZB, IWF) und der Regierung sowie der Druck auf die öffentlichen Träger zur drastischen Einschränkung der sozialen Leistungen führen zu extrem schnöden Praktiken wie der IKA. Die Regierung stellt zum wiederholten Mal die Bedürfnisse der Gläubiger des Landes über die Bedürfnisse der Menschen und insbesondere der Kranken und funktioniert den Sozialversicherungsträger IKA-ETAM in einen „Vampir“ um, der für ein paar Euro die Diabetiker zur Amputation verurteilt.

Böse Stimmen schlugen inzwischen sogar schon vor, zugunsten einer nachhaltigen Sanierung des maroden Gesundheitssystems in Griechenland ausnahmslos alle einschlägigen Leistungen zu streichen,  weil unabhängig von dem jeweiligen finanziellen oder / und therapeutischen Aufwand letztendlich jeder Mensch früher oder später sterben wird … .

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